Schule
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Wie wird die fortschreitende Digitalisierung die Schule verändern?

Das ist eine Frage, die Ihnen noch niemand wirklich beantworten kann. Was sicher kommen wird, ist das Prinzip «One to One». Jeder Schüler hat ein Gerät, an dem er arbeitet. Aber das heisst nicht, dass Kinder morgens um 8 Uhr in die Schule kommen, den Laptop auf­ klappen und ihn erst nachmittags bei Schulschluss ausschalten. Ich glaube, dass in einer digitalisierten Welt kre­ative Aktivitäten, die Sozialkompe­tenz sowie der Faktor Bewegung an Bedeutung gewinnen werden.

Die eine Klasse geht in den Wald und bestimmt per App verschiedene Blätter, eine andere hört die Erklärungen des Lehrers, sammelt Blätter, fühlt ihre Form, bastelt später mit ihnen. Was ist nachhaltiger?

Die eine Methode schliesst die ande­re nicht aus. Vielleicht kann der Leh­rer in einem ersten Waldbesuch die einzelnen Blätter benennen, die Schülerinnen und Schüler sammeln und fühlen lassen. Und in einem zweiten die App benutzen. «Schaut mal, wenn ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr den Namen des Blattes so herausfinden.» Digitale Geräte eröff­nen neue Möglichkeiten. Das heisst aber nicht, dass alles, was vorher war, ad acta gelegt werden muss. Die Ver­mittlung von Medienkompetenz ist ein ganz wichtiges schulisches The­ma: Wann lege ich mein Handy weg? Was gebe ich in den sozialen Medien von mir preis und was nicht?

Von welcher Schulstufe sprechen Sie?

Auf der Unterstufe müssen Kinder erst einmal grundlegende Fähigkei­ten lernen, beispielsweise von Hand zu schreiben. Ab der dritten Klasse können dann digitale Geräte einge­setzt werden.

Sind die Schulen denn entsprechend ausgestattet?

Je nach Kanton und Gemeinde ist die Situation sehr unterschiedlich. Damit man die Geräte im Unterricht wirklich effektiv einsetzen kann, muss jeder Schüler und jede Schüle­rin ein Gerät zur persönlichen Nut­zung erhalten. Es braucht gut aus­gerüstete Schulhäuser, in denen das Internet zuverlässig funktioniert. Es braucht sowohl technischen als auch pädagogischen Support vor Ort. Das kann sich nicht jede Gemeinde leisten.
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«Bring your own device» ist ein Ansatz, bei dem jeder Schüler und jede Schülerin sein beziehungsweise ihr eigenes Gerät mitbringt.

Ich bin aus Gründen der Chancen­gleichheit gegen diesen Ansatz. Vie­le Familien können sich nicht das neuste Tablet leisten, einige vielleicht gar keins. Auch unter dem Aspekt des technischen Supports ist das nicht möglich. Da bringt ein Schüler ein Tablet von einer bestimmten Marke, ein anderer ein Smartphone einer anderen Marke. Eine Verein­heitlichung könnten Schulen aber nicht vorschreiben.

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Von Simone am 07.12.2019 17:21

Frau Rösler betont im Interview, dass die Schule die Kinder auf das Leben später vorbereite. Dem möchte ich entschieden widersprechen. Denn die Gesellschaft mutet den Kindern während der obligatorischen Schulzeit krank machenden Umstände und Zwänge zu, die wir Erwachsenen niemals zumuten würden:
• Zwang: Kindern werden während der obligatorischen Schulzeit massiv in ihrer Autonomie und ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt. Die Kinder lernen nicht, Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
• Unter- / Überforderung: Kinder dürfen sich die meiste Zeit nicht mit Aktivitäten und Themen befassen, die ihrem Entwicklungsstand, ihren Begabungen und ihren Interessen entsprechen.
• Gehirnentwicklung: In der Schule dürfen die Kinder nicht frei spielen, weil man fatalerweise meint, beim freien Spiel würden die Kinder nichts Wichtiges lernen. Kinder brauchen das freie Spiel, um sich gesund entwickeln zu können.
• Bewertung: Kinder werden laufend mit Noten und anderen, scheinbar harmlosen Bewertungssystemen bewertet und selektioniert. Das schädigt ihren Selbstwert und das Gefühl für ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen.
• Mobbing: Kinder müssen zur Schule gehen, selbst wenn sie dort täglich geplagt, ausgeschlossen und ausgelacht werden.
Hand aufs Herz: einer/m guten Freundin/Freund in einer solch krank machenden und entwürdigenden Situation würden wir raten, sich schleunigst eine menschenfreundlichere Stelle zu suchen! Kinder müssen hingegen ausharren, weil sie ja schliesslich auf die Welt der Erwachsenen vorbereitet werden müssen. Ist das wirklich eine gute Vorbereitung?
Wir haben unsere Kinder aus der öffentlichen Schule herausgenommen. Wir wollten nicht länger mitansehen, wie das «System Schule» unseren Kindern zusehends Lebenslust und Kreativität austreibt.

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