Kindergarten
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Eltern können Mängel oder Essstörungen bei Kindern vorbeugen

Erst mit der Zeit lernt ein Kind, auch Saures, Salziges und Bitteres zu mögen – vorausgesetzt, es bekommt die Chance dazu. Und hier sind die Eltern gefragt: Kurzfristig mag es einfacher sein, Kindern jeden Essenswunsch zu erfüllen. Auf die Dauer tut man ihnen damit aber keinen Gefallen, weil man sie so der Möglichkeit beraubt, ihre Sinne zu entwickeln und unterschiedliche Geschmackserfahrungen zu machen – ein Versäumnis, das später nur schwer nachzuholen ist. Je breiter und bunter hingegen das Angebot an Nahrungsmitteln ist, das Kinder und Jugendliche zu Hause kennenlernen, desto breiter ist auch das kulinarische Fundament, auf dem sie stehen, und desto besser sind sie gegen Mängel oder Essstörungen gefeit.
Wer möchte, dass der Nachwuchs freiwillig gesund isst, muss selbst mit gutem Beispiel vorangehen.
Wer möchte, dass der Nachwuchs freiwillig zu Vollkorn, Früchten und Gemüse greift, muss selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Je echter und selbstverständlicher, desto besser, denn Kinder haben feine Antennen für Zwischentöne und doppelte Böden: Wenn der Vater Müesli als «gesund und lecker» preist, es aber selbst nicht isst, wird seine Werbung wenig Erfolg haben. Wenn Kinder ihre Eltern aber mit Vergnügen essen sehen, in der Familie eine undogmatische Vielfalt auf den Tisch kommt und gemeinsam in entspannter Atmosphäre gegessen wird, stehen die Chancen sehr gut, dass sie sich davon eines Tages anstecken lassen und ebenfalls zu Peperoni, Gurke und Birne greifen.

«Das Vorbild der Eltern hat eine starke Wirkung, auf die man sich getrost verlassen kann», sagt Ines Heindl. «Entscheidend ist, dass der ‹soziale Raum des Essens› von allen als etwas Schönes empfunden wird und sich mit positiven Erlebnissen anreichern kann.» Was aber, wenn sich das Töchterchen strikt weigert, Neues zu probieren? Tatsächlich sind Kinder hartgesottene Gewohnheitstiere und haben meist kein Problem damit, jeden Tag dasselbe zu essen. Das heisst aber nicht, dass sich Eltern dem dauerhaft ergeben müssen. Der Geschmack eines Menschen entwickelt sich allmählich und in Schüben: Phasen einseitiger Vorlieben und vermeintlicher Rückschritte sind völlig normal und kein Grund zur Sorge. «Wenn die Eltern kein Problem daraus machen, gelassen weiterhin Unterschiedliches anbieten und das Kind wählen lassen, wird sich sein Spektrum früher oder später wieder erweitern», sagt Ines Heindl.

Dranbleiben und sich nicht verunsichern lassen, lautet also die Zauberformel. Und im Kopf behalten, dass es meist mehrere Anläufe braucht, bis ein unbekanntes Lebensmittel akzeptiert wird, die erste Reaktion also nicht das letzte Wort sein muss. Zwei Wochen später, in neuem Kontext oder anders zubereitet, kann das Urteil schon wieder ganz anders ausfallen.
Haben Sie Vertrauen und bleiben Sie gelassen.
Will man also Kindern beibringen, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren, tut man gut daran, sich in Vertrauen und Gelassenheit zu üben; Haltungen, die ohnehin – für einen selbst – ausgesprochen nützlich und heilsam sind.

Zur Autorin:

Ruth Hoffmann ist freie Journalistin in Hamburg. Sie kocht leidenschaftlich gerne und schreibt seit vielen Jahren über Ernährung. Die Mutter zweier Kinder weiss, wie schwierig Gelassenheit in Esssituationen sein kann.

Buchtipp:

Jesper Juul: Essen kommen. Familientisch – Familienglück.
Beltz Verlag 2017, 224 Seiten, ca. 17 Fr.
Das dänische Urgestein der Familientherapie schreibt, wie wir am Familientisch entspannter essen können. Was tun, wenn das Kind nur Spaghetti essen möchte und Gemüse nonchalant weglässt? Jesper Juul überrascht mit tollen Tipps und erprobten Rezepten aus seiner skandinavischen Heimat.
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Dieser Artikel stammt aus unserem Kindergarten-Spezialheft «Tschüss Chindsgi» 04/19 mit Themen für Lehrpersonen und Eltern von Kindern im zweiten Kindergartenjahr. Eine Einzelausgabe kann hier bestellt werden. 
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