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Schule

Die Lehrperson – ein Allrounder im Klassenzimmer?

Die Aufgaben einer Klassenlehrperson sind anspruchsvoll und vielfältig. Um diese gut meistern zu können, ist sie auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen.
Text: Ruth Fritschi
Bild: Adobe/Fotolia
Wir vom Dach­verband Leh­rerinnen und Lehrer Schweiz sind der Mei­nung, dass es heute schwieriger geworden ist, eine Schulklasse zu führen. Trotzdem – oder gerade des­halb – berichten die meisten Klas­senlehrerinnen und Klassenlehrer begeistert über ihre Arbeit.

Sie schätzen die intensive Zusam­menarbeit mit den Kindern und beschreiben die Beziehungsarbeit als sehr bereichernd, da eine gute Beziehung zu jedem einzelnen Kind die Begleitung beim Lernen im schulischen Alltag erleichtert.

Die grosse Herausforderung besteht darin, dass ich als Klassenlehrerin oder als Klassenlehrer trotz hektischem Schulalltag bei mir bin und konstruktiv auf die Schülerin­nen und Schüler eingehen kann. Innere Ruhe zu bewahren oder diese immer wieder zu finden, verlangt achtsam mit mir selbst zu sein. Nur wenn es mir gelingt, immer wieder in mich hineinzuhorchen und zu erkennen, welches meine eigenen Bedürfnisse sind, kann ich in der Funktion als Klassenlehrperson gesund bleiben und konstruktiv auf die Bedürfnisse der Kinder einge­hen. Mit meinen Beschreibungen aus Sicht einer begeisterten Lehrper­son möchte ich dazu beitragen, dass Sie, liebe Eltern, Verständnis haben, wenn die Klassenlehrperson Ihres Kindes nicht ständig erreichbar ist und für Ihr Anliegen vielleicht nicht immer sofort Zeit findet.

Die Lehrperson, ein Allrounder

Als Klassenlehrperson bin ich Dreh-­ und Angelpunkt im schulischen Alltag. Nebst der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern bin ich für die Absprachen mit den anderen Lehrpersonen verantwortlich. Ich leite mein eigenes Klassenteam und bin zugleich ein Teil des gesamten Schulteams. In diesem Arbeitsfeld habe ich die Verpflichtung, bei der Weiterentwicklung der Qualität an meiner Schule mitzuwirken. Meine Chefin oder mein Chef ist die Schul­leitung, die mich führt, informiert und unterstützt. Gleichzeitig erhalte ich von der Schulleitung auch Auf­träge zur Weiterentwicklung der Schule und meiner Arbeit.

Damit ich die Kinder mit beson­deren Bedürfnissen möglichst optimal fördern kann, arbeite ich mit weiteren Fachleuten und Fachstellen zusammen.
Klassenlehrpersonen organisieren Laternenumzüge oder andere Feste, da dies von ihnen verlangt wird. 
Dabei muss ich die kantonalen Vorschriften und die gemeindeinternen Informationswege kennen. Diese Vorgaben sind die Grundlage für Formulare, die Ihnen als Eltern in der Zusammenarbeit mit der Schule begegnen. Schule als Teil der Gemeinde verlangt auch eine Beteiligung an öffentlichen Anlässen. In vielen Gemeinden gehört es zur Tradition, dass Klassenlehrpersonen Laternenumzüge, Sportanlässe oder andere Feste organisieren. Wir haben zudem den Auftrag, unsere Unterrichtsplanung und -gestaltung auf die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft abzustützen. Dies setzt voraus, dass wir uns mit Fachlektüre und kantonaler oder schulinterner Weiterbildung à jour halten.

Das Kind beim Lernen begleiten?

Nachdem ich anfangs beschrieben habe, dass die anspruchsvolle Beziehungsarbeit mit den Kindern von den Klassenlehrpersonen als besonders bereichernd empfunden wird, möchte ich auch noch jenen Bereich erwähnen, der die Lehrpersonen in vielen Fällen am meisten belastet. Beurteilen und Einschätzen der schulischen Leistungen und des schulischen Verhaltens gehören zum Berufsauftrag jeder Lehrperson. Belastend wird dieser Bereich vor allem dann empfunden, wenn die Eltern die Beobachtungen und Einschätzung der Schule von Grund auf in Frage stellen.

Wir Lehrpersonen haben wie Sie, liebe Eltern, grosses Interesse daran, dass es Ihrem Kind gelingt, gute Noten zu erzielen. Sie und wir setzen alles daran, dass Ihr Kind eine gute Schulzeit erlebt. Ich hoffe, dass Sie im Standortgespräch mit der Klassenlehrperson Ihres Kindes darüber informiert worden sind, dass für eine gesamthafte Beurteilung Ihres Kindes nicht nur die Lernkontrollen ausschlaggebend  sind. Wir Lehrpersonen haben den Auftrag, die Beobachtungen zum Arbeits- und Lernverhalten und zur Selbstorganisation Ihres Kindes miteinfliessen zu lassen.
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Fragen Sie bei Ihrem Kind regelmässig nach, welche Hausaufgaben und Lernkontrollen anstehen.
Die Dokumentation unserer Beobachtungen gehört zu unserer Arbeit und ist dem Datenschutz unterstellt. Deshalb ermuntere ich Sie an dieser Stelle, nicht jede Beobachtung gleich zu hinterfragen, sondern Ihr Kind beim Lernen zu begleiten. Fragen Sie bei Ihrem Kind regelmässig nach, welche Hausaufgaben und welche Lernkontrollen anstehen. Bei Unklarheiten gibt Ihnen die Klassenlehrperson bestimmt gerne Auskunft – wenn es nicht gerade in der Mittagspause oder spätabends ist.

Als immer noch begeisterte Lehrerin möchte ich Sie ermuntern, der Klassenlehrperson Ihres Kindes zu vertrauen, dass sie das Beste für Ihr Kind unternimmt, um es seinen Möglichkeiten entsprechend zu fördern. Vertrauen Sie darauf, dass Sie rechtzeitig zu den wichtigen Informationen kommen und dass sich die Klassenlehrperson auf jeden Fall um Ihr Anliegen kümmert, wenn auch vielleicht nicht gerade sofort. Für eine erfolgreiche Schulzeit Ihres Kindes sind gegenseitiges Vertrauen und Toleranz eine wichtige Voraussetzung.

Zur Person:

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Ruth Fritschi ist Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), schulische Heilpädagogin und Lehrperson Kindergarten.

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