Kindergarten

Kind, iss was Gesundes!

Gemüse, na klar, Obst und Vollkornbrot sowieso, dazu Milchprodukte und Hülsenfrüchte, Schokolade nur ab und zu – wie gesunde Ernährung für Kinder aussieht, wissen wir ganz gut. An Empfehlungen und am herzensguten Willen, sie umzusetzen mangelt es nicht. Woran also haperts? 
Text: Ruth Hoffmann
Bild: Kyla Ewert
Es könnte alles so einfach sein, wäre da nicht dieser kleine Haken: der Sohnemann respektive das Töchterlein. Partout will das Kind Nudeln, am liebsten jeden Tag, Tomaten allenfalls im Ketchup, es kräht nach Pommes, Pizza, Hamburger und schwört, sofort sterben zu müssen, wenn es auch nur in die Nähe von Brokkoli kommt. So uneins Eltern sich auch in vielen anderen Fragen sind, ins grosse Klagelied über das Essverhalten ihres Nachwuchses stimmen alle mit ein.

Das Thema birgt durchaus Konfliktpotenzial und sorgt in vielen Familien regelmässig für Frust auf beiden Seiten: beim Kind, weil es sich unverstanden fühlt, und bei den Eltern, weil ihre Versuche, ihm Gesundes schmackhaft zu machen, nicht fruchten wollen. So wird der Esstisch immer wieder zum Schauplatz grösserer und kleinerer Scharmützel. 
«Kein noch so vorbildliches Ernährungskonzept ist es wert, dass darüber die Freude am Essen verloren geht.»
 Ines Heindl, Professorin für Ernährungswissenschaft und Verbraucherbildung an der Europa-Universität in Flensburg.
Jammerschade ist das, findet Ines Heindl, Professorin für Ernährungswissenschaft und Verbraucherbildung an der Europa-Universität in Flensburg, Deutschland. Denn, so Heindl: Kein noch so vorbildliches Ernährungskonzept sei es wert, dass darüber die Freude am Essen verloren gehe. «Wir starren viel zu sehr auf Ernährungs-Empfehlungen und verlieren dabei den Blick für die Esssituationen selbst. In diesen entscheidet sich aber, ob eine Mahlzeit als Genuss oder als Qual empfunden wird», sagt die Expertin, die sich seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang von Essen und Kommunikation beschäftigt.

Doch eine angespannte Atmosphäre bei Tisch, in der gereizt verhandelt wird, was gegessen werden muss, ist nicht eben förderlich dafür, dass das, was auf dem Teller liegt, mit guten Gefühlen verbunden wird. Wer mit sechs Jahren vor einer Portion Spinat sitzen musste, bis sie aufgegessen war, wird Spinat höchstwahrscheinlich auch als Erwachsener noch meiden. Die Inhaltsstoffe eines Lebensmittels sind Kindern ohnehin egal. Schmecken soll es, das ist die Hauptsache. Und ist das nicht auch ein durch und durch verständlicher Ansatz?

Genuss oder Qual der Wahl?

Mit Appellen ans Gesundheitsbewusstsein kommt man nicht weit – sie funktionieren ja schon bei Erwachsenen nicht sonderlich gut. Denn Essen ist nun mal unendlich viel mehr als Nahrungsaufnahme: Es kann trösten und beruhigen; es verbindet, trennt und schafft Identität. Mal ist es Heimat, mal Fremde, mal eklig, mal köstlich. Es weckt Erinnerungen und Assoziationen, im Guten wie im Bösen. Kurzum: Es ist emotional.
«Die Vorliebe für Süsses ist uns angeboren.»
Von Anfang an ist das so. Schon ein Säugling erlebt das Gestilltwerden als wärmende Zuwendung. Die Entspannung durch die langsam einsetzende Sättigung, die Nähe zur Mutter, ihre Stimme, ihr Herzschlag verschmelzen zu einem Gefühl von Geborgenheit, das sich untrennbar mit der Süsse der Muttermilch verbindet. Die Vorliebe für Süsses ist uns also angeboren, jedes Kind kommt mit ihr auf die Welt, unabhängig vom Kulturkreis, in welchen es hineingeboren wird. Auch in der Ablehnung bitterer Geschmäcker sind sich alle Menschenkinder gleich: ein Schutz der Evolution vor Giftigem.
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