Wie Familie gelingt: Wie gelingt Familie nach einer Trennung?
Familienleben

Serie: Wie Familie gelingt – Teil 10

Wie gelingt Familie nach einer Trennung?

Wenn sich Eltern scheiden lassen, stellen sich viele Fragen. In der Praxis haben sich Beratungsmodelle und Mediation als hilfreiche Instrumente erwiesen.
Text: Gisela Kilde
Bild: Westend61 / Getty Images
Einer Trennung der Eltern folgt in der Regel die Auflösung des gemeinsamen Haushalts. Das vorher selbstverständliche Zusammenleben zwischen den Eltern und den Kindern wird nun geregelt, geplant und organisiert. Möglicherweise sind weiterhin gleichberechtigte Betreuungsanteile möglich, weil die Eltern sich in Fragen der Kindererziehung gut verstehen, beide ihre Kinder betreuen wollen und dies auch können, die Kinder eine solche Lösung unterstützen und die Distanz zwischen den Wohnorten sich nicht wesentlich vergrössert hat.
Die alternierende Obhut oder hohe Betreuungsanteile für beide sind immer öfters anzutreffen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Gerichte seit 2017 angehalten sind, die alternierende Obhut zu prüfen, wenn ein Elternteil oder ein Kind dies verlangt.

Allerdings können nicht alle Familien die oben erwähnten Voraussetzungen erfüllen. Manchen Eltern fällt es schwer, Paar- und Elternebene zu trennen. Entsprechend sind Konflikte vor den Kindern kaum zu verbergen, gemeinsame Lösungen in Erziehungsfragen zu erarbeiten, ist fast nicht möglich. Die Eltern verdrängen, dass die Kinder sich nicht vom anderen Elternteil trennen wollten, sondern das Paar dies so entschieden hat.
Manchen Eltern fällt es schwer, Paar- und Elternebene zu ­trennen. Gemeinsame ­Lösungen in Erziehungsfragen sind dann fast nicht möglich.
In der Regel lieben Kinder beide Eltern nach wie vor und sie sind über das Auseinanderbrechen der Familie traurig. In solchen Situationen kann es für die Eltern hilfreich sein, sich darauf zu besinnen, welche Bedeutung der andere Elternteil für das Kind «in den guten Zeiten» hatte. Beide haben ihre Elternrolle unterschiedlich ausgefüllt:

Der Papa ist vielleicht der­jenige, mit dem das Kind über den Fussball fachsimpelt, aber die Mama gibt gute Tipps für das Lernen auf eine Prüfung – oder umgekehrt. Der Papa ist eine zuverlässige Begleitung an die Sportturniere, die Mama erzählt spannende Gute-Nacht-Geschichten. Jeder Elternteil hat unterschiedliche Aufgaben und Funktionen übernommen, die für das Kind von Bedeutung sind.
Wie Familie gelingt Die Familie ist ein System aus Menschen mit besonderen Rollen, Normen und Anforderungen. In ihr suchen wir Liebe und Abgrenzung, Nähe und Distanz, sie gibt und nimmt Kraft. Wie beeinflusst das Familienleben die Entwicklung ihrer Mitglieder? Welche gesellschaftlichen ­Rahmenbedingungen prägen das Familienleben und wie bestimmen institutionelle Strukturen das Leben in Familien mit? Diesen Fragen gehen wir in einer zehnteiligen Serie nach. Die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg unter der Leitung von Dr. Gisela Kilde und Dr. Annette Cina.
Wie Familie gelingt
Die Familie ist ein System aus Menschen mit besonderen Rollen, Normen und Anforderungen. In ihr suchen wir Liebe und Abgrenzung, Nähe und Distanz, sie gibt und nimmt Kraft. Wie beeinflusst das Familienleben die Entwicklung ihrer Mitglieder? Welche gesellschaftlichen ­Rahmenbedingungen prägen das Familienleben und wie bestimmen institutionelle Strukturen das Leben in Familien mit? Diesen Fragen gehen wir in einer zehnteiligen Serie nach. Die Texte entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg unter der Leitung von Dr. Gisela Kilde und Dr. Annette Cina.
Kann nach einer Trennung ein Teil dieser Aufgabenteilung weitergeführt werden, hilft das dem Kind, die Trennung besser zu verarbeiten. Denkbar ist daher, dass der Papa weiterhin für die Sportturniere zuständig bleibt und die Fussballspiele des örtlichen Fussballvereins ein fixer Termin für beide darstellen.

Zu bedenken bleibt gleichwohl: Ein gegenseitiges Überbieten an Aktivitäten kann das Kind auch überfordern. Eine gute Elternbeziehung zum Kind ist nicht so sehr davon abhängig, wie sensationell das gemeinsame Erlebnis war, sondern entsteht dann, wenn das Kind von den Eltern ein gewisses Engagement und Einfühlungsvermögen spürt. Dies heisst auch, dass die Eltern für das Kind verfügbar und ansprechbar sind – nicht in jeder Minute, aber verlässlich zu gewissen Zeiten. Darum ist ein regelmässiger Austausch, sei dies persönlich oder über Kommunikationskanäle, wichtig für das Kind.

Beide Elternteile sollten dem Austauschbedürfnis des Kindes mit dem anderen Elternteil entgegenkommen, auch ausserhalb der vorgesehenen Besuchsrechtsregelung. Auch eine minimale Wertschätzung und Höflichkeit zwischen den Eltern sollte, zumindest vor dem Kind, gewahrt werden. Zu unterlassen sind auch nonverbale Zeichen wie Augen verdrehen oder seufzen, wenn das Kind über seine Erlebnisse beim jeweils anderen Elternteil erzählt. Vor allem zu Beginn der Trennungssituation ist ein solches Verhalten nicht einfach – aber eine Übungs­sache, die mit der Zeit immer besser gelingen kann. Hilfreich ist auch, sich an eine Beratungsstelle oder eine Mediationsstelle zu wenden, um in Eigenverantwortung Antworten auf wiederkehrende Konflikte zu finden.

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