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Familienleben

«Hilfe, mein Sohn sieht mich gerne nackt!»

Leserfrage:
Mein Sohn, 13, findet es spannend, mich nackt zu sehen. Ich entwickle zunehmend Schamgefühle vor ihm. Was soll ich tun?
Petra, 41, Brugg
Bilder: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo, Lea Meienberg / 13 Photo, ZVG

Nicole Althaus: 

Mein erster Tipp: Freuen Sie sich! Sowohl die Neugier Ihres Sohnes als auch Ihr Schamgefühl beweisen, dass in Ihrer Familie alles richtig läuft. Dass Ihr Sohn sich zu einem jungen Mann mit sexuellen Interessen entwickelt und Sie ihn auch als solchen wahrnehmen. Mein zweiter Tipp: Reagieren Sie gelassen, wenn der Sohn Sie nackt überrascht, aber machen Sie ihm klar, dass jeder eine Privatsphäre braucht. Auch die Mutter. Und dass Schlaf- und Badezimmer eine Tür haben, damit man sie schliessen kann. Und anklopfen, wenn sie geschlossen ist.

Kathrin Buholzer:

Achten Sie darauf, dass Sie selber die Privatsphäre Ihres Sohnes immer respektieren. Nur so können Sie das Gleiche auch von ihm verlangen. Seien Sie ehrlich und sprechen Sie mit ihm über Ihre Gefühle. Treffen Sie mit ihm ein paar Abmachungen zum Thema «Privatsphäre». Sie können auch zusammen ein Türschild kaufen oder eines selber machen. So kann man gleich sehen, ob man jetzt ins Zimmer platzen darf oder nicht, und Sie brauchen gar keinen Schlüssel. Wenn Sie anfangen, sich einzuschliessen, bekommt Ihr Sohn gar nie die Gelegenheit, sich vernünftig mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Peter Schneider:

Prothese: Aus dem Jungen könnte möglicherweise einmal ein guter Gynäkologe werden. Antithese: Man sollte seine Schamgefühle ernst nehmen. Synthese: Erlauben Sie es ihm nur noch zu besonderen Gelegenheiten, zum Beispiel wenn er eigenhändig den Tisch abgeräumt und das Geschirr gewaschen hat.

Nicole Althaus, 
47, ist Kolumnistin, Autorin und Mitglied der Chefredaktion der NZZ am Sonntag. Zuvor war sie Chefredaktorin von «wir eltern» und hat den Mamablog auf «Tagesanzeiger.ch» initiiert und geleitet. Nicole Althaus ist Mutter von zwei Kindern, 15 und 11.
Kathrin Buholzer,
42, ist Journalistin, Elternberaterin, Betreiberin des Elternblogs «www.elternplanet.ch» und Mutter zweier Töchter, 13 und 11.
Peter Schneider,
arbeitet als Psychoanalytiker und Kolumnist in Zürich. Bis 2017 war er Professor für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie in Bremen; z.Zt. lehrt er Geschichte und Wisseschaftstheorie der Psychoanalyse in Berlin. 


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