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Schule

Lehrerin Monika C.: «Neu sind die aggressiven Eltern!» 

Monika C. ist seit 15 Jahren Lehrerin, sie unterrichtete Kinder im Alter von 7 bis
15 Jahren. Sie spricht über Ihre Erfahrungen mit aggressiven Kindern - aber auch Eltern.
Text: Sandra Casalini
Bild: iStock
«Was mir auffällt, ist, dass vor allem die Sprache und der Umgang der Kinder untereinander viel rauer geworden sind. Körperlich gibt es hingegen eher weniger Auseinander­setzungen als früher. Wie auch – die Kinder sind ständig unter Aufsicht, werden von den Eltern in die Schule gefahren und wieder abgeholt. Während der Pause stehen mindestens vier Aufsichtspersonen auf dem Pausenplatz. Zu denen rennen die Kinder wegen jeder Kleinigkeit. Manchmal wäre es vielleicht gescheiter, wenn es mal knallen würde. Aber so haben die Kinder überhaupt keine Freiräume mehr. Zudem werden ihnen zu Hause alle Lösungen auf dem Silbertablett präsentiert. Und das verlangen sie auch von mir als Lehrerin.

Ein ganz neues Phänomen sind nicht die aggressiven Kinder, sondern die aggressiven Eltern. Kürzlich hatten wir einen Vorfall an der Schule, bei dem ein Vater ein Kind, welches sein eigenes Kind geplagt, am Kragen packte und schüttelte. Und an einem Elternabend hat mal einer rein­ gerufen: «Unfähiges Lehrerpack!» Viele Eltern stellen uns Lehrer infrage, der Druck, der von ihnen kommt, ist oft riesig.

Dazu kommt etwas, das man gar nicht laut sagen darf, aber ja, es sind sehr oft Ausländerkinder, die Aggressionen zeigen. Das ist gerade bei Flüchtlingen, die Krieg gesehen haben, nicht verwunderlich. Dennoch muss ich sagen, dass die über­ behüteten Prinzessinnen und Prinzen nicht angenehmer sind als die schlecht integrierten Migrantenkinder. Gerade unter ihnen gibt es solche, die von zu Hause her gar keine hierarchi­schen Strukturen kennen, das ist schwierig.
«Eine Integration muss sinnvoll sein.»
Monika C., Lehrerin
Jede Lehrperson, die behauptet, sie stosse nie an ihre Grenzen, macht sich etwas vor. Ich hatte mal einen Dritt­klässler, der mit Reissnägeln auf andere losging, der war kaum in Schach zu halten. Oder einen Fünftklässler, der zeichnete, wie er die ganze Klasse umbringt. Man hat später herausgefunden, dass er am Asperger­-Syndrom leidet. Ich habe nichts gegen die Integration solcher Kinder – ich hatte schon Asperger­-Kinder in meinen Klassen, da hat das toll funktioniert –, aber eine Integration muss sinnvoll sein.

Mobbing
ist nicht in allen Klassen ein Thema, aber es kommt recht häufig vor. Ich habe mir auch schon etwas erlaubt, was vielleicht nicht ganz politisch korrekt war: Ich habe das mobbende Kind zur Seite genommen und gesagt: ‹Ich sehe, was du machst. Das hat keinen Einfluss auf deine Note – aber auf mein Verhältnis zu dir.› Ich muss leider sagen, dass es selten Kinder trifft, bei denen ich nicht nachvollziehen kann, warum gerade sie drankommen. Das heisst natürlich absolut nicht, dass man Mobbing durchgehen lassen sollte. Oft sind es eher leichtere Fälle wie Sticheleien oder jemanden blöd hinstellen. Nur einmal habe ich einen Fall erlebt, in dem ein Fünftklässler online krass gemobbt wurde. ‹Arschloch› oder ‹Missgeburt› waren da noch die netteren Worte, die auf seinem Instagram-Profil auftauchten. Ich habe dann seine Eltern und die Schulsozialarbeit informiert. So etwas kann man als Lehrperson nicht alleine lösen.

Die digitalen Medien sehe ich kritisch, vor allem den Umgang mit ihnen. Was ich nicht verstehe: Viele Eltern über­ wachen jeden Schritt ihrer Kinder, sobald sie aus dem Haus sind. Aber davon, was sie online treiben, haben sie oftmals keine Ahnung. Das ist doch paradox.»

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Dieser Bericht stammt aus unserem grossen Dossier zum Thema Aggression aus der Ausgabe 05/18. Sie können das Magazin hier bestellen.
Dieser Bericht stammt aus unserem grossen Dossier zum Thema Aggression aus der Ausgabe 05/18. Sie können das Magazin hier bestellen.

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