Wie Familie gelingt: Wurzeln und Flügel
Familienleben

Serie: Wie Familie gelingt – Teil 9

Wurzeln und Flügel: Wie Kinder ihren Weg im Leben finden

Damit Kinder selbstbestimmt ihren Weg im Leben finden, müssen sie Selbstvertrauen entwickeln und sich als selbstwirksam erleben. Ob ihnen das gelingt, hängt massgeblich vom Verhalten ihrer Eltern ab.
Text: Annette Cina
Bild: Kate Parker
Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern be­­kommen, soll Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt haben. Wurzeln, solange sie klein sind, und Flügel, wenn sie grösser werden. Doch wie finden Eltern die richtige Balance zwischen behüten und loslassen?

Je mehr Selbstvertrauen und damit einhergehend ein positives Selbstwertgefühl die Kinder und Jugendlichen haben, desto erfolgreicher und besser können sie mit anderen Menschen, Problemen und dem Leben an sich umgehen. Dabei ist das Vertrauen in sich selbst, in das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten entscheidend.

Die Grundlage für dieses Selbstvertrauen wird schon in der Kindheit gelegt. Eltern spielen hierbei eine grosse Rolle: Kleinere Kinder holen sich die Sicherheit bei ihren Eltern. Sind Mütter und Väter beispielsweise selbst ängstlich und trauen ihren Kindern wenig zu, reagieren die Kinder häufig ähnlich. Bestärken Eltern ihre Kinder hingegen darin, Dinge auszuprobieren und zu wagen, werden sich diese mehr zutrauen. In den Schuljahren und der Pubertät spielen Kollegen und Freunde diesbezüglich eine zunehmend wichtige Rolle.
Wenn Eltern erkennen, was ihr Kind braucht, entwickelt es mehr Mut und Lust am ­Erkunden und Ausprobieren.
Wenn Eltern ihr Kind feinfühlig wahrnehmen, erkennen, wo es steht, was es braucht, um selbständig etwas zu versuchen, und es in diesem Bestreben unterstützen, entwickelt es mehr Mut und Lust am Erkunden und Ausprobieren. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass jedes Kind anders ist: Manche Buben und Mädchen sind sehr mutig, andere etwas zögerlicher und besonnener. Jedes Kind braucht etwas anderes, damit es sich auf den Weg in die Welt wagen kann. Aber jedes Kind, ob jung oder schon älter, braucht das Vertrauen und die Gewissheit, dass es am Ende nicht alleine dasteht, sondern jemanden an seiner Seite hat, der zu ihm steht und weiss, wie es sich fühlt – egal, was es getan hat, und ob ihm etwas gelungen ist oder nicht. 

Das Gefühl, etwas bewirken zu können

Damit ein Kind mutig und selbstbewusst sein kann, muss es lernen, dass es etwas beeinflussen und bewirken kann. So wird es sich auch leichter etwas zutrauen. Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung, aufgrund der eigenen Fähigkeiten ein bestimmtes Ziel erreichen zu können. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit ist einer der bedeutsamsten Schutzfaktoren im Leben. Dieses starke Gefühl hilft, auch schwierige Situationen ohne grossen Schaden meistern zu können, vor allem durch die Art, wie Probleme angegangen werden. Menschen, die von sich aus glauben, Einfluss zu haben, agieren viel aktiver. Sie haben die Erwartung, dass sie das gewünschte Ergebnis erreichen können.
Wie Familie gelingt Die Familie ist ein System aus Menschen mit besonderen Rollen, Normen und Anforderungen. In ihr suchen wir Liebe und Abgrenzung, Nähe und Distanz, sie gibt und nimmt Kraft. Wie beeinflusst das Familienleben die Entwicklung ihrer Mitglieder? Welche  gesellschaftlichen ­Rahmenbedingungen prägen das Familienleben und wie bestimmen institutionelle Strukturen das Leben in Familien mit? Diesen Fragen gehen wir in einer zehnteiligen Serie nach. Die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für  Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg unter der Leitung von Dr. Gisela Kilde und Dr. Annette Cina.
Wie Familie gelingt
Die Familie ist ein System aus Menschen mit besonderen Rollen, Normen und Anforderungen. In ihr suchen wir Liebe und Abgrenzung, Nähe und Distanz, sie gibt und nimmt Kraft. Wie beeinflusst das Familienleben die Entwicklung ihrer Mitglieder? Welche
gesellschaftlichen ­Rahmenbedingungen prägen das Familienleben und wie bestimmen institutionelle Strukturen das Leben in Familien mit? Diesen Fragen gehen wir in einer zehnteiligen Serie nach. Die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg unter der Leitung von Dr. Gisela Kilde und Dr. Annette Cina.
In der Regel möchten Eltern ihre Kinder vor Schmerz bewahren und schützen. Gegen dieses Anliegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ist ein Kind von einer Situation überfordert, braucht es Unterstützung. Es jedoch übermässig vor schwierigen Erfahrungen zu schützen, gibt ihm das Gefühl, dass es dies selbst nicht kann, dass es unfähig ist, damit umzugehen. Stattdessen brauche es ständig jemanden, der ihm recht gibt, für es kämpft und es bestärkt. Damit wird ein Kind schwach und hilflos.
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Selbständigkeit hat viel damit zu tun, dass man sich etwas 
 zutraut und wagt, eine Aufgabe anzugehen.
Selbständigkeit hat jedoch viel damit zu tun, dass man sich etwas zutraut und wagt, eine Aufgabe anzugehen. Scheitern wir in diesem Versuch, macht uns diese Erfahrung stark und bringt uns weiter. Insbesondere dann, wenn jemand an unserer Seite steht, der uns hilft, mit diesen schwierigen Erfahrungen umzugehen. Damit die Balance ­zwischen Sicherheit geben und Loslassen gelingt, sollten Eltern ihr Augenmerk besonders auf die folgenden Punkte richten:

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