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Kindergarten

Die Zukunft Ihres Kindes ist jetzt!

Eltern planen, organisieren, sorgen sich. Völlig unnötig, meint unser Kolumnist Jesper Juul. Viel zentraler sei der wahrhaftige Umgang zwischen uns und unseren Kindern. Wie sollte dieser aussehen?
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Seit Jahrhunderten schon haben Eltern versucht, die Zukunft ihrer Kinder zu planen. Es gab viel, worüber sie sich Sorgen machten. Bis zu einem gewissen Mass waren sie dabei Geiselnehmer der kindlichen Individualität und Zukunft. «Alles, was wir wollen, ist, dass du glücklich bist!», lautete das jahrzehntelange elterliche Mantra. Im 21. Jahrhundert gewannen die sozialen Ambitionen der Eltern beträchtlich an Bedeutung. Und zwar so stark, dass es an der Zeit ist, sich einige grundlegende und ethische Fragen zu stellen. Wie: Welche Rolle spielen Kinder im Leben ihrer Eltern – und deren eigenem?

Wollen Sie einfach, dass Ihr Kind glücklich ist? Denken Sie oft über die Ausbildung und die Karriere Ihres Kindes nach? Was sind Ihre grössten Sorgen? Welche Träume gibt es für die Zukunft Ihres Kindes – und inwieweit beeinflussen Ihre Träume Ihr Kind? Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihr Kind zu einem gesunden und kompetenten Menschen heranwächst?

Wenn das Kind zum Egoprojekt wird

Wir müssen uns daran erinnern, dass Kinder zu bekommen ein sehr egoistisches Projekt ist. Wir bekommen Kinder nicht der Kinder wegen, sondern in der Hoffnung, dass sie unser Leben bereichern werden. Sobald ein Kind geboren ist, sinkt unsere Selbstsucht und steigt das Interesse an der Sorge um das Kind. Als Eltern schwankt man oft zwischen zwei Extremen: «Du bist mein Kind und ich entscheide!» und «Mein Kind ist mein Leben!». Zwischen diesen beiden Polen gibt es Eltern mit einer ausgewogenen Einstellung.

Doch unabhängig davon, wie ein Kind geboren wird und welche Träume und Ängste Eltern beschäftigen, gibt es unzählige Dinge, die Familien richtig machen können – und noch mehr, die falsch verstanden werden können.
Selbstkompetenz ist der beste Schutz für Kinder – weit effektiver als Strafen, Regeln oder Grenzen setzen.
Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder im Alter von 20 Jahren physisch gesund sind und über gute psychosoziale Kompetenzen verfügen, damit sie fähig sind, mit sich selbst und anderen zurechtzukommen. Dieses Ziel gilt für alle Kinder, egal unter welchen Umständen und in welches Umfeld sie geboren werden. Ein selbstkompetentes Wesen zu sein, ist die Voraussetzung fürs Lernen, sowohl in der Schule als auch vom Leben selbst. Es ist der optimale Schutz gegen jegliche Art von Gefahr oder Risiken, welche die Zukunft bringen könnte.

Es ist ausserdem das Beste, um Abhängig­keiten, Missbrauch, Gewalt, Essstörungen und vieles mehr zu verhindern. Und es ist weitaus effektiver als Grenzen zu setzen, Regeln auf­ zustellen, zu strafen, moralisch aufzurüsten oder alles andere, was wir gemeinhin als Präventions­massnahmen erachten.

Trotzdem sind wir noch weit von diesem Ziel entfernt. In vielerlei Hinsicht geht es Erwachsenen und Kindern heute besser als je zuvor. Wenn wir allerdings unsere psychi­sche und soziale Gesundheit be­trachten, sieht es anders aus.

Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Missbrauch und Abhängigkeit nehmen zu, ebenso die Zahl Kinder und Jugendlicher in psychologischer Behandlung. Der Verbrauch an Medikamenten ist erschreckend hoch. Der Traum einer Wohlstandsgesellschaft, die Sorge zu unserer Gesundheit und Lebensqualität trägt, hat sich also in einen Albtraum verwandelt. Die einzige brauchbare Lösung ist des­halb: persönliche Verantwortung.

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