Tagesschulen in der Schweiz
Schule
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Regeln werden an die Jüngeren weitergegeben

Nach dem Zähneputzen wird es ruhig im Gemeinschaftsraum. Jesus malt an einem Mandala, Jakob sitzt bei der Legokiste auf der Fensterbank, über ihm Waldtiere aus Seidenpapier, von der Decke hängen Tannzapfen. Die meisten haben sich abgemeldet und toben sich unter Aufsicht auf dem Fussballplatz aus. Die anderen geben Bescheid, in welchem Raum sie spielen wollen. Solche internen Regeln würden fast automatisch von den älteren Kindern an die jüngeren weitergegeben. «Doch wir lassen sie auch ihre eigenen Regeln machen. Wir sind die Leitplanken, helfen und unterstützen. 
Ämtli-Liste: Die Kinder helfen mit beim Schöpfen des Zmittag. 
Ämtli-Liste: Die Kinder helfen mit beim Schöpfen des Zmittag. 
Dazwischen sollen sich die Kinder selber finden», erläutert Philipp Stöckli. Die familiäre Atmosphäre werde sicher durch die Grösse und die Raumaufteilung unterstützt, sagt Stöckli, selbst Vater von zwei Söhnen. Die Kinder verteilen sich auf die Räume, finden Ruhe in der Kreativecke und im Lesebereich. Andere brauchen Bewegung – auf dem Fussballplatz, dem Pausenplatz oder bei schlechtem Wetter in der Turnhalle, die vor und nach der Schule für die Betreuung reserviert ist. 

Auch die lange gemeinsame Zeit, acht Jahre vom Kindergarten bis zum Abgang in die Oberstufe, fördert die familiäre Stimmung. «Wir stecken über die Jahre viel Zeit und auch Leidenschaft in den Beziehungsaufbau», so Stöckli. Das bestätigt sich, wenn nachmittags unangekündigt Jugendliche vorbeischauen, um ihm ein bisschen davon zu erzählen, wie es in der Sekundarschule so läuft.

«Betreuungszeit ist Freizeit»

Mittlerweile hat die Schule Feierabend, nur die Hausaufgabenbetreuung findet noch im Schulhaus statt Yousuf trägt im Gemeinschaftsraum vorsichtig Teller um Teller den Zvieri an die Tische, darauf rollen die Trauben. Anna präsentiert ihre Bastelarbeit, Denis räumt Bücher um und Regina näht mit drei Mädchen an Stoffhasen. «Betreuungszeit ist Freizeit », sagt Philipp Stöckli klar. 

Der Unterrichtsstoff bleibt meist aussen vor. Trotzdem, oder gerade deswegen, wird mit wöchentlichen Sitzungen und zusätzlichen Mandaten viel in den Austausch zwischen der Betreuung, dem Lehrerteam und der Schulleitung investiert. Bei den Kindern ist das Betreuungsangebot beliebt. Besonders die Mittwochnachmittage – denn dann stehen Ausflüge in Museen, in die Badi oder in den Zirkus auf dem Programm, und sowas ist mit vielen Freundinnen halt viel lustiger, findet Lynn. Als weiteres Highlight nennt sie, dass am eigenen Geburtstag das Lieblingsmenü gewünscht werden darf. Denn dass es zu oft Reis gibt, darüber sind sich am Basteltisch alle einig. 
Nach dem Mittagessen in der Schule wartet eine Armee von Zahnbürsten auf ihren Einsatz.
Nach dem Mittagessen in der Schule wartet eine Armee von Zahnbürsten auf ihren Einsatz.
Am St.-Karli-Schulhaus ist ein grosser Umbau geplant, nach welchem das Betreuungsangebot jeden Tag 60 Prozent aller Schülerinnen und Schüler aufnehmen könnte. Damit werden voraussichtlich im Jahr 2023 ein Drittel mehr Plätze geschaffen, da viele der Kinder das Angebot nur an einem oder zwei Tagen nutzen. «Wir spüren, wie in der Stadt der Bedarf kontinuierlich ansteigt», erzählt Philipp Stöckli. In der Stadt Luzern bauen derzeit fast alle Schulen ihr Betreuungsangebot aus. 

Die steigende Nachfrage führt Stöckli auf verschiedene Entwicklungen zurück: «Teilweise sind beide Eltern berufstätig, bei anderen Familien stellt die Betreuung auch eine Form der Integration dar.» Im Schulhaus St. Karli haben viele Kinder einen Migrationshintergrund. Dass die familiäre Atmosphäre in der Betreuung auch nach dem Umbau im St. Karli bestehen bleibt, ist eine Herausforderung, welche die Schule mithilfe der Betreuungsangestellten in Angriff nimmt. Diese werden bei der Planung miteinbezogen. Grosse Säle sollen vermieden und Möglichkeiten geschaffen werden, dass sich die Kinder verteilen und zur Ruhe kommen können. Denn wenn die Kinder von 7 bis 18 Uhr in der Schule sind, müssen auch die Schulhäuser neu gedacht werden.
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