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Hörstörungen, Fehlbildungen oder psychische Gründe als Ursache für Lispeln?

Manchmal kann auch eine Hörstörung hinter dem Lispeln stecken, erläutert Andrea Haid, Rektorin der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach. «Besteht ein Verdacht auf Hörprobleme, sollte dies auf jeden Fall von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abgeklärt werden», betont die Expertin. «Das wird meist vom Kinderarzt veranlasst. Die Logopädinnen oder Kindergärtnerinnen können aber die Empfehlung dazu geben.»

In seltenen Fällen sind es Lähmungen der Muskulatur, Tumore oder Fehlbildungen der Zunge oder des Gaumens, die zur beeinträchtigten Aussprache des Kindes führen. «Hier ist es neben einer logopädischen Behandlung wichtig, die zugrunde liegenden körperlichen Ursachen zu behandeln», so Haid.

Schliesslich gibt es den eher speziellen Fall, dass ein Kind plötzlich lispelt, obwohl es den Laut «s» eigentlich schon beherrscht. «Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn ein Geschwisterkind geboren wird», berichtet Haid. «Das Kind lispelt dann, um jünger zu wirken und so mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung zu bekommen.» Folglich müssen bei der Diagnostik eine Reihe unterschiedlicher Komponenten berücksichtigt werden, sagt die Logopädin.

Wann ist eine logopädische Therapie sinnvoll?

Die entscheidende Frage, die viele Eltern beschäftigt, ist: Wann kann man einfach abwarten, dass das Lispeln von selbst wieder verschwindet, und wann sollte man etwas unternehmen? Einig sind sich die meisten Experten, dass Lispeln im Alter von drei bis vier Jahren noch altersgemäss ist und man hier zunächst abwarten kann.

Manche Experten plädieren dafür, Lispeln ab einem Alter von sechs oder sieben Jahren zu behandeln – andere bereits ab dem fünften Lebensjahr. «Mit fünf bis sechs Jahren kommt es durch den Zahnwechsel und damit verbundene Zahnlücken häufig zum Lispeln, das anschliessend oft von alleine verschwindet», sagt Vanessa Braun.

«Lispelt ein Kind jedoch noch in der ersten Klasse beziehungsweise mit sieben Jahren, sollte man eine logopädische Therapie beginnen. Bei Schuleintritt sollten die Kinder alle Laute korrekt bilden können, damit sie diese auch richtig schreiben können.»
«Wenn ältere Kinder oder Jugendliche lispeln, hinterlässt dies unterschiedliche Eindrücke bei den Gesprächspartnern»
Andrea Haid, Rektorin der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach.
Allerdings kann auch ein Therapiebeginn mit fünf Jahren sinnvoll sein. «Wenn das Lispeln durch ein falsches Schluckmuster mit starkem Zungenvorstoss zustande kommt oder wenn der Zahnwechsel schon früh stattfindet, ist ein Therapiebeginn mit fünf Jahren sinnvoll, um Zahnfehlstellungen zu vermeiden», so Braun.

Andrea Haid plädiert dafür, die logopädische Therapie mit fünf Jahren zu beginnen, wenn ein Kind den s-Laut zwar konstant falsch ausspricht, aber schon in der Lage ist, das «s» korrekt zu bilden. «So wird verhindert, dass sich die falsche Aussprache weiter verfestigt», sagt die Logopädin. Ein frühzeitiges Üben ist auch deshalb sinnvoll, weil Lispeln bei älteren Kindern nicht mehr als süss, sondern eher als Makel wahrgenommen wird. «Wenn ältere Kinder oder Jugendliche noch lispeln, hinterlässt dies unterschiedliche Eindrücke bei den Gesprächspartnern», sagt Haid.

Egal, welcher Weg gewählt wird: Die Prognose ist bei jungen Kindern in der Regel sehr gut – bei den meisten kann das Lispeln mit einer logopädischen Therapie erfolgreich behandelt werden.
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