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Kindergarten
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Verschieben Sie die Aussprache!

Kinder nehmen keinen Schaden, wenn ihre Eltern unterschiedlich denken und handeln. Ganz im Gegenteil ist es ein grosser Vorteil, zwei unterschiedliche Elternteile zu haben. Es wird nur dann zu einem Problem für die Kinder, wenn sie die ganze Zeit erleben, dass sie die Ursache für die Streitereien am Tisch sind. Folgende Faustregeln können nützlich sein, um eine dauerhaft getrübte Stimmung bei den Mahlzeiten zu vermeiden:

  • Taucht ein Konflikt auf, der nach Wissen der Eltern erfahrungsgemäss zu einem länger andauernden Streit führen kann, ist es das Klügste, man verschiebt die Aussprache auf einen späteren Zeitpunkt.
  • Wenn sich die Eltern sicher sind, dass der Konflikt sich mit allgemeinen Verhandlungen lösen lässt, spricht nichts dagegen, die Zeit am Tisch auch für die Lösung des Problems zu nutzen. Kinder mögen Konflikte zwischen den Eltern nicht, aber es gehört zum Leben dazu.
  • Bei der Diskussion muss es um die unterschiedlichen Standpunkte oder Umsetzungen in die Praxis durch die Eltern gehen, nicht darum, was am Kind falsch oder richtig ist.
  • Erweist es sich als unmöglich, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu einer Lösung oder einem Kompromiss zu finden, tut man gut daran, die «Macht» dem Elternteil zu übergeben, der am wenigsten unbeholfen und restriktiv ist, bis beide Seiten eine dauerhafte Lösung gefunden haben.
  • Beziehen Sie die Ansichten Ihres Kindes mit ein. Die Diskussionen der Erwachsenen fallen oft intelligenter aus, wenn ein Kind mitreden darf.
  • Handelt es sich um einen Konflikt zwischen einem Elternteil und dem Kind, tut man gut daran, dass sich der andere Erwachsene entweder aus der Sache heraushält oder versucht, den beiden anderen bei der Suche nach einer Lösung zu helfen. Nie ist es konstruktiv, sich mit einer der beiden Seiten zu verbinden.
  • Eltern quälen sich oft mit dem Anspruch, auf alles eine Antwort und für alle Konflikte eine Lösung zu finden. Das kann erstens niemand leisten und zweitens ist es langfristig viel besser für die Entwicklung des Kindes und das Zusammenspiel der Familie, wenn die Eltern zu ihrer Unsicherheit und ihren Meinungsverschiedenheiten stehen.

Zum Autor:

Jesper Juul ist Familientherapeut und Autor zahlreicher internationaler Bestseller zum Thema Erziehung und Familien. 1948 in Dänemark geboren, fuhr er nach dem Schulabschluss zur See, war später Betonarbeiter, Tellerwäscher und Barkeeper. Nach der Lehrerausbildung arbeitete er als Heimerzieher und Sozialarbeiter und bildete sich in den Niederlanden und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. Seit 2012 leidet Juul an einer Entzündung der Rückenmarksflüssigkeit und sitzt im Rollstuhl. Jesper Juul hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und ist in zweiter Ehe geschieden.

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