Tabea und Jonas Plattner: «Kinder ziehen weiter, der Partner bleibt»
Familienleben

Wir erzählen

«Kinder ziehen weiter, der Partner bleibt»

Seit Beginn ihrer Elternschaft ­nahmen sich Tabea Plattner, 43, und ihr Mann Jonas, 45, aus ­Hindelbank BE regelmässig ­Paar-
Auszeiten.
Das habe ihre Liebe gerettet, sagen die Musikerin und der Agrarwissenschaftler, Eltern von Janic, 21, Ramon, 20, Joel, 16, und Mauro, 14.
Text: Virginia Nolan 
Bild: Rita Palanikumar / 13 Photo
Jonas: «Wir lernten uns im Welschland kennen. Ich war in der Ausbildung zum Landwirt, Tabea absolvierte ein bäuerliches Haushaltsjahr.»

Tabea: «Danach kehrte Jonas heim in den Aargau, ich ging für die Lehre zur Gastronomiefachassistentin nach Interlaken. Ich wurde nicht schlau aus ihm: Wollte er mich nun? Wir hatten ein ziemliches ‹Gstürm› damals.»

Jonas: «Ich war einfach grün hinter den Ohren. Dann ging Tabea nach der Lehre in die USA. Ich vermisste sie. Noch bevor sie zurückkehrte, organisierte ich unsere erste gemeinsame Wohnung. Unter einem Dach merkten wir, dass wir die Nähe des anderen brauchen, um als Paar zu harmonieren.»

Tabea: «Bald kündigte sich unser Sohn Janic an. Ich war 22 und Jonas 24, er steckte mitten im Studium zum Agrarwissenschaftler.»

Jonas: «Die Umstellung bereitete uns keine Mühe, wir hatten vorher schon sehr einfach gelebt. Wenn wir irgendwo hinwollten, nahmen wir Janic einfach mit.»

Tabea: «Diese Unbeschwertheit liess unsere Familie schnell wachsen.»

Jonas: «Die Familienzeit brachte uns nicht nur als Eltern ereignisreiche Jahre: Wir versuchten uns als Bauern und brachen das Experiment ab, ich wechselte vom Hof ins Büro und Tabea von der Gastronomie zur Musik. Und wir probierten unterschiedliche Modelle der Arbeitsteilung.»
«Die Kinder wussten, dass sie sonntags ab 19 Uhr auf ihren Zimmern sein mussten. Dieses Ritual liess uns in Verbindung bleiben.»
Tabea: «Ich tanze beruflich auf einigen Hochzeiten: Ich bin Kirchenmusikerin, Chorleiterin, Klavierlehrerin und organisiere Konzerte. Und einmal die Woche kommen Tageskinder. Aktuell arbeite ich 80 und Jonas 70 Prozent.»

Jonas: «Eine traditionelle Rollenverteilung wäre manchmal einfacher, weil die Zuständigkeiten eindeutig sind. Dennoch halte ich ein egalitäres Modell für langfristig erfüllender. Für mich bedeutet egalitär aber auch, dass meine Standards gelten, wenn ich daheim am Ruder bin.»

Tabea: «Wir haben einiges dafür getan, unsere Liebe am Leben zu erhalten. So waren wir sehr konsequent darin, uns Auszeiten zu zweit zu nehmen, egal, wie klein die Kinder waren.»

Jonas: «Wir organisierten eine Babysitterin, gingen zum Tanzkurs oder ins Kino. Später ­verreisten wir mindestens einmal im Jahr für ein Wochenende zu zweit. Eines der schönsten Rituale war der Sonntagabend.»

Tabea: «Die Kinder wussten, dass sie sonntags ab 19 Uhr auf ihren Zimmern sein mussten. Jonas und ich kochten gemeinsam, machten Spiele oder schauten einen Film.»

Jonas: «Dieses Ritual liess uns in Verbindung bleiben.»

Tabea: «Ohne wären wir nicht mehr zusammen. Ich finde es schade, wenn Eltern ihre Partnerschaft vernachlässigen, weil ihre Gedanken nur um die Kinder kreisen. Kinder gehören uns nicht, sie ziehen irgendwann weiter. Was bleibt, ist der Partner – im Idealfall.»

Jonas: «Dass wir noch immer das Verlangen nacheinander haben, hat viel damit zu tun, dass wir den anderen nicht für selbstverständlich hinnehmen. Das Leben spielt nach eigenen Regeln, man hat einander nie auf sicher – diese Gewissheit hält das Kribbeln wach.»

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