Schule
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Welche Instanzen können Schulleiter um Unterstützung beziehungsweise Hilfe bitten?

Ich nutze beispielsweise das kollegiale Netzwerk bestehend aus anderen Schulleitern, hole Meinungen ein oder erkundige mich nach Fachpersonen. Die Anlaufstelle für Schulleiter ist in der Regel der Präsident des kantonalen Schulleiterverbandes. Dieser verschickt die Anfragen via Mail an sein Netzwerk und bittet um Rückmeldung an den Absender. 

Sie führen eine Primarschule in einer eher ländlich geprägten Region. Man kennt sich aus Vereinen, Ihre Frau trifft Väter oder Mütter Ihrer Schüler beim Einkaufen. Fällt es in diesem Fall schwerer, sich abzugrenzen?

Es ist auch eine Chance, wenn man in einer kleineren Gemeinde, in der man lebt, arbeitet. Aber ja, meine Frau hat sicher lernen müssen, sich abzugrenzen. Als ich die Stelle als Schulleiter angetreten habe, waren meine Kinder noch klein. Jetzt gehen sie in die Schule, und die Eltern meiner Schüler kennen mich auch als Vater. Das macht einen menschlicher und entspannt die Situation um einiges.

Ihre Kinder gehen in die Schule, an der Sie Schulleiter sind?

Ja, ich wollte nicht, dass meine Kinder anders behandelt werden. Auch wenn es für die Lehrpersonen nicht immer ganz einfach ist. So haben sie mich als Chef und Vater im Nacken. 

Seit dem 1. August sind Sie Präsident des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz. Dafür haben Sie Ihr Pensum als Schulleiter auf 60 Prozent reduziert.

Bisher hatte ich zwei Schulstandorte unter mir, einen konnte ich an einen jüngeren Kollegen abgeben. Er war mein Wunschkandidat für den Posten. Es ist nicht selbstverständlich, eine Schulleitungsposition aus den eigenen Reihen besetzen zu können. 
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Sie spielen auf den Schulleitermangel an.

Der meiner Meinung nach noch gravierender ist als der Lehrermangel. Ich finde es nicht glücklich, wenn «nur» von einem qualitativen Mangel gesprochen wird – anstatt von einem grundsätzlichen Lehrer- beziehungsweise Schulleitermangel. Das bedeutet ja, dass mit dem letzten Aufgebot Stellen besetzt werden, und das ist keine gute Ausgangslage für eine Schulgemeinde, die die ideale Person finden und nicht die letzte verfügbare nehmen muss.

Warum fehlen geeignete Schulleiter? Ist die Position nicht attraktiv?

Es ist eine einsame Rolle. Ich bin bis vor einem Jahr der Vorgesetzte von 50 Personen gewesen. Das ist unheimlich anspruchsvoll. Jeder Einzelne hat Anliegen an seinen Chef, dazu kommt die Kommunikation mit den Eltern und der Schulbehörde. Kaum ein Schulleiter bewältigt seinen Job in einem Vollzeitpensum, viele unterrichten nebenher. Die Pensen sind oft zu knapp bemessen.

Was ist zu tun?

Die Ausbildung attraktiver zu machen, genügt nicht, respektive es ist der falsche Ansatz. Der Job des Schulleiters müsste attraktiver sein. Ein Faktor wäre dabei sicher, den Schulleitern für die anfallenden Aufgaben genügend Zeit zu verschaffen. Da ist die Politik gefordert.
Eveline Hartmann und Nik Niethammer vom Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi im Gespräch mit Thomas Minder (Mitte). Er weiss aus Erfahrung, wie einsam die Rolle des Schulleiters ist. Er fordert, den Job attraktiver zu machen.
Eveline Hartmann und Nik Niethammer vom Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi im Gespräch mit Thomas Minder (Mitte). Er weiss aus Erfahrung, wie einsam die Rolle des Schulleiters ist. Er fordert, den Job attraktiver zu machen.

Wie stehen Sie zu Quereinsteigern?

Natürlich wäre es einfacher, wenn eine Lehrperson, die das System kennt, zum Schulleiter wird. Doch wichtiger ist es, eine Person zu wählen, die eine Leidenschaft für Menschen hat. Es ist ein geflügeltes Wort, aber es ist so: Eine Lehrperson wie auch ein Schulleiter muss Menschen mögen, sonst ist man am falschen Ort. Es gibt Lehrpersonen, wenn auch wenige, die können nicht mit Menschen, die sind dummerweise im falschen Beruf gelandet. Als Schulleiter muss man dafür brennen, gute Situationen zu schaffen, mit den Menschen, die dort arbeiten, für die Kinder, die zu uns kommen. 

Verstehen Sie Lehrpersonen, die Mühe mit Quereinsteigern haben? 

Natürlich. Sie meinen, der- oder diejenige habe kein Verständnis für ihre Situation, weil er oder sie das System nicht kennt. Ich selbst bin als Sekundarlehrer Schulleiter auf Kindergarten- und Primarstufe geworden. Mir ist man anfangs auch mit Skepsis begegnet.

Haben Sie Fehler gemacht?

Ja, ich glaube aber nicht zu gravierende. Für den Kindergarten habe ich einmal einen Fragebogen entworfen, auf dem die Schülerinnen und Schüler ankreuzen sollten: «trifft zu», «trifft manchmal zu», «trifft gar nicht zu». Die Kindergartenlehrperson hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Kinder das noch gar nicht verstehen. Sie arbeite auf dieser Stufe mit Smileys. Als Quereinsteiger macht man vielleicht zwei bis drei Anfängerfehler, doch wenn man selbst grossmütig ist und sein Umfeld einem grossmütig begegnet, schafft man das miteinander.

Was werden die grossen Themen Ihrer Amtszeit als VSLCH-Präsident sein? 

Zum einen habe ich es mir zum Ziel gesetzt, eine bessere Vernetzung der einzelnen kantonalen Schulleiterverbände voranzutreiben. Zum anderen will ich Tools, wie Positionspapiere oder ein Kommunikationskonzept, zur Unterstützung der kantonalen Bildungsarbeit erarbeiten. Darüber hinaus möchte ich den Schulleiterdachverband und seine Arbeit bekannter machen. Unserem Land fehlt eine Vorstellung davon, wie Schule in Zukunft aussehen soll. Dahingehend möchte ich Einfluss nehmen auf die politischen Verantwortlichen und Verbände.

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