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Familienleben

Ohne Kinder wegfahren – und zwar jetzt! 

Eine kinderfreie Auszeit tut Eltern gut. Je früher, desto besser. Ein schlechtes Gewissen müssen die Mütter und Väter dabei nicht haben. Denn auch die Kinder profitieren davon. Wieso, das weiss Familien- und Paartherapeut Raimondo Lettieri.  
Text: Irena Ristic
Es gibt viele gute Gründe, sich als Eltern hin und wieder ein paar freie Tage oder Ferien ohne Kinder zu gönnen: ausschlafen, Zeit für Zweisamkeit oder den Tag planlos verbummeln. Obwohl Ferien ohne den eigenen Nachwuchs für die meisten Eltern sehr verlockend klingen – trauen sich viele nicht.

«Was Eltern oft daran hindert, sich eine Auszeit zu nehmen, sind die selbstauferlegten und überhöhten Vorstellungen davon, was gute Eltern ausmache», sagt der Familien- und Paartherapeut Raimondo Lettieri. Eine Beobachtung, die auch die Forsa-Studie im Auftrag der Zeitschrift «Eltern» untermauert: So gaben 50 Prozent der befragten Mütter an, weder ihr Beruf noch Freunde oder Verwandte stressten sie so sehr wie die eigenen Ansprüche. 41 Prozent der Väter ergeht es ebenso. 

Eltern setzen sich mit hohen Ansprüchen selbst unter Druck 

Zahlen, die den Paar- und Familientherapeuten nicht erstaunen: «Viele Elternpaare, die in die Praxis kommen, haben die Vorstellung, dass es dem Kind nur dann gut geht, wenn es absolut im Zentrum des familiären Lebens steht», sagt Lettieri. Natürlich müssten Eltern ihre Bedürfnisse zurückstellen, aber entscheidend sei: bis zu welchem Grad. 
Kinderfreie Auszeit macht die Partnerschaft krisenresistenter
Er fragt Eltern häufig: «Wie viele Kinderspielsachen liegen bei Ihnen im Schlafzimmer?» Oder eben auch: «Wann waren Sie zu zweit das letzte Mal über eine oder zwei Nächte weg?» Die Antworten darauf spiegelten, ob es Eltern noch gelinge, eine Paar-Intimitätszone aufzubauen. Das sei eine elementare Voraussetzung für die Beziehung, so Lettieri, denn: «Ansonsten verschwindet das Liebespaar im Bermudadreieck der elterlichen, beruflichen und Haushaltspflichten».
«Dieser kleine Paarausflug bricht den Alltag und ermöglicht, sich selbst und sich als Paar neu zu erleben», sagt Lettieri. «Im besten Fall reist man als müdes Elternpaar ab und kehrt als gestärktes Eltern- und Liebespaar zurück.» Natürlich könnten während der Auszeit, so ganz ohne Kinderablenkung, Konflikte aufbrechen. 
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Manchmal handle es sich dabei um länger schwelende Themen, häufiger aber sind es nicht geklärte Erwartungen an die Auszeit. Sie will etwa reden und schlafen, er möchte Sport und Sex. Lettieris Rat darum: «Klären Sie vorher, was sie von der kinderfreien Zeit erwarten und welche Bedürfnisse sie haben, um Enttäuschungen zu vermeiden.» 

Entspannte Eltern, entspannte Kinder 

In Zeiten, in denen der Alltag oft durchgetaktet ist, um die fragile Balance zwischen Beruf, Familie und Haushalt aufrechtzuerhalten, möchten die Eltern wenigstens die Ferien oder die freie Zeit mit ihren Kindern ohne Termindruck verbringen. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse stellen Mütter und Väter dabei oftmals hinten an. Hinzu kommt, dass es beim heutigen Kleinfamilien-Modell wenig bis gar keine ausserfamiliären Unterstützungs-möglichkeiten gibt. Oder die Eltern haben Hemmungen, die Grosseltern um noch mehr Unterstützung anzufragen. Und nicht selten lauert das schlechte Gewissen. 
Familien- und Paartherapeut Raimondo Letteri rät: «Warten Sie nicht zu lange! Sobald es einigermassen geht, fahren sie mal ohne ihre Kinder weg!»
Familien- und Paartherapeut Raimondo Letteri rät: «Warten Sie nicht zu lange! Sobald es einigermassen geht, fahren sie mal ohne ihre Kinder weg!»
«Ich beobachte immer wieder, dass insbesondere Mütter denken, dass das eigene Kind nur bei ihnen wirklich gut aufgehoben ist», sagt der Zürcher Psychologe. Das ist ein zusätzlicher Druck, den sich Mütter und Väter, bei aller Elternliebe, eigentlich nicht machen müssten. So kommt die deutsche AOK-Familienstudie zum Schluss, dass Eltern, die gestresst sind, auch in der Erziehung unsicher sind. Und dies wirkt sich wiederum negativ auf die Kinder aus. 
In anderen Worten: Entspannte Eltern, die sich regelmässig eine Auszeit gönnen, fördern damit auch die Gesundheit ihrer Kinder. Und nicht nur das: «Passen mal die Grosseltern oder nahe Freunde während des Paarweekends auf die Kinder auf, lernen sie, sich auf neue Umgebungen einzulassen, was wiederum deren Selbständigkeit fördert», ergänzt Raimondo Lettieri.

2 Kommentare

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Von Nicole am 03.08.2016 08:42

Ich könnte heulen aus Enttäuschung und Wehmut darüber, dass wir uns das so sehr wünschen, aber leider nicht realisieren können. Es gibt eine recht junge Oma, die auch ein sehr enges Verhältnis zum Enkel hat. Leider kann ihr Ehemann (nicht der leibliche Opa) mit Kindern nicht.... Die anderen Grosseltern sind alt und krank. Tanten/Onkel in der Nähe gibt es nicht, unsere Freunde sind alle UNSERE Freunde und keine Vertrauens-Bezugspersonen für unseren Sohn.

Von Fritz+Fränzi Redaktion am 03.08.2016 08:58

Gibt es jemanden unter ihren Freunden, der einen guten Draht zu ihren Kindern entwickeln kann? Dann dauert es sicher noch ein bisschen - aber es ist eine Möglichkeit! Auch Grosseltern müssen ja nicht immer die leiblichen sein. Es gibt viele Senioren, die keine Enkel haben und sich sehnlichst welche wünschen. Schauen Sie doch mal bei http://www.rentarentner.ch/ ob es hier vielleicht jemanden gibt, der ihren Kindern und Ihnen gefallen könnte, und lernen Sie ihn oder sie kennen. Oder fragen Sie bei Tauschbörsen/im Quartierverein nach. Ohne die Hilfe von Verwandten ist es immer schwieriger, das stimmt. Aber es ist machbar. Besonders, wenn Sie sich diese Ferien so sehr wünschen. Ganz viel Erfolg dabei und liebe Grüsse aus der Redaktion!

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