Schule
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Was passiert mit dem Lernen ausserhalb der Schule?

Eine weitere Aufgabe der Volksschule ist, die Kinder zu befähigen, ihr Leben selbständig meistern zu können. Dazu gehört meines Erachtens auch sehr viel Wissen und ­Können, das man nicht nur in der Schule erlangen kann. So hat beispielsweise eines meiner Kinder in der Lockdown-Phase zu viel Sauce gekocht, weil ihm beim Umrechnen einer Mengenangabe ein Fehler unterlaufen ist. Ein wunderbarer Fehler, da wir uns noch lange an ihn erinnern werden. Und damit ein grossartiger Moment zum Lernen. So konnten wir auch in der Schule bei vielen Kindern Fortschritte ­feststellen, die sie in der Zeit des Distance-Learnings gemacht haben. Fortschritte, die wir im Voraus kaum für möglich hielten. Darüber werden wir nachdenken müssen. Offensichtlich schaffen auch Freiräume das Potenzial für Entfaltung.

Den bestehenden Druck gut ­bewältigen

Darum sollten wir aus dieser Zeit mitnehmen, auf keinen Fall mehr Druck auf die Kinder und Jugendlichen auszuüben, davon gibt es schon genug. Wir verantwortlichen Personen in der Schule (und die Eltern) tun gut daran, den Schülerinnen und Schülern zu helfen, den bestehenden Druck gut zu bewältigen, indem wir ihnen Zuversicht vermitteln. Ausserdem müssen wir Freiräume schaffen, um Potenziale freizulegen respektive Talente zu fördern – alle Kinder und Jugendlichen haben Talente.
Wir sollten aus dieser Zeit mitnehmen, dass wir auf keinen Fall mehr Druck ­ auf die Kinder und ­Teenager ­ausüben dürfen.
Eine Blume wächst nicht, wenn wir einen schweren Stein auf den Keimling legen. Die Blume will gehegt und gepflegt werden, ganz so wie im Buch «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz entdeckt eine Blume auf seinem Planeten und tritt mit ihr in einen Dialog:

«Ich glaube, es ist Zeit für das ­Frühstück», nahm sie [die Blume] das Gespräch wieder auf, «hätten Sie die Güte, an mich zu denken …» Da errötete der kleine Prinz, holte frisches Wasser und goss die Blume.

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