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Schule

«Hausaufgaben sollen den Kindern Freude machen»

3 Fragen an Achim Arn, der in Wil SG mit seiner Kollegin Darinka Egli eine altersgemischte, integrative Unterstufenklasse unterrichtet. Bei ihnen bestimmen die Schülerinnen und Schüler die Menge und das Niveau der Hausaufgaben selbst. Wie funktioniert das?
Interview: Claudia Landoldt
Bild: Désirée Good / 13 Photo

Herr Arn, wie sieht das Hausaufgabenkonzept Ihrer Klasse aus?

Erstens: Das Kind muss die Hausaufgabe wollen! Die Motivation liegt also beim Kind. Zweitens: Es muss sich darin kompetent fühlen, es muss sich das, was es zu Hause arbeiten soll, vorstellen können und sich darin sicher fühlen. Drittens: Die Hausaufgaben entstehen aus dem, was im Unterricht entsteht, und fliessen auch da wieder hinein. Viertens soll das Kind Anerkennung erhalten. Es bekommt ein Feedback zu dem, was es erarbeitet hat. Die Schüler erhalten von uns also nichts aufgebrummt, sondern das Angebot, etwas Sinnvolles für sich zu arbeiten. Die Hausaufgaben sollen ihnen Freude machen!
Achim Arn. Foto: Samuel Trümpy 
Achim Arn. Foto: Samuel Trümpy 

Wie sieht das in der Praxis aus?

Um jedem Kind in seiner Einzigartigkeit gerecht zu werden, arbeiten wir ohne Lehrmittel und Arbeitsblätter. Die Kinder haben dafür leere Hefte, die sie selbst mit ihren Arbeiten füllen. Jedes Heft ist so einmalig, wie die Kinder es selbst sind. In diese Hefte kommen auch die Hausaufgaben. Natürlich sollen und müssen diese zum einzelnen Kind passen. Das heisst zum Beispiel, dass sie uns nach dem gemeinsamen Plus-Rechnen fragen, ob wir ihnen noch Aufgaben ins Heft schreiben könnten. Meist sagen sie uns auch genau, wie diese auszusehen haben und wie viele sie wollen. Das ist zwar aufwendig, lohnt sich aber. Wir sind gerade dabei, die «vier Elemente» zu erforschen. Da liegt es nahe, die Kinder zu ermutigen, die Experimente aus der Schule mit ihren Eltern zu Hause zu wiederholen und ihnen alles zu erklären. Das macht allen Spass und alle lernen etwas dabei!

Wie gehen die Eltern damit um?

Ich glaube, alle finden es gut! Natürlich ist es für die Eltern am Anfang etwas ungewohnt. Doch das ändert sich rasch: Sie sehen, wie fleissig ihre Kinder in der Schule und je nach Situation auch zu Hause arbeiten. Dazu sehen sie die Lernerfolge der Kinder. So wächst das Vertrauen, dass man mit Freude mehr lernt als mit Angst und Druck. Viele Eltern finden es auch sehr entlastend, weil unsere Hausaufgaben keinen Familienstress produzieren. Denn die Kinder wählen ihre Hausaufgaben sehr bewusst. Hat ein Kind an einem Abend noch Training oder sonst Programm, hält es sich zurück. An einem regnerischen Mittwochnehmen dann deutlich mehr Kinder etwas zum Arbeiten nach Hause. Auf jeden Fall erzählen uns die Eltern immer wieder, dass die Kinder ihre Hausaufgaben von sich ausanpacken und sie sehr selbständig lösen können. Das muss auch so sein, denn wir schreiben und entwickeln die Aufgaben ja nicht für die Eltern!

 
Weitere Informationen über Darinka Eglis und Achim Arns Klasse, das Schulhaus Prisma und dessen Schulkonzept: www.prisma-wil.ch

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