Null Bock auf Mathe
Schule
Seite 3

Spielen mit Mathematik

Diese Erfahrung machte auch die 12-jährige Michelle aus Bern. Sie ist gut in Mathe, aber mit dem Arbeitsbuch zum Zahlenbuch ist sie nicht ganz zufrieden. Um mehr Spass daran zu haben, würde sie die Aufgaben anders stellen: Warum eine Zahl mit der anderen addieren und nicht gleich Pferde? «22'135 Pferde + 39'798 Pferde?» Damit schafft sie Bezug zu ihrem Alltag und ihrer Leidenschaft: den Tieren. Ausserdem wünscht sie sich, dass Lehrer mehr Spiele erfinden. So lerne sie leicht. «Spiele können den Lernfortschritt unterstützen», bestätigt Elisabeth Moser Opitz. «Aber nicht generell Spiele, sondern spezifisch mathematikhaltige Spiele. Das weiss man aus Untersuchungen im Kindergarten.»

Auf Spiele reagieren Kinder individuell. Iman zum Beispiel hat weniger Mühe, sich Zahlen vorzustellen, als sich beim Rechnen zu exponieren. «Manchmal gehen wir im Klassenzimmer herum. Die Lehrerin stellt Aufgaben: Etwas plus etwas, dann wieder minus. Wer die Lösung still für sich weiss, darf in die andere Ecke gehen.» Weil sie vor anderen nicht rechnen kann, hilft sie sich mit sozialen Mitteln: Sie schliesst sich ohne gerechnet zu haben der Freundin an, wenn ­diese die Ecke wechselt. Was ihr mehr helfe, sei Mut. «Meine Lehrerin lobt mich manchmal. Sie sagt, wenn ich etwas gut mache.»
Individuelle Betreuung
ermöglicht, was in der Klasse kaum geht: Das Kind wird dort abgeholt, wo es steht.
Zeit, Haltung, Alltagsbezug, innere Bilder, Spiele, Lob – fehlt noch etwas Wesentliches, das der 8-jährige Lian aus dem Berner Seeland auf den Punkt bringt: Üben. Die Reihen lernen. Wenn man die gut könne, komme die Freude an der Mathematik schon noch.

Üben setzt Verständnis voraus. Sind die Schwierigkeiten zu gross, um dieses im regulären Unterricht anzugehen, bieten sich Massnahmen wie heilpädagogische Unterstützung, Coaching oder Lern­therapie an. Mit individueller Betreuung wird möglich, was im regulären Klassenunterricht aus Zeitgründen kaum umsetzbar ist: Das Kind wird dort abgeholt, wo es steht, der Unterricht seinen individuellen Eigenschaften angepasst.
Lesen Sie auch das Interview mit Peter Geering: «In Mathe aufzuholen, ist schwierig». Er sagt, dass Erfolge die Freude an Mathe fördern und die Kinder vor allem eines brauchen: mehr Zeit. 
Lesen Sie auch das Interview mit Peter Geering: «In Mathe aufzuholen, ist schwierig». Er sagt, dass Erfolge die Freude an Mathe fördern und die Kinder vor allem eines brauchen: mehr Zeit. 
Samuel profitierte sehr von dieser Massnahme. Seine Lernziele wurden angepasst, er konnte nach seinem Tempo arbeiten und lernte mit seiner Heilpädagogin die Mathematik mit allen Sinnen kennen. Sie wurde lebendig für ihn. Seit er in der Oberstufe ist, arbeitet er nun mehrheitlich nach demselben Plan wie die Klasse. Er fühlt sich wohl. Die Klassenkameraden akzeptieren ihn, wie er ist. Und wie ist er? «Ich bin eine Loki, die anderen sind ein ICE», lacht er.

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