Schule
Seite 3

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind gemobbt wird?

Kinder verbringen die Hälfte ihrer Zeit in der Schule. Ob sie sich in der Klasse wohl und akzeptiert fühlen, bestimmt zu einem grossen Teil, wie es ihnen geht und welchen Wert sie sich als Menschen zuschreiben. Floskeln und Rezepte wie «Lass sie doch reden!» greifen bei Kindern nicht. Das Bedürfnis dazuzugehören ist Teil unserer Existenz. Ein Kind kann dieses nicht einfach mit oberflächlichen Sprüchen ersticken. Da Mobbingein Gruppenphänomen ist, sollte es auch in der Gruppe gelöst werden. Ansprechpartner ist daher die Schule. Lehrpersonen Ihres Kindes, die Schulleitung, die Schulsozialarbeiterin, der Schulpsychologe und die Schulpflege können Sie dabei unterstützen. Bereiten Sie das Gespräch gut vor. Schildern Sie, was Sie sich von der Schule wünschen, und fragen Sie nach, was die Schule unternehmen wird. Führen Sie das erste Gespräch ohne Ihr Kind. Beziehen Sie weitere Personen mit ein, wenn sich die Situation nicht verbessert.

Fabian Grolimund, Psychologe, Buchautor und Elterncoach

(Lesen Sie auch unser umfassendes
Online-Dossier zum Thema Mobbing)
«Kinder verbringen die Hälfte ihrer
Zeit in der Schule. Ob sie sich in der Klasse wohlfühlen, bestimmt zu einem grossen Teil, wie es ihnen geht.»
Fabian Grolimund, Elterncoach

Mein Kind ist schulmüde. Was können wir tun?

Symptome von Schulmüdigkeit zeigen sich spätestens ab dem Alter von etwa acht Jahren. In der Primarschule spielen Ängste vor und in der Schule eine grössere Rolle als in der Pubertät, wo Schulmüdigkeit als Schulunlust besonders häufig vorkommt. Schulmüdigkeit bedeutet, nicht wirklich anwesend zu sein, während des Unterrichts in die innere Emigration zu gehen. Schulmüdigkeit und als Folge die Schulverdrossenheit sind immer abhängig von den Lehrpersonen und dem Fach. Die Gründe sind vielfältig: Stress, Druck und Niedergeschlagenheit sowie die Angst, dem Leistungsdruck nicht gewachsen zu sein. Aber auch Stress in der Familie, ein schlechtes Klassenklima sowie Mobbing können Ursachen sein. Eltern sollten so rasch wie möglich reagieren und die Schulunlust des Kindes nicht noch verstärken, besonders dann, wenn sie insgeheim die Schule doof finden, die Lehrperson nicht mögen oder den Unterricht selbst als langweilig taxieren. Auch sollten Eltern das Motiv bzw. die Motive des Kindes zu verstehen versuchen. Schulmüde Kinder brauchen Hilfe. Denn auch sie suchen im Prinzip die Schülerrolle, wollen zum Klassenverbund gehören, sich durch die Lehrperson angenommen und anerkannt fühlen. Eltern sollten daher das Gespräch mit der Lehrperson ihres Kindes suchen.

Karlheinz Thimm, Sozialpäda­goge und Professor für Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe sowie Methoden in der Sozialen Arbeit

Was mache ich, wenn mein Kind die Schule schwänzt?

In erster Linie: gelassen bleiben, aber das Kind nicht alleine lassen. Und im Hinterkopf behalten, dass 98 Prozent der Jugendlichen in der Pubertät keine grossen Probleme bekommen. Und nicht vergessen, dass Jugendliche nebst Regeln auch Lob und Zärtlichkeit sowie echtes Interesse brauchen. Gemeinsame Rituale in der Familie (Zusammensein, gemeinsames Abendessen, Sport machen, Film- und Spielabende) sind wichtig. Aber auch Streit gehört dazu. Jugendliche haben ein Recht auf Streit und darauf, falsche Entscheidungen zu treffen. Wissen Eltern dennoch nicht weiter, helfen der Elternnotruf, die Pro Juventute, Schulsozialarbeiter und Jugend­arbeiter.

