Medien und Informatik im Kindergarten
Kindergarten
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Was sieht der Lehrplan vor?

Der Kompetenzbereich «Medien» des Lehrplans Medien und Informatik umfasst insgesamt vier Kompetenzen:

  1. Die Schülerinnen und Schüler können sich in der physischen Umwelt sowie in medialen und virtuellen Lebensräumen orientieren und sich darin entsprechend den Gesetzen, Regeln und Wertesystemen verhalten.

  2. Sie können Medien und Medienbeiträge entschlüsseln, reflektieren und nutzen.

  3. Sie können Erfahrungen Gedanken, Meinungen und Wissen in Medienbeiträgen umsetzen und unter Einbezug der Gesetze, Regeln und Wertesysteme auch veröffentlichen.

  4. Sie können Medien interaktiv nutzen sowie mit anderen kommunizieren und kooperieren.

Auf Stufe Kindergarten wird nur an den ersten beiden Kompetenzstufen gearbeitet. Erste Stufe: Die Schülerinnen und Schüler können Dinge nach selbstgewählten Eigenschaften ordnen, damit sie ein Objekt mit einer bestimmten Eigenschaft schneller finden (wie Grösse, Farbe, Form und Gewicht). Zweite Stufe: Kindergartenkinder können formale Anleitungen erkennen und ihnen folgen (wie Koch- und Backrezepte, Spiel- und Bastelanleitungen, Tanzchoreografien und Theater).

Weil viele Eltern (noch) nicht  über diese Informationen verfügen und jeder Kanton sowie jede Schule individuell informieren, herrscht Verunsicherung. Diese Irritation hat Eveline Hipeli mit ihren Studierenden der Pädagogischen Hochschule Zürich in verschiedenen nicht-repräsentativen Erhebungen ermittelt. «Wir befinden uns in einer Übergangsphase, bis der neue Lehrplan implementiert ist», sagt Eveline Hipeli. Solche Phasen sind oft von Unsicherheit geprägt, zumal ein gemeinsames Verständnis dessen, was gelernt werden soll, fehlt. Viele Eltern verfügten mangels Informationen über eine Art Halbwissen. Die Untersuchung der PHZ ergab, dass «viele Eltern befürchten, dass ihr Kind im Kindergarten auf einem iPad herumwischen, im Internet surfen oder gar einfach im Freispiel gamen würde», so Hipeli.
Für Kindergartenkinder sind Spass, Unterhaltung und Neugier die Hauptmotive, 
um digitale Medien nutzen.
Auch die eigenen Erfahrungen fliessen in die Befürchtungen ein. «Wir erinnern uns alle an den Informatikunterricht unserer Jugend», sagt Eveline Hipeli. «Das hiess bei vielen Computerraum, Excel und Wordtabellen, der Fokus auf rein oberflächliche Anwenderkompetenzen.» Das sei heute völlig anders. «Im Kindergarten geht es überhaupt nicht nur um Anwenderkompetenz, sondern darum zu zeigen, wie bereits junge Kinder informatisches Denken lernen können, indem sie Dinge ordnen oder eine Anleitung präzise bis zum Ziel verfolgen lernen.»

Das geschieht in erster Linie durch das Spiel. Zum Beispiel das «Roboter-Spiel»: Hier übernimmt ein Kind die Rolle des Roboters, das andere Kind die Rolle des Programmierers. Der Roboter folgt nur ganz exakten Anweisungen: «Gehe geradeaus!», «Laufe drei Schritte!». Die Kinder werden sehr schnell merken, dass es wichtig ist, die Anweisungen so genau wie möglich zu formulieren, damit der Roboter wirklich macht, was man von ihm will. Ein anderes Beispiel ist das Auffädeln von Perlen nach einem Muster (wahlweise auch Legosteine oder Bügelperlen). Kinder lieben es, einander knifflige Aufgaben zu erteilen. Solche Übungen sind nicht nur sinnvoll für die Förderung der Feinmotorik, sondern bieten den Kindern auch die Möglichkeit, einfache wiederkehrende Abfolgen zu erkennen und zu bilden – Dinge, die zum Grundkonzept des Programmierens gehören.
In erster Linie geht es nicht um Anwenderkompetenzen, sondern um informatisches Denken.
Auch eine Fotoarbeit ist als Medienprojekt möglich. So kann man den Kindergarten fotografieren und daraus ein Fotorätsel machen, in welchem die Kinder die auf Ausschnitten gezeigten Details finden müssen. Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit Geräuschen (welches Kind, welches Tier, welches Geräusch hört man?) und wenn ein Kind eine Audioaufnahme vom Klatschen seiner Mitschüler für ein Hörspiel macht.

