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Schule

Herr Wampfler, machen digitale Medien Schule besser?

Er arbeitet mit digitalen Tafeln, Smartphones, lässt seine Schülerinnen und Schüler* Youtube-Videos drehen und Aufsätze in Google-Docs schreiben: Philippe Wampfler gilt als Vorreiter und Experte für den Einsatz neuer Medien an Schulen. Wir sprachen mit ihm über die Ängste und Vorurteile von Lehrpersonen und die Grenzen des Digitalen. 
Interview: Bianca Fritz
Bild: Salvatore Vinci / 13 Photo
* Wir verwenden in diesem Text die männliche, die weibliche und beide Formen im Wechsel, um allen Geschlechtern gerecht zu werden. Wie gefällt Ihnen das? Feedback gerne an redaktion@fritzundfraenzi.ch oder in die Kommentarfunktion.

Herr Wampfler, Sie waren vermutlich einer der ersten Lehrer der Schweiz, die digitale Medien im Unterricht eingesetzt haben. Schon 2012 haben Sie ein Buch über Soziale Medien in der Schule geschrieben. Was war Ihre Motivation?

Wir hatten an unserer Schule eine sehr theoretische Fortbildung zum Thema Soziale Medien mit externen Experten. In der Lehrerschaft hat das eher für mehr Verunsicherung gesorgt. Was zu kurz kam, war die Frage, wie Jugendliche diese Netzwerke nutzen. Da gibt es eine Wissenskluft zwischen Schülern und Lehrpersonen. Kurz darauf bin ich in Weiterbildungsferien gegangen, habe einen Blog zum Thema begonnen, Tagungen besucht und das erste Buch zum Einsatz von Social Media in Schulen geschrieben. Seither werde ich selbst als Experte zu Weiterbildungen in Schulen eingeladen. Wobei ich den Schulen sage: «Ihr könnt die Verantwortung nicht dauerhaft an Externe delegieren.» Die Lehrpersonen und die Schulleitung müssen sich selbst mit den neuen Medien auseinandersetzen.
Philippe Wampfler ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie, Dozent für Fachdidaktik Deutsch und Autor mehrerer Bücher zum Thema Schule und Social Media. Er wohnt in Zürich und hat drei Kinder (5,7 und 8 Jahre alt).
Philippe Wampfler ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie, Dozent für Fachdidaktik Deutsch und Autor mehrerer Bücher zum Thema Schule und Social Media. Er wohnt in Zürich und hat drei Kinder (5,7 und 8 Jahre alt).

Machen digitale Medien den Unterricht grundsätzlich besser?

Ein Unterricht ohne den Einsatz von Medien ist gar nicht möglich. Auch die Wandtafel ist ein Medium. Digitale Medien sind einfach zeitgemässe Medien. Ein Unterricht ohne diese wirkt künstlich. Ich brauche die Tafel noch oft – manchmal digitalisiere ich sie. Ich schaue immer, was didaktisch sinnvoll ist 

Bei welchen Aufgaben müssen digitale Medien auf jeden Fall aussen vor bleiben?

Zum Beispiel, wenn sich die Schülerinnen und Schüler zusammensetzen, um einen Konflikt zu lösen. Da wäre es problematisch, wenn es digitale Aufzeichnungen geben würde. Oder wenn die Motorik wichtig ist: Was beim von Hand schreiben in der Primarschule passiert, kann mit digitalen Medien nicht gefördert werden. 
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«Wenn die Schülerinnen souveräner sind als die Lehrperson, verschieben sich die Machtverhältnisse.»

Sind Sie auf Widerstände bei Kolleginnen und Kollegen gestossen, als Sie neue Medien im Unterricht eingesetzt haben?

Im Prinzip war das den anderen egal, was ich im Klassenzimmer gemacht habe. Nach und nach hat aber die Schulleitung gemerkt, dass sie auf den Mediengebrauch der Kinder reagieren muss. Zunächst hat man es mit einem Handyverbot probiert. Das liess sich aber nicht umsetzen. Also wurde umgeschwenkt auf «Bring your own Device»: Die Geräte, die die Jugendlichen ohnehin dabei hatten, sollten im Unterricht genutzt werden. Das hat zu einigen negativen Reaktionen geführt.

1 Kommentar
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Von Shahram am 05.10.2017 19:41

Sehr gut & inhaltlisch reich! Korrekt, alles sind reine Fakten. Die Kinder brauchen bestimmt den Umgang mit soziale Medien lernen & sogar mit ihnen gut arbeiten bzw. verwenden, jedoch ist aber auch stark abhängig von georafischen Lage (wo man lebt im Land od. Stadt) & den Sozio ökonomische Werte der Eltern od Umfeld. Dankeschön

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