Lernen
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Mit Logopädie und individuellen Übungen das Hören und die Aussprache verbessern

Hierzu kommen die Kinder einmal pro Woche zur Logopädie. Bei besonders ausgeprägtem Lispeln findet die Therapie einzeln oder in der Zweiergruppe statt. Zudem bilden die Logopädinnen im Kindergarten oder später in der Schule eine «s-Gruppe», in der die Aussprache, aber auch das korrekte Hören der s-Laute trainiert werden. «Da der Fortschritt der Therapie von der Übungsintensität abhängt, geben wir den Eltern zusätzlich Übungen mit nach Hause, die sie regelmässig mit ihren Kindern machen sollen», berichtet Braun.

Die Übungen sollten dabei individuell auf die Kinder abgestimmt sein. «Manche tun sich beim korrekten Hören und Erkennen der s-Laute schwer, bei manchen ist die Lippen- und Zungenmuskulatur schlaff, bei anderen klappt die richtige Stellung von Zunge oder Kiefer noch nicht gut», erläutert Haid. «Die Übungen werden daher so ausgewählt, dass genau diese Aspekte trainiert werden.»

Ganz am Anfang müssen die Kinder den s-Laut noch bewusst bilden, was viel Konzentration erfordert.
«Das Ziel ist jedoch, dass sie das ‹s› spontan und ohne Mühe richtig aussprechen können», so die Logopädin.

Manche Kinder lispeln – und sie stören sich daran überhaupt nicht. Andere schämen sich jedoch wegen der falschen Aussprache, ihr Selbstvertrauen leidet. Das verstärkt sich oft noch, wenn Schulkameraden sie wegen des Lispelns hänseln oder wenn die Eltern die falsche Aussprache häufig kritisieren oder verbessern.
Vor allem ältere Kinder leiden unter dem Lispeln.
Wie häufig sind solche psychischen Belastungen? Und wie können sie vermieden werden? Nach Erfahrung von Vanessa Braun leiden vor allem ältere Kinder unter dem Lispeln. «Im Kindergarten ist das Störungsbewusstsein der Kinder noch gering», sagt die Logopädin. «Zudem ist Lispeln wesentlich weniger problematisch als andere Sprechstörungen. Meist werden die Kinder trotzdem gut verstanden und Eltern und Lehrer gehen relativ gelassen damit um.»

Stärker belastend könne das Lispeln etwa ab der 3. Klasse sein. «Hier wird es als nicht mehr altersgemäss wahrgenommen. Dazu kommt, dass die Kinder nun oft alleine oder in der Gruppe kleine Präsentationen halten müssen, wo das Lispeln besonders auffällt», so Braun. Mädchen würden häufig mehr unter dem Lispeln leiden als Buben – allerdings seien Störungsbewusstsein und psychische Belastung individuell sehr unterschiedlich.

Toleranz für Abweichungen fördern!

«Wichtig ist in jedem Fall, den Kindern die Scham zu nehmen und ihre Sprechfreude zu erhalten», sagt Braun. «So kann man ihnen sagen, dass Lispeln häufig vorkommt und mit entsprechenden Übungen oft wieder verschwindet.» Ausserdem sollten Lehrer und Eltern das Selbstbewusstsein des Kindes stärken – etwa, indem sie es für Dinge loben, die es schon gut kann.

Ausserdem komme es auf die Haltung von Klassenkameraden, Eltern und Lehrpersonen an, betont Andrea Haid. «Lehrer und andere Bezugspersonen sollten eine Atmosphäre schaffen, in der Toleranz für Andersartigkeit selbstverständlich ist», sagt die Logopädin. «Das ist ja für alle Arten von Auffälligkeiten wichtig – von denen viele schwerwiegender sind als Lispeln.»

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