Wie Familie gelingt: Sorgerecht der Eltern
Familienleben
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Wird das Gericht den Umzug der Kinder genehmigen?

Das Gericht oder die KESB stimmen einem Umzug immer dann zu, wenn es dem Wohl des Kindes besser dient, mit dem Elternteil wegzuziehen statt beim anderen Eltern­teil im bisherigen Umfeld zu bleiben. Ausgangspunkt bildet dabei stets das bisherige Betreuungsmodell.

Wird ein Kind im Alltag mehrheitlich von einem Elternteil betreut, was heute immer noch dem Standard ent­spricht, geht das Bundesgericht übli­cherweise davon aus, dass es dem Wohl des Kindes entspricht, weiter­hin mit seinem hauptbetreuenden Elternteil zusammenzuleben. Das gilt insbesondere für jüngere Kinder, da ihre Betreuung und Erziehung möglichst konstant sein sollten.

Je älter die Kinder sind, desto eher kann der Verbleib am bisherigen Wohnort dem Kindeswohl entspre­chen, weil Schule und Freundeskreis mit zunehmendem Alter wichtiger werden.

Vorausgesetzt ist jedoch auch bei älteren Kindern, dass diese Wahl­möglichkeit überhaupt besteht. Das heisst, der andere Elternteil muss fähig und gewillt sein, für eine angemessene Betreuung des Kindes zu sorgen. Das ist häufig nicht der Fall, wenn die Betreuung bisher von einem Elternteil alleine besorgt wur­de, während der andere Elternteil das Kind nur jedes zweite Wochen­ende zu sich genommen hat.
Verhindert werden kann nur der Umzug des Kindes.
Die Verweigerung der Zustim­mung ist sinnlos, wenn man gleich­zeitig nicht bereit ist, sich selbst um das Kind zu kümmern – verhindert werden kann nämlich nur der Umzug des Kindes, nicht jener des anderen Elternteils. Die Zustim­mungsbedürftigkeit des Umzugs bezieht sich einzig und allein auf den Umzug der Kinder; es gibt kein «Umzugsverbot» für betreuende Elternteile.

Die Ausgangslage von Jacqueline und Matthias ist gewissermassen neutral. Sie haben sich die Betreuung bisher hälftig geteilt und sind auch in Zukunft beide bereit, die Betreu­ung der Kinder zu übernehmen.

Wo ist das Kind besser aufgehoben?

Dem Gericht stellt sich nun die schwierige Frage, ob ein Kind besser mit dem einen Elternteil wegziehen oder mit dem anderen Elternteil am bisherigen Wohnort bleiben sollte. In solchen Fällen versucht ein Gericht anhand unterschiedlicher Kriterien festzustellen, bei welchem Elternteil das Kindeswohl besser gewahrt ist.

Es schaut sich dafür alle Facetten eines konkreten Falls an, da es für Kinder einen Unterschied macht, ob sie beispielsweise die Sprache am neuen Wohnort bereits beherrschen und entsprechend pro­blemlos die Schule besuchen können oder nicht, ob sie einen Teil ihres Umfelds am neuen Wohnort bereits kennen oder ihnen alles völ­lig fremd sein wird. Oder ob die Kinder in ein wirtschaftlich gesi­chertes Umfeld ziehen oder ihre Verhältnisse in Zukunft weniger stabil sein werden.

Ebenfalls rele­vant ist, welcher Elternteil die Mög­lichkeit hat, die Kinder persönlich zu betreuen, und wie ausgeprägt die Fähigkeit eines Elternteils ist, den persönlichen Kontakt des Kindes mit dem anderen Elternteil zu för­dern. Die Motive des Elternteils, der umziehen möchte, spielen vor Gericht keine grosse Rolle. Liegen jedoch keine plausiblen Gründe für einen Umzug vor und scheint es, als wolle der Elternteil nur umziehen, um die Kinder vom anderen Teil zu entfremden, spricht dies eher für den Verbleib des Kindes am bishe­rigen Wohnort.
Die Kinder sollen beim Vater in Bern bleiben.
Im Fall von Jacqueline und Mat­thias hat das Gericht entschieden, dass die Kinder im Fall eines Umzugs von Jacqueline nach Lausanne beim Vater in Bern bleiben sollen. Einerseits, weil dies dem klaren Wunsch von Tim und Jonas entsprochen hat. Andererseits, weil die Kinder in Lausanne insbesonde­re von den Grosseltern betreut wor­den wären, da der neue Job von Jacqueline mit viel Reisetätigkeit verbunden ist, während Matthias sich in Bern dank flexibler Arbeits­zeiten selbst um die Kinder küm­mern kann.
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Sorgerecht der Eltern: das Wichtigste in Kürze

  •  Die elterliche Sorge ist das Recht und die Pflicht, für sein Kind zu entscheiden, wo es das noch nicht selbst tun kann; Teil davon ist das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen.

  • Möchte ein Elternteil mit dem Kind umziehen, braucht er die Zustimmung des anderen Elternteils, wenn der neue Wohnort im Ausland liegt oder wenn der Umzug einen erheblichen Einfluss auf die Ausübung der elterlichen Sorge und den Kontakt des anderen Elternteils zu den Kindern hat.

  • Verweigert der andere Elternteil die Zustimmung, kann sich der umzugswillige Elternteil an das zuständige Gericht oder die Kindesschutzbehörde wenden, um eine Neuregelung der Obhut und des Besuchs- und Ferienrechts zu erwirken.

  • Der Umzug mit dem Elternteil entspricht vermutungsweise dem Kindeswohl, wenn die umzugswillige Person bisher für die Betreuung zuständig war und der andere Elternteil lediglich zwei Mal im Monat ein Besuchsrecht am Wochenende wahrgenommen hat.

Zur Autorin:

Die Serie «Wie Familie gelingt»in der Übersicht:

<div><strong>Lena Rutishauser </strong>ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Familienforschung und -beratung an der Universität Fribourg.</div>
Lena Rutishauser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Familienforschung und -beratung an der Universität Fribourg.
TEIL 1 Beziehung Eltern – Kind
TEIL 2 Eltern sein – Paar bleiben
TEIL 3 Vater, Mutter, Eltern sein
TEIL 4 Sorgerecht der Eltern
TEIL 5 Geschwister – die längste Beziehung des Lebens
TEIL 6 Adoption
TEIL 7 Staat und Familie
TEIL 8 Familienmodelle
TEIL 9 Wurzeln und Flügel
TEIL 10 Kontaktrecht

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