Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler: Konzentration und Aufmerksamkeit: Was ist das eigentlich?
Kindergarten
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In hohem Mass vererbte Fähigkeiten

Eine Vielzahl von Studien kann mittlerweile belegen, dass die Fähigkeit zur bewussten Aufmerksamkeitslenkung bzw. Konzentration zu einem hohen Ausmass vererbt wird. Einigen Menschen gelingt es von Natur aus besser, ihren Fokus über längere Zeit auf eine Aufgabe zu richten.
 
Daneben können sich schädliche Einflüsse während der Schwangerschaft (Alkohol, Nikotin, längere Krankheiten, starker Stress usw.), Komplikationen während der Geburt (Frühgeburtlichkeit, Sauerstoffmangel usw.) sowie Krankheiten und Unfälle negativ auf diese Fähigkeiten auswirken.
 
Kinder, die schon früh in ihrer ­Entwicklung mit emotional belastenden Erfahrungen konfrontiert werden, entwickeln häufiger Schwierigkeiten in diesem Bereich. Dazu gehören beispielsweise traumatische Erlebnisse wie Gewalt, eine Fremdplatzierung, der Tod einer nahen Bezugsperson, eine Scheidung mit Kontaktabbruch zu einem Elternteil oder anhaltende Konflikte innerhalb der Familie. Ähnlich gravierend kann sich auch ein anregungsarmes Umfeld auswirken, bei dem das Kind oft sich selbst überlassen wird und wenig Nähe und Zuwendung sowie kaum geistige Anregung zum Beispiel in Form von Gesprächen, Vorlesen, Spielen erhält.

Alter und Reife entscheiden über die Konzentrationsfähigkeit

Da sich die Exekutivfunktionen im Laufe der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein entwickeln, entscheiden Alter und Reife darüber mit, wie gut es Kindern gelingt, ­diese Funktionen zu nutzen.

Momentan gibt es einen Trend in die Richtung, Kinder früher einzuschulen. Vielerorts wurde der Stichtag nach vorne verlegt, ohne den Lehrplan für den Kindergarten entsprechend anzupassen. Für Kinder, die zum Zeitpunkt des Kindergarteneintritts gerade vier Jahre alt sind, ist es oft eine Überforderung, sich in einer Gruppe mit 20 anderen zurechtzufinden, nur eine Ansprechperson zu haben, sich phasenweise selbst zu beschäftigen oder den Abläufen des Kindergartens zu folgen. Natürlich versuchen die Kindergartenlehrpersonen, sich so gut wie möglich auf den Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes einzulassen – viele jüngere Kinder bräuchten jedoch noch einen ähnlichen Betreuungsschlüssel wie in der Krippe.

Wie bedeutsam der Aspekt von Alter und Reife ist, wird auch in mehreren Untersuchungen deutlich. So erhalten beispielsweise Kinder, die zu den jüngsten ihrer Klasse gehören, im Verlauf der Schulzeit deutlich häufiger die Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als die ältesten. In einer Studie aus den USA (Elder, 2010) wurden die Eltern und Lehrpersonen von über 18 00 Kindern über ihre Schulzeit hinweg mehrmals zur Entwicklung der Kinder befragt. Dabei zeigte sich: 8,4 Prozent der Kinder, die verhältnismässig jung eingeschult wurden, erhielten im Laufe der Schulzeit eine ADHS-Diagnose. In der Gruppe der eher spät eingeschulten Kinder waren es 5,1 Prozent. Studien aus dem deutschsprachigen Raum (z. . Wuppermann und Kollegen, 2015) bestätigen diesen Befund.
Kinder, die zu den jüngsten ihrer Klasse gehören, erhalten im Verlauf der Schulzeit deutlich häufiger die Diagnose ADHS als die ältesten.
Wenn die Kindergärtnerin zurückmeldet, dass das Kind sehr langsam, verträumt oder durch­gehend enorm hibbelig und ungestüm erscheint, dass es Schwierigkeiten hat, sich in der Gruppe einzufinden und im Stuhlkreis zuzuhören, sollte man als Eltern aufhorchen. Ebenso, wenn sie Ihnen mitteilt, dass es sich mit feinmotorischen Tätigkeiten wie Basteln, Malen oder Ausschneiden schwertut bzw. diese vermeidet und trotz viel Übung an Alltagsroutinen wie dem Anziehen scheitert. Oft ­liessen sich viele Folgeprobleme in der Schule mit einem dritten Kindergartenjahr verhindern oder abmildern – ganz nach dem afrikanischen Sprichwort: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Stefanie Rietzler und Fabian ­Grolimund haben für verträumte ­Primarschulkinder und deren Eltern das Buch «Lotte, träumst du schon wieder?» geschrieben. Es führt in Form einer spannenden Geschichte ans Thema Konzentration heran. Das Buch erscheint am 14. September.  Stefanie Rietzler, Fabian ­Grolimund: Lotte, träumst du schon wieder?   Hogrefe 2020, ca. 26 Fr.
Stefanie Rietzler und Fabian ­Grolimund haben für verträumte ­Primarschulkinder und deren Eltern das Buch «Lotte, träumst du schon wieder?» geschrieben. Es führt in Form einer spannenden Geschichte ans Thema Konzentration heran. Das Buch erscheint am 14. September.

Stefanie Rietzler, Fabian ­Grolimund: Lotte, träumst du schon wieder? 
 Hogrefe 2020, ca. 26 Fr.

<div><strong>Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund</strong></div><div>sind Psychologen und Buchautoren («Mit Kindern lernen», «Vom Aufschieber zum Lernprofi»). Sie leiten die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Fabian Grolimund&nbsp; ist verheiratet, Vater eines Sohnes, 6, und einer Tochter, 4, er lebt mit seiner Familie in Freiburg. Stefanie Rietzler ist verheiratet und lebt in Zürich. In der Hauptausgabe des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi schreiben die beiden diese Kolumne im Wechsel. Die besten dieser Beiträge finden Sie im Buch «Geborgen, mutig, frei – wie Kinder zu innerer Stärke finden».</div><div><br></div><div><a href="https://www.mit-kindern-lernen.ch/">www.mit-kindern-lernen.ch</a></div><div><a href="http://biber-blog.com/">www.biber-blog.com</a></div>
Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund
sind Psychologen und Buchautoren («Mit Kindern lernen», «Vom Aufschieber zum Lernprofi»). Sie leiten die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Fabian Grolimund  ist verheiratet, Vater eines Sohnes, 6, und einer Tochter, 4, er lebt mit seiner Familie in Freiburg. Stefanie Rietzler ist verheiratet und lebt in Zürich. In der Hauptausgabe des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi schreiben die beiden diese Kolumne im Wechsel. Die besten dieser Beiträge finden Sie im Buch «Geborgen, mutig, frei – wie Kinder zu innerer Stärke finden».


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