Ebenso gehört zur Informatikkompetenz, Dinge sortieren zu können. Das kann eine Aufräum­geschichte sein oder aber auch, die Klasse nach Grösse, Haarfarbe, T-Shirts und so weiter zu ordnen und dabei zu diskutieren, wie man beim Ordnen vorgehen kann.

Vieles wird schon heute gespielt

Die Beispiele zeigen, dass viel von dem, was im Rahmen der Lehrplanverordnung vorgeschrieben ist, heute schon praktiziert wird – notabene auch zu Hause. Steckperlen zu einem Bild zusammenzufügen, Legos nach Farben zu sortieren, ein Ausmalbild zusammen mit der Lehrerin zu suchen, ein Znüni nach Rezept zu backen oder sein gemaltes Bild im Kreis zu zeigen als Vorstufe zu einer Präsentation – alle diese Tätigkeiten trainieren jene Basisfähigkeiten, die es auch fürs Programmieren braucht: das Erkennen von Regelmässigkeiten und Mustern, Sortieren, eine Abfolge befolgen usw.

Wenn es der Schuletat erlaubt, sind auch Lernroboter wie Beebots im Kindergarten denkbar. Diese sollen den Kindern die Denkweise des Programmierens auf spielerische Weise näherbringen. In der Regel sind dies programmierbare Bodenroboter, wie wir sie vielleicht privat als Rasenmäher- oder Staubsaug­roboter kennen. Die Bewegungsrichtung sowie die Anzahl der Schritte können mittels Tasten direkt programmiert werden. «Kinder lernen bei der Arbeit mit den Bodenrobotern vorauszudenken, Geschehnisse einzuschätzen, entsprechende Entscheidungen abzuleiten und eigene Problemlöse-­strategien zu entwickeln», meint Eveline Hipeli. Ebenso wichtig sei es für Kinder zu erkennen, dass diese Roboter nicht selbständig denken können, sondern Befehle ausüben, die Menschen ihnen geben
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Bei der Arbeit mit Robotern lernen Kinder, dass diese nicht denken können, sondern nur Befehle ausführen.
Letztlich geht es darum, «unseren Kindern das bestmögliche Rüstzeug mitzugeben für eine digitale Zukunft, von der wir nicht exakt wissen, wie sie aussehen wird», meint Eveline Hipeli. Ebenfalls wichtig: die eigenen Medienerfahrungen zu thematisieren – auch im Kindergarten. Was schaue ich am Fernsehen? Welche Musik oder Hörspiele höre ich? Wie höre ich sie?

Gespräche über Medien sind laut Hipeli zentral, zumal Verbote oder Schutzschilder ab einem gewissen Alter nicht mehr wirkten: «Heute laufen Mediengespräche zwischen Kindern und Eltern normalerweise so ab, dass die Mediennutzungszeit im Vordergrund steht.» Das fördere die Medienkompetenz der Kinder jedoch nur bedingt. So wünschten auch die meisten Eltern Unterstützung in Medienangelegenheiten durch die Schule, sagt Hipeli. Sei es, weil Eltern ihre Kinder vor dem World Wide Web beschützen wollen, sei es, weil sie aus eigener Erfahrung um die Sogwirkung der Geräte wissen. Wenn durch informative Gespräche klar werde, dass der «Medien und Informatik»-Unterricht in der Schule auch als Wegbereitung für eine erfolgreiche Berufslaufbahn diene, entwickelten die Eltern oft Verständnis. Daher muss es das Ziel sein, die Eltern so zu informieren, dass Medienbildung für Kinder nicht nur mit Ängsten, sondern auch mit Chancen besetzt ist.»

Informationen und Arbeitsblätter: blogs.phsg.ch/ict-kompetenzen/

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