Tagesschulen in der Schweiz
Schule

Am Mittag ist die Schule längst nicht aus

Die Nachfrage nach Tagesschulen und Hortplätzen wächst stetig. Viele Städte und Gemeinden bauen ihr Angebot aus. Doch wie steht es um dessen Qualität? Zwei Schulen in Luzern und Zürich gewähren Einblick in den Alltag der Tagesbetreuung.
Text: Jana Avanzini 
Bilder: Marvin Zilm / 13 Photo
Rote Socken mit grünen Dinos, blauschwarzgestreifte, weisse mitrosa Punkten. Sieschlüpfen aus dicken Schuhen und flitzen über das Parkett. Es ist kurz vor Mittag, die Schule ist aus, und im Nebengebäude der denkmalgeschützten Primarschule St. Karli in Luzern treffen die Kinder für den Mittagstisch ein. Jacken und Kindergartendreiecke fliegen an die Haken in der Garderobe. Es wuselt durch die Räume, die Lautstärke steigt, doch innert Minuten verwandelt sich das vermeintliche Chaos in eine selbstverständliche Ruhe. 

Es ist, als würde plötzlich wie automatisch alles an seinen vorgesehenen Platz fallen. Drei Mädchen sitzen mit Comics auf dem Sofa – so vertieft, als sässen sie schon seit Stunden dort. Eva und Noah studieren die Ämtli-Liste: Wer hilft beim Schöpfen, wer wischt nach dem Essen? Wenn der Gong geschlagen wird, reihen sich alle zum Händewaschen auf. Dort, wo eine Armee von Zahnbürsten auf ihren Einsatz wartet. 
Wenn die Kinder von 7 bis 18 Uhr in der Schule sind, müssen auch die Schulhäuser neu gedacht werden.
Die Stimmung beim Essen – es gibt Reis und Geschnetzeltes – ist ruhig. Auch an den Tischen ohne Betreuungsperson, wo die älteren Kinder verschwörerisch die Köpfe zusammenstecken. Die Sitzordnung ist fix, da wird nicht diskutiert. Denn das tun die Betreuungspersonen jeweils zu Beginn des Semesters – und prüfen genau, welche Kombinationen funktionieren. «Mit einer Veränderung der Sitzordnung könnten wir eine Apokalypse auslösen », sagt Betreuungsleiter Philipp Stöckli und lacht. 

Der 38-jährige Schreiner und Sozialpädagoge arbeitet seit 14 Jahren in der Betreuung St. Karli, die in verschiedenen Formen bereits seit 100 Jahren existiert. Seit 2011 hat er die Leitung inne. Praktisch alle Mitarbeitenden sind, abgesehen von der Praktikantin, über zehn Jahre da. In dieser Zeit ist die Nachfrage nach den Betreuungsangeboten stark gestiegen. Vier Elemente können Eltern je nach Bedarf wählen: Morgenbetreuung vor Schulbeginn, Mittagstisch, den frühen und späteren Nachmittag. Die Beträge dafür sind einkommensabhängig. Insgesamt besuchen heute 130 der 274 Kinder vom Primarschulhaus und vom Kindergarten St. Karli das Betreuungsangebot – oft nur einen Tag die Woche, teilweise mehrere Tage – Tendenz steigend. 

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