Schule

Ich erzähle: «Ich bin schon ein Exot»

Elia Zurfluh, 17, aus Wolhusen LU ist ­Bauernsohn. Diesem Leben verdanke er seine Gelassenheit, die ihm nun am ­Gymnasium zugutekomme.
Text: Virginia Nolan 
Bilder: Gabi Vogt / 13 Photo 
«Ich verbringe aktuell viel Zeit in der Werkstatt, da arbeite ich an meiner Maturaarbeit. Ich baue ein Holzboot, 1,3 auf 2,5 Meter. Meine Eltern haben einen Bauernhof, im Sommer sind wir auf der Alp, hüten Rinder und Kühe, melken und käsen. Mein Schulweg da runter dauert zwei Stunden, darum darf ich eine Viertelstunde später zum Unterricht antreten.

Als Bauernsohn bin ich an der Kanti ein Exot. Nicht, dass mir daraus je ein Nachteil erwachsen wäre, mir gehts prima. Aber es ist schon so, dass die Zweiklassengesellschaft, von der man öfter mal liest, im Gymnasium zur Geltung kommt: Da sind nicht nur Akademikerkinder, aber doch recht wenige aus einfacheren Familien.

Ich selber bin froh um mein Leben als Bauernsohn, um die Arbeit mit den Händen, die Tatsache, dass wir zu Hause auch andere Themen haben als Schule. Ich bin dadurch ausgeglichener als viele Mitschüler.

Ich beobachte, wie sich vor allem Mädchen stark unter Druck setzen, weil sie und ihre Eltern glauben, man habe ohne Matura schlechte Karten im Leben. Entsprechend gehen viele an die Kanti, bloss weil sie denken, es gehöre sich so. Das finde ich schade.
Sek oder Gymi: Was ist besser für mein Kind? Lesen Sie hier den Hauptartikel zum Dossier der Novemberausgabe oder bestellen Sie hier ein Einzelheft. 
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Mir gefällt die Schule, aber mich stört, dass vieles abstrakt ist, das Praktische zu kurz kommt. Damit meine ich nicht nur Handwerkliches, sondern auch andere Dinge, die im Alltag wichtig wären. Ich fragte mal einen Lehrer, warum man uns nicht beibringe, eine Steuer­erklärung auszufüllen. Er meinte, wir lernten ja das Recherchieren und könnten uns in solchen Fragen an Google wenden. Das überzeugt mich nicht. 

Viele von uns wollen später an die Uni, ich kann mir Verschiedenes vorstellen: Ein Ingenieurstudium zum Beispiel, aber auch die Lehre zum Bootsbauer. Auf jeden Fall will ich nicht nur mit dem Kopf arbeiten.»

Weiterlesen zum Thema Sek oder Gymi

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    Eltern wünschen ihren Kindern Erfolg – viele betrachten die ­Matura als Garant dafür. Dabei geht vergessen, dass der vermeintliche Königsweg nicht für jeden der ­richtige ist. Wer gehört ans Gymnasium? Wer sollte lieber eine andere schulische Bahn einschlagen? 



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    Ob es ein Kind aufs Gymnasium schafft, hängt in den meisten Fällen noch immer von seiner Herkunft ab, sagt Urs Moser. Der Bildungsexperte über die Gerechtigkeit des Schweizer Bildungssystems, sinnvoll verbrachte Freizeit und die Frage, ob Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder begleiten sollten.  


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1 Kommentar

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Von Reinhard am 29.11.2019 11:04

Dem jungen Mann drücke ich die Daumen und wünsche ihm viel Glück. Er wird es brauchen.

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