Schwieriger Start im Kindergarten: Nachdenkliches Kind
Kindergarten

Schwieriger Start im Kindergarten?

Jedem sechsten Kind fällt der Eintritt in den Kindergarten schwer. Wenn Kinder Mühe mit Veränderungen im Alltag haben, sprechen Wissenschaftler von einer ­Verhaltenshemmung. Verhaltensgehemmte Kinder benötigen ein sicheres Umfeld, das erlaubt, positive Erfahrungen mit Neuem und Unbekanntem zu machen.
Text: Nadine Messerli-Bürgy und Simone Munsch
Bild: Carla Kogelman
Mona mag keine Veränderungen. Sie braucht lange, um sich an eine neue Situation zu gewöhnen, so auch an den Kindergarten. Neues schreckt sie eher ab. Mona ist keine Ausnahme. Der Kindergartenstart ist für einige Kinder eine grössere Herausforderung als für andere. Vor allem für Kinder, die für gewöhnlich ängstlich oder zurückhaltend auf Neues reagieren.

Man spricht in diesem Zusammenhang von verhaltensgehemmten Kindern. Verhaltenshemmung ist eine Temperamentseigenschaft und damit über die Zeit hinweg relativ stabil. Sie ist bereits im Kleinkindesalter sichtbar und kann auch noch im späteren Schul- und Jugendalter vorhanden sein. Gemäss aktuellem Forschungsstand haben rund 15 bis 20 Prozent der Kinder im Kindergartenalter eine Verhaltenshemmung.

Der Begriff wurde vom US-Psychologen Jerome Kagan geprägt und kann als biologische Einflussgrösse bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Angststörungen eine Rolle spielen. Dabei ist Verhaltenshemmung selbst keine Krankheit, sondern eine Eigenschaft des Kindes, die durchaus positive Auswirkungen hat. So ist es per se kein Nachteil, sich nicht in neue Situationen zu stürzen, ohne sie zunächst aus der Ferne beobachtet und eingeschätzt zu haben.

Vorsichtig, leicht gestresst und oft angespannt

Kinder mit einer ausgeprägten Verhaltenshemmung können Mühe mit Veränderungen im Alltag aufweisen. Sie tendieren dazu, nicht nur vorsichtig mit neuen Situationen umzugehen, sondern Neues regelmässig zu vermeiden. In sozialen Situationen und allgemein in neuen Situationen wirken sie schüchtern und verschlossen. Kinder mit Verhaltenshemmung erleben in neuen und unbekannten Situationen mehr Anspannung und Angst als andere Kinder.
Die Forschung hat gezeigt, dass Kinder mit Verhaltenshemmung in neuen Situationen ­körperlich und emotional gestresster reagieren. Die erhöhte körperliche und emotionale Anspannung ist gekoppelt mit einer erhöhten Aufmerksamkeitsbereitschaft für potenziell bedrohliche Aspekte der Umwelt. Damit sind Kinder mit Verhaltenshemmung vorsichtiger und erwarten eher Gefahren als andere. Sie reagieren weniger spontan und wirken teils bedrückt und gehemmt. Im Kindergarten äussert sich dies häufig im Spiel und in den Interaktionen mit Gleichaltrigen sowie Lehrpersonen.

Weil verhaltensgehemmte Kinder Neues meiden, bleiben positive Erfahrungen mit Unbekanntem aus – die Angst vor Neuem wird nicht abgebaut. Diese Kinder finden weniger Übungsmöglichkeiten, um ihre sozialen, emotionalen und sprachlichen Kompetenzen zu verbessern. Im Kindergarten spielen Kinder mit Verhaltenshemmung häufig alleine und beteiligen sich nur zögerlich oder auf Aufforderung am Spiel oder an den Gesprächen der anderen. Im Schulalter sind sie dadurch weniger sozial integriert.

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