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Familienleben

«Hilfe, mein Sohn schiesst auf Menschen»

Leserfrage:
Mein Sohn, 7, spielt für sein Leben gern mit Gewehren und Pistolen. Er nimmt sie überall mit, auch in den Supermarkt: «Päng – ich schiess dich tot.» Ich habe ihm bestimmt hundert Mal erklärt, dass man nicht auf Menschen schiesst. Was kann ich noch tun? 
Eleonore, 39, Bern
Bilder: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo, Lea Meienberg / 13 Photo, ZVG

Nicole Althaus

Ihr Sohn tut das, was Generationen von Siebenjährigen vor ihm auch getan haben: mit Waffen spielen und Mama ärgern. Das Gespür von Kindern für die Schwachstellen ihrer Eltern ist nicht zu unterschätzen. Vielleicht schämen Sie sich für sein Verhalten, weil Sie Pazifistin sind, vielleicht aber auch nur, weil unsere Gesellschaft auf rumballernde Jungs allergisch reagiert. Lassen Sie Ihrem Sohn die Pistolen, verbieten Sie ihm aber, sie zum Einkaufen mitzunehmen. Und ignorieren Sie sein «Päng, Päng». Die Lust darauf wird ihm bald vergehen. Zumindest in Ihrer Gegenwart.

Kathrin Buholzer

Ich kann Ihre Bedenken gut verstehen und finde es wichtig, dass Sie diese Ihrem Sohn auch mitteilen. Greifen Sie ruhig in das Rollenspiel ein, geben Sie ihm Feedback und suchen Sie zusammen nach Alternativen. Regen Sie seine Fantasie an, denn damit können Sie ihm ein anderes Ziel vorgeben, auf das er schiessen könnte: Ein Baum könnte ein Dinosaurier sein, ein Stein wäre vielleicht ein kleiner Pirat. Treffen Sie mit ihm Abmachungen, schreiben diese auf und grenzen damit ein, wo und wann er mit der Pistole schiessen darf. Toll wäre auch, wenn daraus eine interessante Diskussion entstehen würde. Zum Beispiel über das Leben und den Tod.

Peter Schneider

Sehen Sie die Sache mal von einer anderen Seite. Auf was denn sonst, wenn nicht auf Menschen, soll er im Supermarkt schiessen? Auf das Kalbskotelett oder die Salami in der Fleischereiauslage? Wozu? Die sind ja schon tot. Sie könnten ihm allenfalls eine kleine Panzerfaust schenken. Die durchschlägt in der kindlichen Fantasie selbst gepanzerte Konservendosen. Ein Flammenwerfer für das Tiefkühlgemüse hingegen scheint mir aus ökologischen Gründen pädagogisch weniger wertvoll.

Nicole Althaus
47, ist Kolumnistin, Autorin und Mitglied der Chefredaktion der NZZ am Sonntag. Zuvor war sie Chefredaktorin von «wireltern» und hat den Mamablog auf «Tagesanzeiger.ch» initiiert und geleitet. Nicole Althaus ist Mutter von zwei Kindern, 15 und 11.
Kathrin Buholzer
42, ist Journalistin, Elternberaterin, Betreiberin des Elternblogs «www.elternplanet.ch» und Mutter zweier Töchter, 13 und 11.
Peter Schneider
58, ist praktizierender Psychoanalytiker. Er lehrt als Privatdozent für klinische Psychologie an der Uni Zürich und ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Uni Bremen. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu psychoanalytischen und gesellschaftspolitischen Themen und Mitherausgeber der Buchreihe Spheressays. Peter Schneider ist Vater eines erwachsenen Sohnes.

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info@fritzundfraenzi.ch
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