Sefora Cuoco und Civan Oezdogan: «Eine einzige Achterbahnfahrt»
Familienleben

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«Eine einzige Achterbahnfahrt»

Sefora Cuoco, 28, Marketingcoach und Yogalehrerin, und Personal Trainer Civan Oezdogan, 27, aus Zürich haben in drei Jahren als Elternpaar das höchste Glück und die schmerzhaftesten Abgründe des Lebens erfahren.
Text: Virginia Nolan 
Bild: Rita Palanikumar / 13 Photo
Civan: «Wir kennen uns schon seit der ­Sekundarschule, doch erst später wurden wir Freunde.»

Sefora: «Ab 20 lebte ich vier Jahre mehrheitlich in Indien. Die Verbindung zu Civan riss nie ab. Irgendwann spürten wir, dass da mehr war als Freundschaft.»
 
Civan: «Als sie 2017 zurückkam, wurden wir ein Paar.»

Sefora: «Das Kinderthema kam schnell auf: Es stimmte mit uns. 2018 kam unsere Tochter zur Welt. Kurz nach der Geburt schloss Civan die Informatikmittelschule ab, ich erwarb mein Marketingdiplom.»
 
Civan: «Ich stieg bei einem Startup ein, Sefora blieb zu Hause. Unsere Tochter war ein anspruchsvolles Baby, wir wollten sie bedürfnisorientiert begleiten.»
 
Sefora: «Wir hatten allerdings nicht begriffen, dass bedürfnisorientierte Erziehung auch die ­Bedürfnisse von Mutter und Vater mit einschliesst.»
  
Civan: «Die hatten wir vor lauter Bemühen, gute Eltern zu sein, aus den Augen verloren.»

Sefora: «Civan arbeitete, für meine Freunde waren Kinder kein Thema, andere Mütter waren viel älter. Ich war einsam.»
 
Civan: «Wir stritten viel, hatten aber keine Energie, Probleme anzugehen.»

Sefora: «Unsere Beziehung wäre fast zerbrochen.»

Civan: «Wäre da nicht unser Sohn dazwischengekommen.»
 
Sefora: «Man könnte vermuten, die zweite Schwangerschaft hätte uns den Rest gegeben. Vielmehr bewog sie uns, Dinge zu ändern.»

Civan: «Ich nahm einen familientauglicheren Job an, unsere Tochter besuchte die Spielgruppe, Sefora begann, ihre Selbständigkeit ­vorzubereiten.»
 
Sefora: «Wir fanden zurück ins Gespräch, merkten, was uns fehlte: Zeit als Paar, aber auch die körperliche Nähe zueinander.»

Civan: «Wir entschieden uns, Sex als Wochenämtli im Kalender einzutragen.»

Sefora: «Es war ein Rettungsversuch. Wie eine Überbrückung beim Auto – in der Hoffnung, dass die Batterie wieder von selbst läuft.»

Civan: «Irgendwann kam das Verlangen, bevor die Agenda rief. Wir nahmen uns auch bewusst Zeit für Gespräche.»
«Wir entschieden uns, Sex als Ämtli im ­Kalender einzutragen. Irgendwann kam das Verlangen wieder, bevor die Agenda rief.»
Sefora: «Im November 2019 kam unser Sohn zur Welt – und gleich ins Kinderspital.»

Civan: «Die Ärzte vermuteten ein neurologisches Leiden. Was ihm fehlte, blieb unklar.»
 
Sefora: «Nach einem Monat nahmen wir ihn mit nach Hause, ohne Diagnose. Doch unser Bub entwickelte sich überraschend gut.»
 
Civan: «Die Freude an seinen Fortschritten, die Beziehung, die zwischen unseren Kindern wuchs: Das war die glücklichste Zeit meines Lebens.»
 
Sefora: «Mit 14 Monaten starb unser Sohn unerwartet. Die Trauer darüber lässt sich schwer in Worte fassen. Zum Glück ist da unsere Tochter, die uns die Schönheit des Lebens zeigt, trotz allem.»
 
Civan: «Unser Sohn war es gewesen, der uns wieder zusammengebracht hatte. Als Paar nahmen wir seinen Abschied zum Anlass, uns noch einmal füreinander zu entscheiden und achtsam zu pflegen, was er hinterlassen hat.»
 
Sefora: «Er war unser grösster Lehrer. Dank ihm gestalten wir unser Leben noch bewusster.»

Civan: «Auch, indem wir versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen, unabhängig von Konventionen. So fand ich auch den Mut, mich im Sport selbständig zu machen.»

Sefora: «Unsere Geschichte ist eine einzige Achterbahnfahrt. Aber wir wachsen daran.»

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