Margrit Stamm, Erziehungs­wissenschaftlerin

Wie erkläre ich meinem Kind, dass gute Noten und ein guter Schulabschluss wichtig sind? 

Sagen Sie nicht: «Du lernst für das Leben.» Die Gefahr, dass das Kind dann fragt «für deines oder meines?», ist gross. Wer nach der obligatorischen Schulzeit keinen Abschluss in der Tasche hat, der hat ein Problem. Ohne gültiges Abschlusszeugnis ist es schwierig bis unmöglich, eine Lehrstelle zu finden. Und ohne eine Ausbildung wird es längerfristig in der Berufswelt schwierig. Und Noten sind wichtig, weil man mit guten Noten im Leben weiterkommt. Wenn das Kind nur Zweier hat, nützt die beste Bildung nichts. Wichtig ist jedoch, wie man darüber spricht und welches Mass das richtige ist für das Kind. Welche Leistung kann es erbringen? Und wann sind seine Möglichkeiten ausgeschöpft? Das Ziel muss sein, durchzukommen und die Schule abzuschliessen – und nicht, lauter Sechser zu schreiben.

Philipp Ramming, Kinder- und Jugendpsychologe
Anzeige

Was können Eltern tun, wenn das Kind in der Schule unter seinen Möglichkeiten bleibt?

Schwierige Situationen gehören zum menschlichen Reifwerden. Das erleben wir alle. Krisen sind oft auch Wendepunkte im Leben eines Menschen. Bei Schulkindern in schulischer Notsituation ist es wichtig, dass die Eltern als besonnene «Advokaten des Kindes» an seiner Seite stehen, ohne nach aussenstehenden Schuldigen zu suchen. Eine gemeinsame Analyse der Gründe, ein Abwägen der Massnahmen und eine, zwei kluge Gegenkräfte wie ruhiges und konzentriertes Lernen oder vorübergehende Reduktion von Freizeitaktivitäten können helfen. Mit Druck geht es kaum. Jeder Tunnel hat einen Ausgang, und am Ende (er-)scheint immer wieder das Licht.

Carl Bossard, Gymnasiallehrer

Sind schulische Leistungen wirklich mit Noten messbar?

Lehrerinnen und Lehrer haben viele Aufgaben zu bewältigen, auch widersprüchliche und gegensätzliche wie zum Beispiel Individualisieren und Sozialisieren, Zeigen von Empathie und gleichzeitig Konfrontieren. Sie müssen unterscheiden zwischen elterlichem Anspruch und kindlichem Potenzial. Das ist ihr anspruchsvoller Alltag und Auftrag. Zu diesen gegensätzlichen Aufgaben gehören die pädagogische und die soziologische. Die Schule muss die Kinder in ihrer Entwicklung fördern und sie bilden – und gleichzeitig muss sie auch selektionieren. Der Start sollte für alle möglichst gleich sein, die Wege und Ergebnisse sind es nicht. Entschieden wird nach Lernleistung und nach spezifischem Wissen und Können. Napoleon schwärmte seinen Soldaten vor, dass jeder Gefreite den Marschallstab im Tornister trage. Allein die Leistung zähle, verkündete er. Es würden weder Herkunft noch Geld gelten, weder Konfession noch Parteibuch. Das sollte noch heute gelten. Die Lernleistung ist darum das einzig sozialneutrale Kriterium und damit der demokratische Massstab. Und wie wird die Lernleistung gemessen? Mit Worten? Mit Noten? Darüber wird gestritten. Eines wissen wir: Worte sind oft interpretationsbedürftiger als nackte Zahlen. Und noch etwas wissen wir: Jedes System ist so gut, wie es die verantwortlichen Personen handhaben. Das gilt auch für die Noten.

Carl Bossard, Gymnasiallehrer

100 Fragen und Antworten zu Erziehung, Familie und Schule

Lesen Sie hier weitere Fragen und Antworten aus unserem grossen Dossier. 


Eine Einzelausgabe mit allen 100 Fragen und Antworten gesammelt können Sie hier bestellen. 

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.