Schule
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«Wenn ihr beschimpft werdet: nicht zurückgeben!»

Nach der Einführung geht es in die Gruppenarbeit. Co-Kursleiterin Lina Shaqiri erklärt, wann es angesagt ist, in einem Chat zu «resetten», sprich: sich aus einer Diskussion rauszunehmen. Sie fragt Erzin, ob er Fan eines Fussballclubs sei. Der 13-Jährige muss nicht lange überlegen: «Besiktas Istanbul!». Lina Shaqiri weiss Bescheid: «Besiktas-Fans vertragen sich nicht gut mit Fenerbace-Fans, richtig? Stell dir vor, ich wäre Fenerbace-Fan – wir könnten ewig diskutieren und würden uns trotzdem nicht einig. Oder?» Die 25-jährige spricht die Sprache der Jugendlichen. Den Mädchen rät sie: «Beschimpft euch jemand als Bitch: Nicht zurückgeben!»
 
Sehr konkret wirds bei der dritten Station: Die Schülerinnen und Schüler sind aufgefordert, ohne Angabe des Namens eigene Erfahrungen mit Mobbing sowie Wünsche diesbezüglich aufzuschreiben. 
«Es wurden ältere Kinder auf mich gehetzt und ich wurde auch oft geschlagen und sie haben mir gesagt, ich soll sterben, es wird mich eh niemand vermissen.»
Ein Schüler notiert anonym seine Mobbing-Erfahrungen
Später kommt eine weitere Schulklasse in die Aula. Die ausgefüllten Blätter der insgesamt rund 30 Schülerinnen und Schüler zeigen: Viele haben schon ihre Erfahrung mit Mobbing gemacht. Ein Schüler schrieb: «Die Schulzeit ist seit neun Jahren schwer für mich. Ich wünsche, dass es in der Klasse, in der Schule und überall aufhört. Mehr Leute sollen helfen.» Eine andere Schülerin wünscht sich drakonische Strafen für die Mobber: Einträge ins Zeugnis, «nicht schulisch, sondern wie wenn man etwas klaut». Ein weiterer Schüler notierte: «Ich wurde ein Jahr lang selbst gemobbt. Es wurden ältere Kinder auf mich gehetzt und ich wurde auch oft geschlagen und sie haben mir gesagt, ich soll sterben, es wird mich eh niemand vermissen. Ich wurde aus dem Klassenchat rausgeschmissen und ausgeschlossen.»
 
Was auffällt: Oft wird der Wunsch geäussert, dass Lehrpersonen Mobbing ernster nehmen, es in der Schule thematisieren und früher eingreifen. Gleichzeitig sagen die Schülerinnen und Schüler, dass an der Sek Embrach grundsätzlich gut mit dem Thema umgegangen werde.

Warum ein «Hä?!» problematisch sein kann

Mylène Sunier, Klassenlehrerin der ersten Sekklasse meint: «Obwohl wir schon Projekttage zu dem Thema durchgeführt haben, ist sehr wichtig, dass die Jugendlichen es immer wieder hören. Besonders, wenn jemand von aussen kommt – da hören sie ganz anders zu als bei der Klassenlehrerin.»
 
Mike Würmli bestätigt, dass für die meisten das Thema nicht neu sei. «Den Jugendlichen mangelt es aber oft an konkreten Handlungsoptionen.» Er nennt ein Beispiel aus den Kursen: «Ein nicht böse gemeintes <Hä?!> im Chat kann als Provokation aufgefasst werden. Ein <Wie hast du das gemeint?> verursacht keine Missverständnisse.»
Die Schüler schreiben ihre Erfahrungen mit Mobbing auf.
Die Schüler schreiben ihre Erfahrungen mit Mobbing auf.
Auch Lina Shaqiri ist von der Wichtigkeit der Kurse überzeugt: «Für den direkten Umgang miteinander gibt es Klassenregeln – in den Gruppenchats gibt es diese nicht.»
 
Doch nicht nur den Schülern fehle es an Medienkompetenz, meint die 25-Jährige weiter: «Es müsste auch für die Eltern Kurse geben.» Überhaupt seien die Erwachsenen oft schlechte Vorbilder. «Auch sie haben oft Mühe, den richtigen Kommunikationskanal zu wählen», meint die Kursleiterin. «Und wenn man die Online-Kommentare der Erwachsenen im Internet liest, muss man sich nicht wundern, wenn es die Jungen nicht besser machen.»

(*alle Schülerinnen- und schülernamen von der Redaktion geändert)
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