Schule
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Ein wichtiges Thema dürfte auch der Lehrermangel sein, von dem ihr Vorgänger Beat W. Zemp in einem Interview mit Fritz+Fränzi sagte, dass es ihn nicht gebe. Dafür hat er Kritik geerntet.

Den Lehrermangel gibt es durchaus. Aber es ist nicht so, dass wir keine Lehrkräfte mehr finden. Offene Stel­len können nur oft nicht mit adäquat ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern besetzt werden. Das ist ein immenses Problem. Diese Tendenz ist schon lange zu beobach­ten, doch nun zeichnet sich eine Zuspitzung ab: Wenn man sieht, dass in den nächsten Jahren über 100 000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen und die Babyboomer unter den Lehrerinnen und Lehrern pensioniert werden, macht mir dies Sorgen. Wir bilden momentan einfach zu wenige Lehrer aus, dasselbe gilt für Heil­pädagoginnen.
Der LCH kenne Mittel gegen den Lehrermangel, sagt Dagmar Rösler, stosse aber auf politischen Widerstand.
Der LCH kenne Mittel gegen den Lehrermangel, sagt Dagmar Rösler, stosse aber auf politischen Widerstand.

Doch wenn sich diese Entwicklung schon länger abzeichnet, warum kann sie dann nicht gestoppt oder zumindest entschärft werden? 

Schauen wir uns die Lage am Beispiel der Heilpädagoginnen und Heil­pädagogen genauer an: Die schuli­sche Inklusion, sprich die Einfüh­rung von Grossklassen, in denen alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden, wurde umgesetzt, ohne dafür zu sorgen, dass die dafür benötigten Fachkräfte ausgebildet wer­den. In meiner früheren Funktion als Präsidentin des Verbands Lehre­rinnen und Lehrer Solothurn habe ich mehrfach auf diese Situation hingewiesen. Die Politik hat schlicht­weg nicht reagiert. Man hat damit gerechnet, dass ganz viele Lehrerin­nen und Lehrer den Weg in die Heilpädagogik gehen.

Und das ist nicht passiert?

Nein. Weil dieser Schritt für viele nicht attraktiv ist: Eine Lehrerin beziehungsweise ein Lehrer gibt die Klassenleitung ab und arbeitet nur noch mit einzelnen Schülerinnen und Schülern unter der Anleitung der Klassenlehrerin, die unter Umständen Dinge ganz anders entscheidet, als sie oder er selbst es tun würde. Dazu kommt, dass diese Tätigkeit ein dreijähriges, sehr anspruchsvolles Masterstudium vor­aussetzt. Das können und wollen nicht alle leisten.

Was genau unternimmt der LCH?

Wir mischen uns ein und versuchen durch unsere Medienarbeit in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass etwas getan werden muss. Wir sind mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren im Gespräch, um zu erarbeiten, was wir bildungs­politisch tun können, um dem Fach­kräftemangel entgegenzuwirken. 
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Welche Massnahmen muss die Politik Ihres Erachtens ergreifen?

Nehmen wir das Beispiel Franzö­sisch: Es zeichnet sich ein Mangel an Französischlehrerinnen und -leh­rern ab. Dieser Mangel hat seinen Ursprung auch in den Pädagogi­schen Hochschulen beziehungswei­se in der Tatsache, dass man sich im Rahmen seines Studiums für eine Fremdsprache entscheiden muss beziehungsweise darf. Die meisten Studenten wählen Französisch ab und dürfen somit das Fach später nicht mehr unterrichten, da sie das Niveau nicht haben.

Was schlagen Sie vor?

Bei einer Generalistenausbildung dürfen keine Fächer abgewählt wer­den.

Wahrscheinlich fehlt schlicht die Zeit, Studenten in allen Schulfächern adäquat auszubilden.

In einem drei Jahre umfassenden Bachelorstudium ist das so. Daher stellt sich die Frage, wie man die Aus­bildung von Primarlehrerinnen und Primarlehrern dahingehend auswei­ten kann, dass Fächer nicht mehr abgewählt werden müssen. In einer Masterausbildung wäre dies der Fall. Sehen Sie, der LCH kennt Mittel und Wege, um dem Lehrermangel ent­gegenzuwirken, doch stossen wir auf die unterschiedlichsten politischen Gegenmeinungen, die das Durchsetzen der eigenen Vorstellungen schwierig machen. Wir können nicht einfach durchspazieren.
«Das Fehlen von Tagesstrukturen könnte ein Grund für den Zulauf bei Privatschulen sein.»

Bei all Ihren neuen Aufgaben unterrichten Sie weiter eine vierte Klasse in Deutsch und Sport.

