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Familienleben

Hilfe, unsere Tochter hat Angst vor Dieben!

Unsere Tochter, 9, hat Angst vor Dieben. Ich erkläre ihr, dass da, wo wir wohnen, keine Diebe seien. Das ist aber gelogen. Wenn ich ihr nun sage, es gebe zwar Diebe, aber die könnten uns nichts stehlen, weil wir starke Türen haben, sorgt sie sich weiterhin. Wissen Sie einen Rat?
Gregor, 51, Altstätten

Nicole Althaus:

Schön wärs, man könnte den geliebten Kleinen alle Ängste nehmen, sie luftdicht verschliessen und mit dem Müll entsorgen. Doch die Angst gehört zum Leben. So wie die Freude und die Trauer. Sagen Sie Ihrer Tochter das. Und dass Angst die Menschen lehrt, aufzupassen. Schliessen Sie abends gemeinsam die Tür zu und wenn nötig die Fensterläden. Und dann singen und kochen Sie zusammen und zeigen, dass man mit der Angst gut leben kann.

Tonia von Gunten: 

Wie gehen Sie heute mit Ihren eigenen Ängsten um? Und wie war es als Kind für Sie? Sprechen Sie mit Ihrer Tochter: «Ich habe heute keine Angst mehr vor Dieben. Doch du machst dir Sorgen. Sage es mir bitte, wenn du selber eine gute Idee gegen diese Angst hast, okay?» Als Kind lernt man den Umgang mit der eigenen Angst am besten, indem man erlebt, dass dieses Gefühl zum grossen Ganzen im Leben mit dazugehört und alle Menschen hin und wieder solche Gefühle erleben. 

Peter Schneider:

Ich fürchte, die Sorge können Sie ihr kaum abnehmen. Sie müssen Ihrerseits aber auch nicht befürchten, die Angst vor Dieben würde darum zu einem ständigen Begleiter im Leben Ihrer Tochter. Kinder sind hilfloser als Erwachsene; sie verfügen auch nicht über die relativierende Wurschtigkeit, die uns Erwachsenen den Alltag erleichtert. Sie haben mehr Zeit, sich in ihre Ängste zu vertiefen und sie mit allerlei Fantasien auszuschmücken. (Dasselbe gilt oft auch für alte Menschen.) Im Alter Ihrer Tochter haben Kinder auch den Glauben verloren, dass ihre Eltern sie vor allem schützen können. Das ergibt eine Neigung zur Hilflosigkeit, auf die man beruhigend reagieren sollte, die man aber eben auch nicht ausmerzen kann.

Die Autoren:

Nicole Althaus, 48, ist Kolumnistin, Autorin und Mitglied der Chefredaktion der «NZZ am Sonntag». Zuvor war sie Chefredaktorin von «wir eltern» und hat den Mamablog auf «Tagesanzeiger.ch» initiiert und geleitet. Nicole Althaus ist Mutter von zwei Kindern, 16 und 12.
Tonia von Gunten, 43, ist Elterncoach, Pädagogin und Buchautorin. Sie leitet elternpower.ch, ein Programm, das frische Energie in die Familien bringen und Eltern in ihrer Beziehungskompetenz stärken möchte. Tonia von Gunten ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern, 10 und 7.
Peter Schneider, 59, ist praktizierender Psychoanalytiker, Autor und SRF-Satiriker («Die andere Presseschau»). Er lehrt als Privatdozent für klinische Psychologie an der Uni Zürich und ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Uni Bremen. Peter Schneider ist Vater eines erwachsenen Sohnes.

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