Wie Familie gelingt – die Serie. Teil 5
Familienleben
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Diese 4 Tipps helfen Eltern, die Geschwisterbeziehung zu stärken

1. Tipp: Gerechtigkeit ausüben

Für viele Eltern ist es eine grosse Herausforderung, mehreren Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Gleichberechtigung heisst jedoch nicht unbedingt, dass jedes Kind dasselbe erhält. Gerecht heisst in diesem Sinn, dass auf jedes Kind individuell eingegangen wird, mit Rücksicht darauf, wie es ihm geht, was es kann oder noch lernen muss. Je nach Alter, Temperament und auch Verfassung brauchen Kinder unterschiedliche elterliche Zuwendung und Erziehung.

Wenn den Kindern erklärt wird, warum man mit einem Kind vielleicht in gewissen Situationen anders umgeht als mit dem anderen, können dies Kinder meist gut verstehen. Wird eines der Kinder generell bevorzugt, ist Eifersucht bei dem Geschwisterkind zwangsläufig und verständlich.

2. Tipp: Den Grund für Streit verstehen

Wenn ständig gestritten wird, lohnt es sich, genau hinzuschauen, in welchen Situationen die Kinder streiten, worüber sie streiten und wie der Streit endet. Nicht alles, was Kinder tun, geschieht aus Eifersucht. Vielleicht ist das Kind auch nur gelangweilt. Was bietet sich hier besser an, als das Geschwister zu plagen und zu ärgern? 

Vielleicht aber fehlen den Kindern in der Tat Strategien, wie sie miteinander auskommen und einen Weg finden können. Streit ist ein Ausdruck von Unwohlsein, von etwas ändern wollen und nicht wissen, wie. Mitunter sind Kinder in Konfliktsituationen regelrecht verzweifelt und überfordert. Hier brauchen die Kinder die Unterstützung der Erwachsenen.
Jedes Kind sollte die Gelegenheit erhalten, zu sagen, wie es ihm geht und was ihm helfen würde, friedlich mit dem anderen weiterzuspielen.
Jedes Kind sollte die Gelegenheit erhalten, zu sagen, wie es ihm geht und was ihm helfen würde, friedlich mit dem anderen weiterzuspielen.

3. Tipp: Was braucht das Kind?

Versuchen Sie zu verstehen, worüber die Kinder streiten und womit sie nicht umgehen können. Unterstützen Sie die Kinder, einander zuzuhören, um ein gewisses Verständnis füreinander zu entwickeln. Bei jüngeren Kindern müssen die Eltern erklären, warum das Kleinkind beispielsweise schreit. Vielleicht aus Hunger, Angst, Müdigkeit oder Ärger? Was braucht es, was können wir tun, damit es aufhört? Damit kann das ältere Geschwister das Verhalten des jüngeren einordnen und erhält Strategien, wie es mit seinem jüngeren Geschwisterchen umgehen und es vielleicht sogar unterstützen kann.

Bei älteren Kindern, die sich immer wieder in die Haare kriegen, sollte jedes Kind die Gelegenheit erhalten, zu sagen, wie es ihm geht und was ihm helfen würde, friedlich mit dem anderen weiterzuspielen. Statt frühzeitig den Schiedsrichter zu spielen und zum Zentrum des Streits zu werden, sollten Eltern die Gelegenheit nutzen, um den Kindern zu vermitteln, wie sie den Streit gemeinsam beenden können. Wenn verstanden wird, warum der andere wütend wurde und was dieser eigent­lich möchte, können Kompromisse gefunden werden – insofern die Bedürfnisse beider Parteien Platz haben.

Jeder sollte daher die Möglichkeit erhalten, zu sagen, wie er sich fühlt. Was ist passiert? Was hat das mit dir gemacht? Und was können wir jetzt tun, um friedlich weiterzumachen? Unterstützung ist dort notwendig, wo die Kinder selber nicht weiter­ kommen.

4. Tipp: Grenzen setzen

Klare Regeln, wie man in der Fami­lie miteinander umgeht, können das Familienleben zusätzlich entlasten. Klare Regeln helfen, dass jedem ver­ständlich ist, was verlangt wird und wie man sich verhalten muss. Ver­haltensweisen, die im Streit nicht toleriert werden, wie Schlagen, Tre­ten, Beissen, das Zerstören von Din­gen, müssen unterbunden werden, damit das unterlegene Kind nicht immer wieder die Erfahrung machen muss, dass es seinem stärkeren Geschwister ausgeliefert ist

Aber auch diese Verhaltensweisen machen eigentlich deutlich, dass die Kinder nicht wissen, wie sie auf eine andere Art und Weise zu dem kommen kön­nen, was sie brauchen und möchten. Was wiederum bedeutet, dass sie lernen und hierbei unterstützt wer­den müssen, wie sie Streit mit ande­ren Mitteln als mit Gewalt und Abwertung regeln können.
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Manchmal reicht schon etwas Verständnis, um die Situation zu entspannen.
Unsere Reaktion auf die Streitig­keiten zwischen den Geschwistern beeinflusst massgeblich die Entwicklung ihrer Konfliktlösungs­fähigkeit. Seien wir uns bewusst: Wenn Streit herrscht, sind eigentlich alle Beteiligten in Not. Daher brau­chen auch alle etwas Trost und Ver­ständnis. Manchmal reicht schon dieses Verständnis, um die Situation zu entspannen und die Kinder anzu­regen, selbst einen Weg vorzuschlagen, wie sie miteinander Frieden schliessen können.

Wenn Kinder es schaffen, mit­ einander auszukommen und trotz all der Unterschiede eine tiefe Geschwisterbeziehung aufzubauen, werden sie soziale Kompetenzen erlernen, die ihnen auch im späteren Leben hilfreich sein werden. Und sie werden ihr Leben lang diese besondere Beziehung zwischen Geschwis­tern erleben können: das Gefühl von Zusammengehörigkeit, nicht alleine zu sein und jemanden an seiner Seite zu wissen, wenn es drauf ankommt.

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