Familienleben
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Wenn professionelle Betreuung die bessere Lösung ist

«Dass dabei im Alltag immer mal Spannungen zwischen den Eltern und Grosseltern aufkommen können, ist völlig normal», sagt die Erziehungswissenschaftlerin Melitta Steiner. Aber manchmal können diese Spannungen überhandnehmen – und wiederkehrende Konfrontationen verursachen. «In einer verfahrenen Situation sollten die Eltern prüfen, ob professionelle Betreuung womöglich die bessere und konfliktfreie Option wäre», rät Steiner. Auch um das Verhältnis zu den eigenen Eltern zu entlasten.

Allerdings sollten die Eltern nicht überstürzt zugunsten einer Betreuung durch Krippe beziehungsweise Hort entscheiden. «Denn Grosseltern bringen ein hohes emotionales und zeitliches Engagement zum Kinderhüten mit», betont Rusch. «Und das trotz des Älterwerdens.»

Die Erziehungsberaterin animiert zur Dankbarkeit gegenüber Grossmutter und Grossvater. Ihr grosser Einsatz sei nicht selbstverständlich, fügt Rusch hinzu, die in ihrem Arbeitsalltag auch immer wieder mit Grosseltern zu tun hat. «Sie spielen eine sehr wertvolle Rolle im Leben des Kindes», betont sie. «Im Vergleich zu professionellen Bezugspersonen wie in der Krippe sind Grossmami und Grosspapi oftmals stabilere, präsentere Bezugspersonen.»
Dank Grosseltern erfahren Kinder  ein tiefes Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit.
Aber das ist bei Weitem nicht die einzige Besonderheit der Grosseltern als Betreuer der Kinder. Die Entwicklung von Mädchen und Buben ist reicher, wenn sie eine dritte Generation erleben. Der Nachwuchs begreift sich dann als Teil einer grös­seren, zusammengehörenden Grup­pe und erfährt das tiefe Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit.

Das Kind lernt seine tiefen Wurzeln kennen. Das hilft ihm bei der Ent­wicklung seiner eigenen Identität. Dies kann Eltern und Grosseltern eine wunderbare Einladung sein, im Alltag einander respektvoll und dankbar zu begegnen – und im stetigen Austausch das Wohl des Kindes im Blick zu haben.

So gelingt das Gespräch zwischen Eltern und Grosseltern

Für Eltern

  • Formulieren Sie Ihre Erziehungsvorstellungen klar und präzise.

  • Benutzen Sie Beispiele aus dem Alltag, um Ihre Vorstellungen zu untermauern.

  • Werten Sie die Erziehungsvorstellungen der Grosseltern nicht als «veraltet» ab.

Für Grosseltern

  • Bieten Sie generell eher nur auf Wunsch einen Erziehungsrat.

  • Stellen Sie das pädagogische Wissen der jungen Eltern nicht infrage.

  • Stellen Sie Fragen, um spätere Unklarheiten oder ­Konflikte­ zu­ meiden.
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Für alle Beteiligten

  • Lassen Sie einander aussprechen.

  • Fassen Sie sich kurz und verständlich.

  • Zeigen Sie Einfühlungsvermögen und Respekt.

  • Lassen Sie sich von der Hauptfrage leiten: Was braucht das Kind und wie bieten wir es ihm?

Die Autorin:

Anna Gielas stellt derzeit ihre Promotion an der britischen University of St Andrews fertig. Die Autorin schreibt über Erziehung, Psychologie und Neurowissenschaften für verschiedene deutschsprachige Medien.

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