«Ich bin ein Exot»
Familienleben

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«Ich bin ein Exot»

Mauro Castrigno, 38, Vater von Gilda, 5, und Lino, 3, ist Hausmann. Seine Frau Jennifer, 41, arbeitet Vollzeit als Kriminalpolizistin. Die Familie wohnt in Rikon ZH.
Text: Virginia Nolan 
Bild: Désirée Good / 13 Photo
«Bis zum Zeitpunkt, da ich mit Jenni zusammenkam, hatte ich mir übers Kinderkriegen keine Gedanken gemacht. Ich jobbte am Flughafen, legte als DJ in Clubs auf und hatte für eine Musikausbildung zwischenzeitlich ein paar Monate in San Francisco verbracht. Mit der noch frischen Beziehung zu Jenni verfestigte sich ein Gefühl, dass die Dinge richtig liegen. Wir waren noch nicht lange zusammen, als ich nach einer durchfeierten Nacht sagte: Lass uns Kinder haben. Am nächsten Morgen fragte sie mich, ob ich das ernst gemeint hätte. Und wie.

Uns war schon vor der Schwangerschaft klar, dass ich es sein würde, der zu Hause bleibt. Jenni hat einen Job, der ihr viel bedeutet. Ich hingegen habe keinen beruflichen Ehrgeiz, dafür ein paar Eigenschaften, die im Umgang mit Kindern hilfreich sind: Ich bin von ruhigem Gemüt, kann mich aufs Chaos einlassen und bin kreativ, zeichne und bastle gerne. Ich kündigte also meinen Job und Jenni nahm ihren nach dem Mutterschaftsurlaub wieder auf. Doch Gilda verweigerte den Schoppen, schrie unentwegt. Nach drei Tagen war ich fix und fertig, sagte zu Jenni, ich sei kurz davor, die Flinte ins Korn zu werfen. Tags darauf akzeptierte unsere Kleine, als hätte sie mich erhört, ihren Schoppen. 
«Vor allem Mütter ­äussern Erstaunen ­darüber, ‹dass ein Mann das hinkriegt›.»
Ich wusste früher nie so recht, in welche Rolle ich passte. Es scheint, als hätte ich mit meinen Kindern die Antwort darauf gefunden. Natürlich gibt es Frustmomente, in denen ich genervt bin, weil ich zum x-ten Mal Streit schlichten oder einen Dickschädel überzeugen muss. Aber oft gelingt es mir, die Dinge entspannt zu sehen. An meinem Alltag mag ich, dass er nicht nach Schema X verläuft. Statt ihn mit Programm zu überfrachten, folgen wir spontanen Ideen, und so sieht es hier oft abenteuerlich aus. Ich achte aber darauf, dass aufgeräumt ist, wenn Jenni nach Hause kommt. Ich bin etwas chaotisch, sie eher pingelig, in diesem Punkt mussten wir lernen, einander entgegenzukommen. Wenn die Kinder im Bett sind, setze ich mich oft hinters Mischpult und feile an Tracks. Das ist mein ­Ausgleich.

Als Hausmann bin ich in meiner Umgebung ein Exot. Das trägt mir oft Bewunderung ein, auch solche, die mich irritiert. So äussern vor allem Mütter Erstaunen darüber, ‹dass ein Mann das hinkriegt›. Warum auch nicht? Einer Hausfrau würden sie für ihren Job auch keinen Orden verleihen. Unverständnis kam dafür von meiner Nonna aus Süditalien. Sind Hausarbeit und Kindererziehung eines Mannes nicht würdig – oder ist dieser solchen Aufgaben nicht gewachsen? Ich verstehe ihren Standpunkt nicht recht. Jedenfalls möchte ich mit niemandem tauschen. Zu sehen, wie toll sich unsere Kinder entwickeln, macht mich als Vater stolz.»
<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/vater"><strong>Online-Dossier Väter. </strong></a>Lesen Sie mehr zu Themen wie: Vom <strong>Wunsch nach Vaterschaft</strong> <strong>und den Herausforderungen</strong> des Lebens mit Kindern.</div>
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