Unterrichten in Zeiten von Corona
Schule
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Um 13 Uhr gehts weiter. Gegen 16 Uhr wird es langsam ruhiger, auch hier wäre die «Unterrichtszeit» der Jugendlichen auf die Stunden zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr beschränkt, aber auch sie wollen es gut machen und ihre Aufträge beenden. Schliesslich schreibe ich den Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit und bereite den nächsten Tag vor. ­Meinen Arbeitstag beende ich um 21 Uhr.

Mein Job hat sich seit Beginn der Corona-Krise gefühlsmässig stark verändert. Meine Kernaufgabe als Lehrperson ist die Gestaltung einer Lernbeziehung – im Fernunterricht fühlte ich mich oftmals mehr als Buchhalter. Wer hat den Auftrag eingereicht und wie wurde er gemacht? Wie viele unterschiedliche offene Aufträge habe ich in der ­Klasse Z? Viel lieber würde ich folgenden Gedanken nachhängen: Schülerin X hat heute super gearbeitet und einen fröhlichen Eindruck gemacht. Offenbar haben sich die Streitigkeiten unter den Mädchen beruhigt.
Es sind Kompetenzen in den Fokus geraten, ­welche die Kinder sonst kaum in dieser kurzen Zeit ­erworben hätten.
Ein abschliessendes Fazit aus der Fernunterrichtszeit zu ziehen, erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Dennoch steht für mich fest: Nicht nur mir, sondern auch den Schülerinnen und Schülern hat der gezielte Austausch gefehlt. Im Fernunterricht vermisse ich die Lernbeziehungen. Als Lehrperson habe ich gemerkt, wie ich mit nonverbalen Signalen das Lernen positiv beeinflussen kann. In dieser Phase sind nun eher andere Kompetenzen in den Fokus geraten, welche die Kinder sonst kaum in dieser kurzen Zeit erworben hätten. Ich denke an digitale Kompetenzen, aber auch an Kompetenzen im Bereich der Selbstorganisation. Dort habe ich sie noch besser kennengelernt.

Es gibt noch Investitionsbedarf in der digitalen Transformation

Leider kommen gewisse Fächer wie beispielsweise die Fremdsprachen im Fernunterricht viel zu kurz. Der Kontakt mit der Sprache, der für das Erlernen derselben so wichtig ist, wird auf sehr kurze und einseitige Sequenzen reduziert.
Die Fernlernphase hat aber auch gezeigt, dass digitale Werkzeuge ein pädagogisches Mittel sein können, um gewisse Inhalte individualisierend zu gestalten. Die Struktur der Schule hilft, die Chancengerechtigkeit möglichst hoch zu halten. Nicht nur die technischen Barrieren, sondern auch das Umfeld (zum Beispiel kleinere Geschwister, enge Platzverhältnisse in der Wohnung) haben einen Einfluss, wie gut jemand dem Fernunterricht folgen kann.

Für die Schule erhoffe ich mir längerfristig einen positiven Effekt dieser Phase. So wurde klar aufgezeigt, wo die digitale Transformation noch Investitionen bedarf, sowohl bei den technischen Voraussetzungen und den Lehrmitteln als auch in der Aus- und Weiterbildung der Lehrerschaft.

Es bleibt noch so einiges zu tun. 

<div><strong>Samuel Zingg</strong> ist Lehrperson an der Sekundarstufe I in Buchholz GL und Mitglied der Geschäftsleitung des LCH. Der Vater einer siebenjährigenTochter und eines fünfjahrigen Sohnes wohnt in Mollis GL.</div>
Samuel Zingg ist Lehrperson an der Sekundarstufe I in Buchholz GL und Mitglied der Geschäftsleitung des LCH. Der Vater einer siebenjährigenTochter und eines fünfjahrigen Sohnes wohnt in Mollis GL.

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