Familienleben
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Wen mag ich? Und warum?

Die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern ist ein sehr facettenreiches und komplexes Geschehen, das durch die unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst wird. Wie aber kann sich eine liebevolle, positive und stabile Beziehung entwickeln? Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, für sich zu überlegen: Welche Menschen mag ich? Und warum? Warum fühle ich mich bei manchen Mitmenschen geborgen, bei anderen weniger? In der Regel mögen wir Menschen, die sich für uns interessieren, die uns zuhören, die uns helfen, wenn wir dies brauchen, und uns immer wieder auf die eine oder andere Weise zeigen, dass sie uns gern haben. Menschen, die sich Zeit nehmen für uns, damit wir uns austauschen, etwas erleben oder einfach gemeinsam «sein» können; Menschen, die uns Ruhe und Wertschätzung geben. Und eigentlich ist dies bei den Kindern nicht viel anders. 
Es ist normal, dass in Familien nicht immer alles rundläuft. Wichtig ist, in all diesen Turbulenzen das Miteinander nicht zu vergessen.
Es ist normal, dass in Familien nicht immer alles rundläuft. Wichtig ist, in all diesen Turbulenzen das Miteinander nicht zu vergessen.
Auch Kinder und Jugendliche brauchen genau diese Erfahrungen: Erfahrungen, dass ihnen die Eltern zuhören, sich für sie interessieren, sie unterstützen. Sie spüren, dass man sie gern hat, auch wenn einmal Missstimmung herrscht. Und sie benötigen es noch viel mehr als wir Erwachsenen, da sie abhängig von ihrem Umfeld sind. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist insbesondere die Feinfühligkeit der Eltern entscheidend, die Äusserung des Kindes zu verstehen und angemessen auf diese zu reagieren. 
Die Eltern-Kind-Beziehung ist der Grundstein jeder Verbindung, die Kinder später eingehen. In dieser Beziehung wird gelernt, was Vertrauen, Liebe und Stabilität bedeuten.
Dies ist oftmals ein beidseitiges Lernen: Die Eltern lernen das Kind kennen und das Kind die Eltern. Das Kind lernt im besten Fall, wie es seinen Eltern zeigen kann, wenn es etwas braucht, und dass es sich auf seine Eltern verlassen kann. Neben dem Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit entwickelt sich dabei beim Kind – etwas verborgen – das wichtige Konzept der Selbstwirksamkeit und damit das eines positiven Selbstbildes: das Gefühl, Kontrolle zu haben und etwas bewirken zu können. Und dies können Eltern dem Kind durch Hinschauen, Verstehen und angemessenes Handeln schon früh schenken. Diese Feinfühligkeit ist auch später noch wichtig, denn sie sagt eigentlich aus, dass die Eltern das Kind verstehen und darauf reagieren können.

Wie bleibt eine Beziehung stabil?

1. Interesse zeigen
 
Die Grundlage jeder Beziehung ist Interesse. Es ist wichtig, dem Kind zu signalisieren: Es interessiert mich, was du tust, denkst und fühlst. Und dies sollte auch interessieren! Denn durch die Erzählungen der Kinder nehmen sie uns mit in ihre Welt, ihre Gedanken und ihre Gefühle. Die Basis für Verstehen ist ein Sich-Einlassen in die Welt des Kindes oder des Jugendlichen. Denn Kinderwelten und Teenagerwelten sind keine Erwachsenenwelten. Durch interessiertes Nachfragen mit dem Ziel, das Kind verstehen zu wollen, können wir ihm immer wieder zeigen, dass es uns wichtig ist. Damit Kinder und Jugendliche Zutrauen fassen können, muss achtsam mit Kritik umgegangen werden. Denn Vertrauen entsteht nur dann, wenn das Kind merkt, dass mit dem, was es erzählt und äussert, auch respektvoll umgegangen wird. Und auch wenn im Teenageralter von den Jugendlichen zeitweise wenig bis gar nichts (mit)geteilt wird: Sich interessiert an ihrem Handeln und Denken zu zeigen, aber auch respektieren zu können, wenn sie sich nicht äussern wollen, kann Türen öffnen.
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