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Lernen

Zuhören, singen, reimen

Für den Schreiberwerb ist eine Erkenntnis zentral: Unser Schriftsystem ist eine Laut-Buchstaben-Schrift. Das heisst, dass gesprochene Laute in Schriftzeichen übertragen werden. Sprachspiele unterstützen Kinder bei der Entwicklung dieses Bewusstseins.
Text: Johanna Oeschger
In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post
Ein Kind, das noch nicht schreiben kann, richtet seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Bedeutung der Wörter; den Klang oder die formalen Merkmale nimmt es noch nicht bewusst wahr. Erst nach und nach entdeckt das Kind, dass es die gesprochene Sprache in Wörter, Silben und Buchstaben zerlegen und diese als Bausteine für das eigene Schreiben nutzen kann. Dieser Lernprozess beginnt bereits lange vor dem ersten Schreiben, wenn Reime und Lieder das Interesse an der Struktur der Sprache wecken oder wenn beim Vorlesen die Aufmerksamkeit auf die Laut-Schrift-Beziehung gelenkt wird.

«Ich sehe was, was du nicht siehst … »

Als Variante des beliebten Zugfahr-/Autofahrspiels wird anstatt die Farbe der Anfangsbuchstabe des gesuchten Dings genannt («… und das fängt mit S an»).  

Silbenstufen

Am Fuss einer Treppe denken sich die Kinder ein Wort aus, sprechen das Wort und gehen für jede Silbe eine Stufe hoch. Wer kommt am schnellsten die Treppe rauf?

Liederkoffer

Mit passenden Stichworten und Zeichnungen werden Lieder auf Zetteln dargestellt und in einer Schachtel gesammelt. Nun wird abwechslungsweise ein Zettel gezogen, der Liedtitel erraten – und gesungen!
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(Vor)Lesen

So werden aus Zuhörern allmählich Selbstleser: Die Zuhörer korrigieren Wörter, die beim Vorlesen «versehentlich» verwechselt wurden (« … hatten grossen Wurst») oder suchen auf der Buchseite ein Wort, das öfter im Text vorkommt («Wo steht … ?»).

Bild: iStock

Aus welchen Liedern kommen diese Verse?

1.
D Chöpfli heis i ds Wasser, d Schwänzli heis i d Höh
2. S müesst eine sii, wo rede cha – dä seit i mir denn alles nah 
(im Video ab Minute 10:30)
3. Blib doch au dr ganz Tag da, das i cha veruse ga
4. Chasch du rite? Chasch uf beidi Site? 
(ohne Video)
5. Alli tüe si grunze, alli tüe si schmatze, und enand am Rügge chratze

Zur Autorin:
Johanna Oeschger ist Literatur- und Sprachwissenschaftlerin, unterrichtet Deutsch und Englisch auf der Sekundarstufe II und arbeitet als Mediendidaktikerin bei LerNetz.

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