Ich unterrichte ein sehr geringes Pensum, das ich aber nicht missen möchte. Die Arbeit mit Kindern ist ganz anders als mit Erwachsenen und das zu sehen und zu spüren, macht mir grosse Freude und gibt mir Bodenhaftung.

Was machen Sie als Lehrerin besonders gut?

Ich kann gut erklären, so, dass mei­ne Schülerinnen und Schüler am Ende wissen, worum es geht. Ich bin sicherlich eine Lehrerin, die Grenzen setzt, aber immer einen guten Draht zu den Kindern hat. Sie kommen gerne in meinen Unterricht.

Und wie waren Sie als Schülerin?

Ich war nicht verhaltensauffällig aber hatte sehr viel Energie, ich war vor­ laut, vorwitzig und habe meine Leh­rerinnen und Lehrer vor allem auf der Primarstufe getestet.

Sie haben zwei Töchter im Alter von 13 und 15 Jahren.

Die beiden sind sehr unterschied­lich, und als Mutter habe ich manche schulischen Situationen aus einem anderen Blickwinkel beurteilen kön­nen, als ich es als Lehrerin getan habe. Mittlerweile sind die beiden sehr selbständig. Noch vor ein paar Jahren hätte ich diese Präsident­schaft nicht übernommen. Mein Mann hat sein Arbeitspensum im Zuge meiner Ernennung um einen Tag reduziert, einen weiteren arbei­tet er vom Homeoffice aus. So kommen wir zu Hause gut zurecht.

Dagmar Rösler über ...

  • ... ein Handyverbot an Schulen:
    «Ein allgemeines Handyverbot wäre nicht zielführend. Gerade im Zuge der Digitalisierung sind Smartphones im Unterricht einsetzbar, aber es müssen klare Regeln gelten, in welcher Art und Weise.»

  • ... die Abschaffung von Hausaufgaben:
    «Ich bin persönlich dafür, die Hausaufgaben abzu­schaffen. Für Lehrerinnen und Lehrer sind Haus­aufgaben eine Möglichkeit, etwas zu festigen und zu üben. Doch dies sollte auf eine andere Art und Weise in den Schulalltag integriert werden.»

  • ... die Abschaffung von Noten:
    «Bis zur sechsten Klasse kann auf Noten verzichtet werden.»

  • ... einen späteren Schulbeginn:
    «Ich bin nicht dafür. Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, dass sich der Tag dadurch verlängert. Die frühen Stunden werden schliesslich nicht einfach gestrichen. Und wenn es dann von der Schule in die Lehre geht, wird ihnen ja auch nicht gesagt: ‹Vor 9 Uhr musst du nicht kommen.› Wir hören oft den Vorwurf, dass die Schule zu wenig auf das Berufsleben vorbe­reitet. Unter diesem Aspekt wäre eine solche Mass­nahme nicht zielführend.»

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Von Simone am 07.12.2019 17:21

Frau Rösler betont im Interview, dass die Schule die Kinder auf das Leben später vorbereite. Dem möchte ich entschieden widersprechen. Denn die Gesellschaft mutet den Kindern während der obligatorischen Schulzeit krank machenden Umstände und Zwänge zu, die wir Erwachsenen niemals zumuten würden:
• Zwang: Kindern werden während der obligatorischen Schulzeit massiv in ihrer Autonomie und ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt. Die Kinder lernen nicht, Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
• Unter- / Überforderung: Kinder dürfen sich die meiste Zeit nicht mit Aktivitäten und Themen befassen, die ihrem Entwicklungsstand, ihren Begabungen und ihren Interessen entsprechen.
• Gehirnentwicklung: In der Schule dürfen die Kinder nicht frei spielen, weil man fatalerweise meint, beim freien Spiel würden die Kinder nichts Wichtiges lernen. Kinder brauchen das freie Spiel, um sich gesund entwickeln zu können.
• Bewertung: Kinder werden laufend mit Noten und anderen, scheinbar harmlosen Bewertungssystemen bewertet und selektioniert. Das schädigt ihren Selbstwert und das Gefühl für ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen.
• Mobbing: Kinder müssen zur Schule gehen, selbst wenn sie dort täglich geplagt, ausgeschlossen und ausgelacht werden.
Hand aufs Herz: einer/m guten Freundin/Freund in einer solch krank machenden und entwürdigenden Situation würden wir raten, sich schleunigst eine menschenfreundlichere Stelle zu suchen! Kinder müssen hingegen ausharren, weil sie ja schliesslich auf die Welt der Erwachsenen vorbereitet werden müssen. Ist das wirklich eine gute Vorbereitung?
Wir haben unsere Kinder aus der öffentlichen Schule herausgenommen. Wir wollten nicht länger mitansehen, wie das «System Schule» unseren Kindern zusehends Lebenslust und Kreativität austreibt.

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