Schulunterricht auf dem Acker
Schule
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Es gibt viel zu tun in der Doppellektion auf dem Acker

Nachdem die Kinder alle vier Beete inspiziert haben geht es an die Aufgaben. «Was müssen wir heute ernten?», fragt Harriet Jenkins die Klasse. «Sicher die Tomaten!», ruft eine Schülerin. Die Klasse teilt sich auf: eine Gruppe erntet das Gemüse, eine andere bearbeitet die Fugen zwischen den Beeten und eine dritte bewässert die Sträucher. Eine vierte Gruppe sucht Insekten, die während der Doppellektion in kleinen Vergrösserungsgläsern untersucht werden. Zudem hat die Klasse eine eigene Methode zur Schädlingsbekämpfung entdeckt und zwar besprühen ein paar Schülerinnen und Schüler die Pflanzen mit Parfüm: «Das vertreibt die Schädlinge, sie mögen keine Parfüms», erklärt eine Schülerin.

«Die Abwechslung zwischen Frontalunterricht und Ackerarbeiten tut den Kindern sichtlich gut», sagt Harriet Jenkins und weiter: «Sie sind danach konzentrierter im Schulzimmer». Besonders Kinder, die Mühe haben im Unterricht zuzuhören, leben auf dem Acker auf. Eine willkommene Abwechslung auch für die Primarlehrerin: «Auch ich lerne mehr über den Gemüseanbau und die Lebensmittelproduktion kennen, vieles wusste ich nicht.» Sie schätzt die Zusammenarbeit mit der GemüseAckerdemie und hofft, dass das Projekt ein fester Bestandteil des Unterrichts an ihrer Schule wird. In der Schweiz sind es seit dem Programmstart im Jahr 2018 rund 20 Schulen, die mitackern.

Während den Sommerferien war der Schulgarten jeweils einmal pro Woche für ein paar Stunden offen, so stand es den Kindern frei auch während den Schulferien unter Aufsicht auf dem Acker zu arbeiten.
Es wird geackert, geerntet und bewässert.
Es wird geackert, geerntet und bewässert.

Die Zeit vergeht wie im Flug draussen

Die Lektion neigt sich dem Ende zu. Der Tisch, wo das geerntete Gemüse draufliegt, quillt über. Unglaublich was die Kinder in dieser kurzen Zeit aus den Beeten geholt haben: ein kunterbuntes Bouquet aus Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Mangold, Zucchinis, Bohnen etc. ziert den Tisch. «Was haben wir heute geerntet?», will die Klassenlehrerin zum Schluss wissen. «Bohnen!» ruft ein Schüler. «Tomaten!», ein anderer. Nochmals wird jedes Gemüse durchgegangen. Nun geht es ans Aufräumen. Die Schaufeln müssen versorgt werden, der Boden gewischt und die Beete bewässert. Eilig machen sich die Kinder an die Arbeit, denn wer schnell fertig ist, darf früher in die grosse Pause.

Was passiert nun mit dem ganzen geernteten Gemüse? «Wir geben es den Kindern mit nach Hause oder verwerten es selber und bringen es für die Kinder wieder mit als Schokozucchinikuchen, Bohnensalat oder Palmkohlchips», sagt Jenkins. Aber auch gemeinsam als Klasse werde das Gemüse gegessen: «Wir verwerten es als Znüni mit Kresse und Radieschen, Salat zum Zvieri, Ofenpommes zum Zmittag oder Tomatensalat zwischendurch», so Jenkins weiter. «Die Reaktionen der Eltern sind positiv, schon mehrmals wurde das Gemüse zuhause verarbeitet und dann beispielsweise als Zucchinibrot für die ganze Klasse den Kindern mitgeben.» Die Pause naht, der Schulgarten ist aufgeräumt. In fünf Minuten läuten die Glocken für die grosse 10 Uhr Pause. «Paaaauuuuseee», ruft die Klassenlehrerin und im Nu ist der «Garten Eden» menschleinleer.
«Was ist das für ein Gemüse?», fragt Harriet Jenkins
«Was ist das für ein Gemüse?», fragt Harriet Jenkins

Das macht die GemüseAckerdemie:

Der Verein GemüseAckerdemie Schweiz unterstützt die Lehrkräfte bei der Organisation und Durchführung des Unterrichts auf dem Acker. Wie funktioniert das? Der Acker wird unmittelbar auf oder in der Nähe des Schulgeländes angelegt. Als pädagogischer Lernort genutzt, verbringen die Kinder und Jugendlichen während des Jahresprogramms im Schnitt 80 bis 100 Stunden auf dem Acker. Begleitend zur Praxis auf dem Acker gibt es stufengerechte Bildungsmaterialien für das ganze Ackerjahr. Das Jahresprogramm ist in drei Programmphasen gegliedert: 

  • Die VorAckerZeit von Januar bis April beinhaltet die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung: Die Lehrkräfte nehmen an der ersten Fortbildung teil und die Schul- und Kindergarten-Kinder bekommen einen ersten Einblick in das Thema Gemüseanbau, biologische Vielfalt sowie Bodenfruchtbarkeit.

  • Die AckerZeit von April bis Oktober ist das Herzstück des Programms: Die Arbeit auf dem Acker. Nach der Bepflanzung des Schulgartens geht es pro Woche eine Doppelstunde innerhalb des Unterrichtfachs Natur-Mensch-Gesellschaft des Lehrplanes auf den Acker. Die Kinder pflanzen, pflegen, ernten, probieren, verwerten ihr Gemüse. Teilweise vermarkten sie es auch.

  • Die NachAckerZeit von Oktober bis Dezember bietet einen Blick «über den AckerRand»: Hier werden weiterführende Unterrichtsthemen wie Lebensmittelverschwendung und Haltbarmachung vertieft.

Bücher und Links fürs Ackern zuhause:

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<div><strong>Hanna Lauer</strong> ist Onlineredaktorin beim Fritz+Fränzi. Den grünen Daumen hat sie vor ein paar Jahren entdeckt. Seit da ist ihr Balkon grüner und die Pflanzen und Kräuter ihre Kinder.</div>
Hanna Lauer ist Onlineredaktorin beim Fritz+Fränzi. Den grünen Daumen hat sie vor ein paar Jahren entdeckt. Seit da ist ihr Balkon grüner und die Pflanzen und Kräuter ihre Kinder.

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