Jessica Thompson Zottelbärli
Familienleben

«Wir sind alle Helden!»

Von der Spielgruppe auf die Covid-19-Intensivstation. Als Jessica Thompson ihre Spielgruppe wegen der Corona-Krise schliessen muss, ist für die Mutter und ausgebildete Intensivpflegefachkraft klar: «Ich will helfen»! Sie meldet sich beim Unispital Basel zurück zum Dienst. Was macht der Job auf der Intensivstation mit dem eigenen Familienleben?  
Interview: Irena Ristic
Bilder: rawpixel / zVg

Frau Thompson, wann haben Sie realisiert, dass die Situation rund um Corona ernst wird? 

Bevor ich die Spielgruppe «Zottelbärli» von meiner Mutter übernommen habe, arbeitete ich über 15 Jahre als Pflegefachkraft, 8 Jahre auf der Intensivstation des Unispitals Basel, darunter viele Jahre auf der Infektiologie. Als die ersten Corona-Fälle in der Schweiz bekannt wurden, war für mich sofort klar, dass mit Covid-19 einiges auf uns zukommt. Es traf mich daher nicht unvorbereitet, dass ich meine Spielgruppe schliessen musste. 

Wie haben Sie das erlebt? 

Wir führen im Auftrag des Erziehungsdepartements Basel-Stadt die im Kanton obligatorischen Deutsch-Frühförderkurse für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache durch. Deswegen waren wir als Spielgruppe mit dieser Zusatzfunktion von Beginn weg von den vom Bund verordneten Massnahmen für obligatorische Schulen betroffen. Die Schliessung der Spielgruppe ist für mich und meine vier Mitarbeiterinnen zweifellos einschneidend. Auch dass mein kleiner Sohn mit seinen geliebten Grosseltern und seinen Cousins, die wie Geschwister sind für ihn, keinen Kontakt haben darf, fällt uns allen sehr schwer. Da sind schon ein paar Tränen geflossen. Neben dem Spital mache ich für die Spielgruppenkinder noch Fernunterricht, was natürlich nicht vergleichbar ist mit dem Fernunterricht der Schulen. Trotzdem sollte auch der Wechsel in den Kindergarten vorbereitet werden. Ich fände es sehr schade, wenn die Kinder jetzt stagnieren würden, speziell die Kinder mit Deutsch als Zweitsprache.
Als die 42-jährige Baslerin Jessica Thompson ihre Spielgruppe wegen Corona schliessen muss, ist für die ausgebildete Intensiv-Pflegeexpertin sofort klar: Ich melde mich zurück zum Dienst! 
Als die 42-jährige Baslerin Jessica Thompson ihre Spielgruppe wegen Corona schliessen muss, ist für die ausgebildete Intensiv-Pflegeexpertin sofort klar: Ich melde mich zurück zum Dienst! 

Nach der Schliessung Ihrer Spielgruppe sind Sie temporär in Ihren alten Beruf als Intensivpflegefachkraft zurückgekehrt und arbeiten nun auf der Covid-19-Intensivstation des Unispitals Basel. Wie kam es dazu? 

Als ich die Spielgruppe zumachen musste, wusste ich: das ist der Moment. Ich habe mich dann sofort beim Unispital Basel gemeldet. Mir war klar, was meine Kolleginnen und Kollegen gerade durchmachten und dass gerade die Intensivpflege jetzt besonders gefordert war. Auf der Intensivstation arbeiten Pflegefachkräfte, die das Intensivpflege-Repertoire abdecken können. Dafür braucht es eine mehrjährige Zusatzausbildung, die ich habe. 

Wie ergeht es Ihnen im Spitalalltag? 

Der Zusammenhalt unter den Kollegen und Ärzten ist sehr gross. Auf persönlicher Ebene war es anfangs eine kleine Challenge, ich musste zurückfinden in meine alte Berufsrolle, Abläufe aktivieren, was dann doch erstaunlich schnell ging. Zudem ist der Einsatz auf einer Intensivstation eine sehr anspruchsvolle Arbeit. Man muss nonstop fokussiert sein, auch aus Selbstschutz. Und es fordert einen körperlich, einerseits durch die Bedingungen in der Schutzkleidung, in der man sehr schwitzt, und anderseits durch das Arbeiten am Bett. Wir übernehmen ja alle körperlichen Tätigkeiten der Patienten, die teilweise im künstlichen Koma liegen.
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