Familienleben
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3. Sich füreinander Zeit nehmen
 
Beziehungen können nicht wachsen und sich verändern, wenn sie zwischen Tür und Angel gepflegt werden. Austausch und Selbstöffnung brauchen Zeit und Vertrauen. Rituale wie z. B. gemeinsame Essenszeiten, Morgen- oder Abendrituale geben die Möglichkeit, Gemeinsamkeit zu spüren und miteinander zu sprechen. Auch gemeinsame Unternehmungen (als Familie oder mit dem einzelnen Kind) ermöglichen neue Erlebnisse, das gegenseitige Kennenlernen und die Erfahrung, dass trotz unterschiedlichen Gefühlen und Stimmungen die Grundbeziehung nicht tangiert wird. Daher gilt es, immer wieder nach Möglichkeiten zu suchen, die Gelegenheit für ein Gespräch bieten. Das kann auch mal das gemeinsame Anschauen einer Sendung sein, für die sich das Kind interessiert.
2. Zuneigung zeigen
 
Kinder brauchen immer wieder das Gefühl, dass man sie liebt. Dabei reicht es nicht aus, ihnen dies zu sagen – sie müssen es auch spüren. Im Kleinkindalter fällt dies vielen Eltern einfach: Die Kinder werden bei Stress und Unwohlsein aufgenommen, beruhigt, umarmt und geküsst. Dies verändert sich im Laufe der Zeit, das Ausdrücken von Zuneigung nimmt oftmals ab. Aber auch Jugendliche brauchen, dass ihnen gezeigt wird, dass man sie wirklich gerne hat. Die Richtlinie ist: Es muss für beide Seiten stimmen. Wenn es beispielsweise ein Jugendlicher nicht mehr mag, dass er vor seinen Kollegen umarmt wird, ist allenfalls ein herzliches Schulterklopfen zu einem anderen Zeitpunkt eine Alternative. Eltern dürfen sehr kreativ und herzlich sein. Aber auch hier gilt zu beachten, dass das Ausdrücken von Liebe und Zuneigung sowie das Annehmen dieser Gefühle gelernt werden muss. Und wo, wenn nicht in der Familie?
4. Sich Sorge tragen
 
Es kann keine vertrauensvolle Beziehung entstehen, wenn Eltern sich selbst nicht Sorge tragen. Stress, Probleme oder andauernde Konflikte beeinflussen unsere Stimmung und unsere Möglichkeiten, auf unsere Kinder einzugehen. Daher ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu spüren und diese nicht andauernd zu überschreiten. Ebenso wichtig sind Offenheit und Ehrlichkeit bezüglich der eigenen Gefühle und des eigenen Befindens. Kinder können mit den Gefühlen der Eltern besser umgehen, wenn sie diese verstehen und einordnen können. 

Daher ist es ratsam, Kindern zu erklären, warum man vielleicht etwas gereizter reagiert als sonst – aber auch darauf hinzuweisen, dass dies wieder vorbeigeht und man dann wieder mehr Zeit hat. Es ist normal und gehört zum Leben, dass in Familien nicht immer alles rundläuft. Wichtig ist, in all diesen Turbulenzen das Miteinander nicht zu vergessen. Hinweise, dass eine Beziehung zwischen Eltern und Kindern gut ist, gibt es viele: Wenn die Kinder auf die Eltern zukommen, ihnen verschiedene Gefühle zeigen, ihnen von ihrem Alltag erzählen, sich öffnen, um Rat fragen, dann sind dies Vertrauensbeweise. Und damit können Eltern die wichtige Aufgabe erfüllen, ihre Kinder zu begleiten in all den Schwierigkeiten, die da kommen. Denn Beziehung gibt Zutrauen, Vertrauen und Sicherheit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es lohnt sich, in eine liebevolle Beziehung zu investieren. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren für die gesunde Entwicklung des Kindes.

  • Für Erziehung braucht es Beziehung. Erziehung kann nur auf der Basis von Beziehung und Zutrauen gelingen. 

  • Beziehung kann nur gelingen, wenn die Eltern sich selbst auch Sorge tragen und auf sich achten. 

  • Für eine gute Beziehung braucht es Zeit, Interesse, Erlebnisse, Austausch, das Zeigen von Gefühlen wie auch Ehrlichkeit.
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Zur Autorin

Dr. phil. Annette Cina ist Psychologin und Psycho-therapeutin. Sie arbeitet am Institut für Familienforschung und -beratung als Koordinatorin und Oberassistentin und ist in eigener Praxis als Psychotherapeutin tätig. Die 48-Jährige ist verheiratet und Mutter eines Sohnes und zweier
Töchter. Sie lebt mit ihrer Familie in Fribourg.

Die Serie in der Übersicht:

TEIL 1 Beziehung Eltern – Kind
TEIL 3 Vater, Mutter, Eltern sein
TEIL 4 Sorgerecht der Eltern
TEIL 5 Geschwister – die längste Beziehung des Lebens
TEIL 6 Adoption
TEIL 7 Staat und Familie
TEIL 8 Familienmodelle
TEIL 9 Wurzeln und Flügel
TEIL 10 Kontaktrecht

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