Schule
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Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass einzelne Kinder total abgehängt werden?

Auch hier gilt: je länger desto grösser. Dabei gibt es zu sagen, dass es auch leistungsschwächere Kinder gibt, bei denen das nicht unbedingt etwas mit der fehlenden Unterstützung zu Hause zu tun hat. Aber auch sie können je länger je mehr ins Hintertreffen geraten. 

Kann man solche Kinder auffangen, wenn man wieder zum Präsenzunterricht zurückkehrt? Wie? 

Wenn die Schule wieder im Normalunterricht anläuft, braucht es zuerst etwas Zeit, bis sich die Klassen wieder gesammelt haben, sich die erste Aufregung gelegt hat. Danach wird sich wohl auch herauskristallisieren, wer daheim wie gearbeitet hat und wer an Boden verloren hat. Ich denke, es wird zusätzliche Unterstützungsmassnahmen von Seiten der Schule brauchen, damit letztere eine Chance haben, ihre Defizite wieder aufzuarbeiten. In dieser Phase wird es sehr wichtig sein, dass man Lehrerinnen und Lehrer nicht alleine lässt, denn es wird nach der Corona-Krise eine neue Dimension in den Klassen aufgehen. Neu entstandene Defizite wird man nicht im regulären Unterricht auffangen können. Auch nicht im bereits bestehenden Heilpädagogik-Pool. Da müssen tatsächlich neue, zusätzliche Ressourcen gesprochen werden.

Welche Bedeutung ist dem Zeugnis von nächstem Sommer beizumessen?

Die Eidgenössische Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat beschlossen, das Schuljahr vollwertig zu zählen und die Zeugnisse mit einem Vermerk zu versehen, dass es sich um eine aussergewöhnliche Situation handelte. Schlussendlich geht es ja allen gleich – alle Schülerinnen und Schüler sind betroffen, egal, welcher Hintergrund, welches Alter und welches Schuljahr.

Einige trifft es aber besonders hart: Schulabgängerinnen und Schulabgänger vom Sommer, welche noch keine Anschlusslösung an die 9. Klasse haben.

Laut der Lehrstellenplattform Yousty sind für den Sommer 2020 noch über 15'000 Lehrstellen offen. Man ist dran, nach möglichst geeigneten Lösungen zu suchen, wie diese besetzt werden können, und wie Lehrstellensuchende noch an eine Stelle kommen. Es ist allen bewusst, dass diese Jugendlichen jetzt noch mehr Unterstützung und Eigeninitiative brauchen als im Normalfall. 
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Sehen Sie in dieser schwierigen Zeit auch die eine oder andere Chance?

Ich sehe eine Chance, das Familienleben mal etwas zu entschleunigen und nicht durchgetaktete Zeit miteinander zu verbringen. Die sollte man nutzen, wenn einem das möglich ist. Ausserdem kann man als Eltern nun tiefere Einblicke ins Arbeits- und Lernverhalten der eigenen Kinder erhalten, vielleicht gehen da auch ein paar Lichter auf, wie die Arbeit und der Alltag von Lehrerinnen und Lehrern aussieht.

<div><strong>Sandra Casalini</strong> ist Journalistin und Mutter von zwei Teenagern (15 und 13), mit denen sie nun ihr Homeoffice teilt. Das funktioniert genau wie der Fernunterricht: mal besser, mal schlechter, mal gar nicht. Aber alle nehmens mit Humor.</div>
Sandra Casalini ist Journalistin und Mutter von zwei Teenagern (15 und 13), mit denen sie nun ihr Homeoffice teilt. Das funktioniert genau wie der Fernunterricht: mal besser, mal schlechter, mal gar nicht. Aber alle nehmens mit Humor.

Mehr lesen von Dagmar Rösler: 

  • Das alte Lied von den Noten
    Die Leistungsbewertung von Schülerinnen und Schülern mittels Noten ist verzerrend und schon lange umstritten. Höchste Zeit, dass sich die Schule hin zu einem zeitgemässen, fairen und am Kind orientierten System der Beurteilung weiterentwickelt. Hierzu braucht es auch das Vertrauen der Eltern.


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