Familienleben
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Verhindern, dass das Kind in einen Loyalitätskonflikt gerät ...

«Sind Grosseltern oder Eltern unzu­frieden mit der Situation, sollten beide Seiten stets das Gespräch mit­einander suchen», rät Melitta Steiner. Dabei sollten die Erwachsenen mit möglichst viel Einfühlungsvermö­gen an den Dialog herangehen und auf Streit vor dem Heranwachsenden verzichten. Sonst droht das Kind in belastende Loyalitätskonflikte zu geraten.

Doch auch wenn die Eltern in Erziehungsfragen das letzte Wort haben, müssen sie den Grosseltern nicht jede Entscheidung vorgeben. Weil Grossmami und Grosspapi die zentralen Situationen des Eltern­daseins bereits erlebt haben, verfü­gen sie über einen Erfahrungsschatz, der nun den Eltern zugutekommen kann. «Grosseltern gehen häufig entspannter und ruhiger mit den Enkeln um als die jungen und weniger erfahrenen Eltern», sagt Rusch.

Der Erfahrungsschatz und die Ruhe sind zwei Ressourcen, die Eltern bisweilen übersehen. Statt also ihre eigenen erzieherischen Vorstellungen partout durchsetzen zu wollen, können Mutter und Vater die Grosseltern um ihre Meinung fragen – oder ihnen gewisse Freiheiten beim Hüten des Kindes lassen. Diese Freiheiten sollten vorab mithilfe eines Gesprächs klar definiert werden.

Erziehungsnormen unterliegen einem kulturellen Wandel

Aber was tun, wenn die erzieherischen Vorstellungen von Eltern und Grosseltern so weit auseinanderklaffen, dass die Grosseltern die Entscheidungen von Mutter und Vater überhaupt nicht umsetzen wollen?

«In diesem Fall sollten sich beide Generationen vor Augen führen: Es gibt kein Richtig oder Falsch», sagt Rusch. Denn jedes Kind ist anders und braucht dementsprechend andere erzieherische Strukturen. Haben die Grosseltern ihren eigenen Nachwuchs als schüchtern im Kindesalter erlebt, werden sie generell eher ein Vorgehen gutheissen, das auch für ähnliche Kindercharaktere geeignet ist, aber beispielsweise nicht für energiestrotzende kleine Weltentdecker.

Alle Erziehungsvorstellungen basieren auf bestimmten individuellen Erfahrungen – und sind nicht gleichermassen gut für jedes Kind. Wer sich diesen Umstand vergegenwärtigt, dem fällt es leichter, ein ruhiges Gespräch über unterschiedliche Erziehungsstile zu führen.
Statt hitzige Diskussionen zu führen, gilt es gemeinsam herauszufinden: Was funktioniert am besten für unser Kind und unseren Enkel? Was sind seine Bedürfnisse? 
Statt hitzige Diskussionen zu führen, gilt es gemeinsam herauszufinden: Was funktioniert am besten für unser Kind und unseren Enkel? Was sind seine Bedürfnisse? 
Man sollte sich ausserdem bewusst machen, dass die Vorstellungen, wie Erziehung aussehen sollte, stets kulturellen Normen unterlägen – und sich immer wieder wandelten, gibt Erica Rusch zu bedenken. Hitzige Diskussionen um vermeintlich richtige oder falsche Erziehungsnormen bringen Eltern und Grosseltern nicht weiter. 

Stattdessen gilt es gemeinsam herauszufinden: Was funktioniert am besten für unser Kind und unseren Enkel? Was sind seine Bedürfnisse? Wie werden wir ihnen gemeinsam am besten gerecht?

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