Schule
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Soll man Kinder für gute Noten mit Geld belohnen?

Geld für gute Noten zu verteilen, ist Unsinn. Denn indem Eltern nur belohnen, was messbar ist – in diesem Fall gute Noten –, setzen sie falsche Anreize. Das Kind lernt: Für eine Note lohnt sich der Einsatz. Für andere Leistungen, etwa Klassen­kameraden bei den Hausaufgaben zu helfen, gibt es kein Geld. Das Kind stuft also automatisch das Helfen bei den Hausaufgaben als weniger wichtig ein. Zudem verlieren Geld­geschenke rasch ihre Wirkung. Denn die Belohnung funktioniert nur, wenn die Eltern immer wieder Geld verteilen. Setzen sie aus, verpufft der Effekt. Das Kind denkt: Jetzt lohnt es sich nicht mehr. Das Problem: Es lernt mit Geld nicht, weil es wirklich interessiert ist, sondern nur für die Belohnung. Dabei müsste doch die Freude am Schulstoff selbst geweckt werden.

Etienne Bütikofer, Leiter des Büros für Bildungsfragen und Schulleiter in Kernenried BE
«Geld für gute Noten zu verteilen, ist Unsinn. Eltern setzen damit falsche Anreize.»
Etienne Bütikofer, Leiter Büro für Bildungsfragen

Ich mag die Lehr­person meines Kindes nicht. Was soll ich tun?

Kinder sind sehr empfänglich für die Emotionen ihrer Eltern. Wenn sie auf der Seite von Mutter und / oder Vater Angst oder Abneigung gegen den Kindergarten beziehungsweise die Schule spüren, kann es ihnen deutlich schwerer fallen, sich auf die Lehrperson, aber auch auf die anderen Kinder und das Angebot der Schule einzulassen. Wenn sich Eltern und Lehrpersonen vertrauensvoll begegnen, lässt es sich offener kommunizieren und es können auch bei Schwierigkeiten rascher und unkompliziert Lösungen gefunden werden. Wenn die Erziehungsvorstellungen von Eltern und Lehrperson auseinander gehen, sollte man sich zuerst die Frage stellen: Wer hat das Problem? Es ist hilfreich, eigene Empfindlichkeiten zurückzustellen, sich zu sagen: Die Lehrperson macht es anders, aber nicht schlechter, und mein Kind kommt damit klar. Eine Lehrperson kann nicht die Erziehungsvorstellungen von 20 Eltern mitberücksichtigen. Sie oder er ist zudem für eine grosse Gruppe von Kindern verantwortlich und muss in diesem Rahmen für geordnete Abläufe sorgen. Dass das nicht leicht ist, merkt man, wenn man einen Kindergeburtstag betreut. Da kommt man ziemlich rasch ins Schwitzen und pocht wahrscheinlich schnell auf die Einhaltung gewisser Regeln. Es ist manchmal heilsam, sich das bewusst zu machen.

Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler, Psychologen und Lerncoaches

(Mehr lesen:
Vier Fragen zu Loyalitätskonflikten zwischen Eltern, Kind und Lehrperson. Interview mit Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund)

Fördern Privatschulen besser?

Das kann man so nicht sagen. Privatschulen machen das Gleiche einfach etwas anders. Sie gewinnen Schülerinnen und Schüler mit kleinen Klassen und individueller Förderung, umfassender Tagesstruktur und oft auch Zweisprachigkeit. Dazu können sie Kinder auch ablehnen. Das kann die öffentliche Schule nicht.

Carl Bossard, Gymnasiallehrer

Wie sehr sollen Eltern ihr Kind beim Übertritt ins Gymi unterstützen? 

Lassen Sie mich die Gegenfrage stellen: Gehört jedes Kind ans Gymnasium? Nein. Nicht jedes Kind muss aufs Gymnasium, denn nicht jedes Kind ist fürs Gymnasium geeignet. Rund 30 Prozent der Gymnasiasten, die wir getestet haben, bringen nicht die nötige Intelligenz mit. Die in der Schweiz geltende Maturaquote gibt vor, dass nicht mehr als 20 Prozent aller Kinder aufs Gymnasium sollen – sinnvollerweise wären das die intelligentesten 20 Prozent jeder Altersgruppe. Orientieren wir uns an ihnen, müsste der Mindest-IQ fürs Gymnasium bei 112 Punkten liegen. Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass bis zu 45 Prozent der Schweizer Gymnasiasten diesen IQ nicht mitbringen. Das heisst also, dass es Kinder ins Langzeitgymnasium schaffen, die aus gut situierten Familien stammen, welche teure Prüfungsvorbereitungen und Nachhilfe finanzieren können, aber von der Intelligenz her nicht unbedingt ins Gymnasium gehören. Es gibt aber auch in sozial schwächeren Familien intelligente Kinder – doch die stehen alleine da, ohne die notwendige Unterstützung. Deren Potenzial sollte mehr genutzt werden.

Elsbeth Stern, Professorin für empirische Lehr- und Lern­forschung an der ETH Zürich
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Was macht eine gute Lehrperson aus?

Gute Lehrpersonen setzen klare Ziele, trauen den Kindern das Erreichen dieser Ziele zu und unterstützen sie dabei wohlwollend. Sie schaffen strukturierte Lernumgebungen, planen Phasen des bewussten Übens ein, geben lernförderliches Feedback und bauen eine intensive Lehrer-Schüler-Beziehung auf.

Carl Bossard, Gymnasiallehrer

Wie wichtig ist die intrinsische Motivation fürs Lernen?

Die Unterscheidung zwischen intrinsisch und extrinsisch ist mir zu einfach. Natürlich brauchen wir eine innere Motivation. Ebenso wichtig sind aber (Lehr-)Personen, die Ansprüche formulieren – und so Erwartungssicherheit schaffen –, die uns die Aufgabe zutrauen und uns dabei unterstützen und Feedback geben.

Carl Bossard, Gymnasiallehrer

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