Claudia M.:«Die wirtschaftliche Realität sieht anders aus!»
Familienleben
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Jobsuche und Erschöpfungsdepressionen

Claudia findet eine 40-Prozent-Stelle im kaufmännischen Bereich, die finanziell nirgends hinreicht, erhöht dann auf 100 Prozent. Und kommt richtig unter die Räder. Die neuen, schnellen Tools, die grossen Anforderungen, der immense Druck – das ist alles zu viel. Claudia fällt in eine Erschöpfungsdepression, kündet noch in der Probezeit. Die anschliessende Jobsuche in ihrem erlernten Beruf, die bis heute andauert, ist ernüchternd.  «Ich habe zwar vielseitige Berufs- und Lebenserfahrung, konnte mich aber nicht spezialisieren. Ich bin eine Allrounderin. Diese Nischen gibt es kaum noch im Beruf, oder man hat keinen Zugang zu den Stellen.»

Claudia will arbeiten, 100 Prozent, will unbedingt auf eigenen Beinen stehen, unabhängig und frei sein . Aber auch jetzt sieht die Realität einmal mehr anders aus. Sie macht einen Rotkreuz-Kurs, jobbt als Pflegehelferin. «Damit verdiene ich knapp 3000 Franken im Monat, Vollzeit. Wie soll ich künftig  davon leben? Die Vorstellung, in die Armut abzurutschen - wie so viele geschiedene Frauen - macht mir grosse Sorgen.» Die über Jahre andauernde Mehrfachbelastung, Existenzangst, hinterlassen bei ihr Spuren und es erfordert viel Kraft, sich nicht zu entmutigen lassen.
«Ich will nicht um Geld betteln müssen. Ich will arbeiten.»
Claudia M. will ihren Ex-Mann nicht an den Pranger stellen. «Ehen scheitern nun mal, und es geht nicht um Schuld oder Anklage. Ich als Frau möchte mich auch nicht als Opfer sehen, sondern alles dafür tun, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.» Trotzdem findet sie die ungleichen Verhältnisse nicht ganz fair. «Ich habe jahrelang dafür gesorgt, den Kindern ein stabiles Gefüge zu geben, und komme nach wie vor meiner elterlichen Präsenzpflicht nach, denn dies bleibt auch in der Pubertät wichtig.» Während ihr Ex-Mann ein mehr oder weniger sorgenfreies Leben führt, sieht sich in der Rolle der Bittstellerin. «Ich will nicht um Geld betteln müssen. Ich will arbeiten.» Auch ihre Versuche, über Netzwerke oder offizielle Stellen an Jobangebote zu kommen, scheitern regelmässig. Und die Chancen werden schlechter, mit jedem Jahr, das sie älter wird. «Hier müsste doch die Wirtschaft irgendwie in die Pflicht genommen werden», sagt sie. «Frauen in ähnlichen Situationen brauchen mehr wohlwollende Förderung und Chancen.»

Ihr grösster Wunsch: Irgendwann auch finanziell auf eigenen Beinen stehen. Aufgeben will Claudia diesen Traum nicht. Auch wenn es schwierig ist. «Ich wünsche mir wirklich nichts mehr, als dass mir dies eines Tages gelingt. Dann gehe ich endlich mal wieder in die Ferien. Ganz einfache Ferien. Aber nur für mich allein.»

* Name der Redaktion bekannt

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1 Kommentar

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Von Barbara am 12.05.2021 16:17

Also ich schaffe es mit 2700 brutto... wenn auch sehr knapp.

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