Lisa Lehner: Schule zu – Stresstest für  Eltern und Schulpersonal
Schule
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Dienstag, 17. März: virtuelle Kommunikation

GL Viele Vorbereitungen: Vorgehen für die künftigen virtuellen GL-Sitzungen, Kommunikationsabläufe bei 300 Lehrpersonen und gegenüber rund 2300 Eltern. Der Posteingang quillt über mit Nachrichten zur Organisation von Fernunterricht. Am Abend erstmals virtuelle Sitzung mit der Schulpflege.
Ich erfahre, dass ein Angehöriger einer Lehrperson schwer erkrankt ist. Plötzlich ist die Krankheit ganz nah. Ich bin betroffen und nachdenklich.
SL Der Austausch mit den Schulleitenden der verschiedenen Standorte ergibt kaum Probleme. Das Abstandhalten muss geübt werden, doch emotional rückt man in dieser Zeit eng zusammen. Ich begleite die Lehrpersonen im Prozess für Phase 2. Fachlich meistern sie alles gut allein; sie scheinen meine Unterstützung zu schätzen.

LP Ich bin unruhig, will andere Lehrpersonen treffen und Dinge erledigen. Da bis jetzt die Kommunikation über die Schulleitung lief, habe ich das Bedürfnis, mit den Eltern und indirekt mit den Kindern in Kontakt zu treten. Ich schreibe einen Quartalsrückblick mit dem Hinweis, dass wir uns Ende Woche mit Aufgaben wieder melden. 

Mittwoch, 18. März: Alltag – und doch nicht

GL 8 Uhr: Sitzung des Stadtammanns mit den Abteilungsleitenden der Stadt. Wir sitzen wie vor 30 Jahren an der Fahrprüfung, in Reih und Glied mit mehr als zwei Meter Abstand. 

SL Ich erledige normale Schulleitungsaufgaben: Zahlungsanweisungen, Besprechungen mit dem Sekretariat, Vertragsunterzeichnungen, Anmeldungen in Sonderschulen. Am Nachmittag leite ich eine Sitzung mit Planungsthemen fürs neue Schuljahr. 

LP Laufend beantworte ich Fragen von Kolleginnen und Kollegen. In Gedanken bin ich bei den Arbeitsaufträgen für die Kinder: Was ist sinnvoll? Was können die Kinder zu Hause gut umsetzen? Wo brauchen sie Hilfe von den Eltern? Wie organisieren wir das Material? 

Donnerstag, 19. März: Fernunterricht

GL Ich erfahre, dass ein Angehöriger einer Lehrperson schwer erkrankt ist. Plötzlich ist die Krankheit ganz nah, es macht mich sehr betroffen und nachdenklich.

SL Das Stichwort der Stunde ist «Fernunterricht»; die Phase 3 beginnt nach den Frühlingsferien, sofern die Schulschliessung anhält. Lehrpersonen, Pädagogische Hochschulen, Beraterinnen und Berater, IT Unternehmen – sie alle werden aktiv. Die SMS-Nachricht einer Mutter gibt dem Tag ein versöhnliches Ende: «Ich möchte unsere Anerkennung kundtun, dass ihr alle an der Schule eure Arbeit, soweit es in dieser Zeit geht, so gewissenhaft weiterführt, Chapeau!»

LP Ich notiere die Ideen für die freiwilligen Aufgaben und verfassse einen Elternbrief und einen Brief an die Kinder. Meine Vorschläge maile ich allen Kindergartenlehrpersonen, damit sie Änderungen und Ergänzungen anbringen können. Es gibt ein Hin und Her mit Mails, Whats­App und Telefon, bis die Form klar ist.

Soweit das Geschehen in der Volksschule Baden bis Redaktionsschluss der April-Ausgabe. Die Fortsetzung dieses Protokolls lesen Sie auf www.vslch.ch

* Die Volksschule Baden ist eine der grössten Schulen im Kanton. 9 Schulleiterinnen/Schulleiter und eine Geschäftsleiterin bilden die Geschäftsleitung der Schule und führen die Schule operativ.
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<div><strong>Lisa Lehner</strong> ist Schulleiterin in Baden AG auf Stufe Kindergarten/Primarschule und Vizepräsidentin des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter VSLCH. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.</div>
Lisa Lehner ist Schulleiterin in Baden AG auf Stufe Kindergarten/Primarschule und Vizepräsidentin des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter VSLCH. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Der Verband Schulleiterinnen und ­Schulleiter Schweiz (VSLCH) sowie der Dachverband ­Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) kommen im Wechsel zu Wort. 

In der nächsten Ausgabe: Lehrersein in der Corona-Krise

Lesen Sie mehr zur Corona-Krise:


  • Lernen im Ausnahmezustand
    Wie sieht der schulische Alltag ohne Schule aus? Wie können und müssen Eltern ihre Kinder schulisch unterstützen? Zehn Antworten auf die zehn drängendsten Fragen.

  • Mit Kindern zu Hause lernen
    Auch unser Kolumnist und Lernexperte Fabian Grolimund ist mit seinen Kindern zuhause und muss auf Homeschooling umstellen. Wie er das macht, lesen Sie in diesem Artikel.

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