Erwachsen werden in ungewissen Zeiten
Schule
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In der Schule dreht sich alles um gesichertes Wissen und Fakten

Erstaunlicherweise scheint das für die meisten jungen Menschen kein Problem zu sein. Aus einer gross angelegten Studie mit mehr als 350 00 jungen Menschen sowie aus prospektiven Studien geht hervor, dass in der Bevölkerung insgesamt kaum ein Zusammenhang zwischen psychischen Problemen und der Nutzung mobiler Geräte besteht. Allerdings zeigt die Forschung auch, dass Menschen unterschiedlich sensibel auf soziale und andere Unsicherheiten reagieren. Eine hohe Intoleranz gegenüber solchen ­Unsicherheiten gilt als bekannter Risikofaktor für Depressionen und Angststörungen, zwei Bereiche, die besonders stark zunehmen. Jugendliche, die auf Unsicherheiten sensibel reagieren, leiden also unter Umständen unter der sozialen Omnipräsenz, die sie seit ihrem ersten Smartphone kennen.
Im Zeitalter der sozialen Medien und mobilen Geräte ist es schwierig geworden, einen Ort zu finden, der frei von sozialer Kontrolle ist.
In der Schule dreht sich alles ­darum, Gesichertes zu lernen, greifbare Fakten zu haben. Ja, unsere ganze Gesellschaft ist darauf ausgerichtet, Fortschritt mit der Eliminierung von Ungewissheit gleichzu­setzen. Wir wollen das Wetter vorhersagen, die Börsenbewegungen und die Zukunft unserer Meere. Das sollten wir auch weiterhin tun, allerdings im Wissen um das Unerwartete, das nicht Einschätzbare und den immer rasanteren Wandel.

Lernen, mit Ungewissheit ­umzugehen

Wie können wir junge Menschen auf diese Flut der Ungewissheit vorbereiten? Helga Nowotny, eine österreichische Soziologin und ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrats, schlägt vor, zu überdenken, wie wir Kinder an Unsicherheiten heranführen, und zwar schon in der Grundschule. Ihrer Meinung nach ist das Lernen, mit Ungewissheit umzugehen, eine unserer wichtigsten kulturellen Ressourcen.

Wissenschaftlern ist bewusst, dass alles, was wir lernen, widerlegbar ist, und Forschung, so schreibt Nowotny, sei «ein starker, systematischer Prozess, der Unsicherheiten ausräumen will, nur um dann wieder mit neuen Unsicherheiten konfrontiert zu werden». Wenn wir in Kindern und der ganzen Gesellschaft ein Bewusstsein für diesen Prozess wecken, können unsere Jugendlichen ihrer äusserst unsicheren Zukunft vielleicht resilienter entgegenblicken. 

Dieser Text erschien zuerst in englischer Sprache auf BOLD – Blog on Learning and Development im Februar 2020.

BOLD Blog

Der Blog, eine Initiative der Jacobs ­Foundation, hat sich zum Ziel gesetzt, einer weltweiten und breiten Leserschaft näherzubringen, wie Kinder und Jugendliche lernen. ­Spitzenforscherinnen wie auch Nachwuchswissenschaftler teilen ihr Expertenwissen und diskutieren mit einer wissbegierigen Leserschaft, wie sich Kinder und Jugendliche im 21. Jahrhundert entwickeln und entfalten, womit sie zu kämpfen haben, wie sie spielen und wie sie Technologien nutzen. 

Mehr lesen: www.boldblog.org
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<div><strong>Susanne Schweizer </strong>ist Sir Henry Wellcome Fellow im Fachbereich für Psychologie der Universität Cambridge sowie an der ­University of New South Wales in Sydney. In ihrer Forschung befasst sie sich mit dem Zusammenhang zwischen bestimmten ­kognitiven Fähigkeiten und dem Wohl­befinden und untersucht, wie sich dieser Zusammenhang im Lebensverlauf entwickelt. Schweizer kombiniert experimentelle und ­klinische Psychologie mit Ansätzen der ­kognitiven Entwicklungsneuropsychologie.</div>
Susanne Schweizer ist Sir Henry Wellcome Fellow im Fachbereich für Psychologie der Universität Cambridge sowie an der ­University of New South Wales in Sydney. In ihrer Forschung befasst sie sich mit dem Zusammenhang zwischen bestimmten ­kognitiven Fähigkeiten und dem Wohl­befinden und untersucht, wie sich dieser Zusammenhang im Lebensverlauf entwickelt. Schweizer kombiniert experimentelle und ­klinische Psychologie mit Ansätzen der ­kognitiven Entwicklungsneuropsychologie.

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