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Familienleben
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Jetzt sollte es nicht in erste Linie darum gehen, «mitzuhalten»

Je mehr wir uns erlauben, unproduktive Tage zu haben, Erfahrungen zu sammeln und dazuzulernen, desto weniger zusätzlichen Stress bürden wir uns auf. 
 
Jetzt sollte es nicht in erste Linie darum gehen, «mitzuhalten», um «ja nicht ins Hintertreffen» zu geraten und ängstlich-gestresst mit den Kindern vor ihren Arbeitsblättern zu sitzen, sondern sich Zeit zu lassen und ein wenig zu experimentieren. Dabei können unsere Kinder Dinge lernen, die ihnen das Lernen lebenslang erleichtern. 

Sie können zum Beispiel Antworten finden auf Fragen wie:

  • Wie muss mein Arbeitsplatz aussehen, damit ich mich wohlfühle?
  • Lerne ich am liebsten die ganze Zeit am gleichen Ort oder kann ich mich besser konzentrieren, wenn ich zwischen Zimmer, Küche und Balkon abwechsle?
  • Bin ich der Typ, der mit Musik lernen kann, oder benötige ich Stille?
  • Zu welcher Tageszeit fällt es mir am leichtesten, mich auf das Lernen einzulassen?
  • Welcher Rhythmus aus Lernen, Pausen und Freizeit tut mir gut?
  • Wie überwinde ich mich, wenn ich keine Lust habe?
  • Welche Lernstrategien sind hilfreich, um sich Textinhalte zu erarbeiten?
  • Wie nutze ich Online-Hilfen und den Klassenchat möglichst effektiv?

Als Eltern könnten wir uns fragen:

  • Wie werden mein Kind und ich zu einem guten Team?
  • Was motiviert mein Kind? Was demotiviert es?
  • Warum liest mein Kind so ungern mit mir – und was bräuchte es, um das zu ändern?
  • Heute lief es wunderbar – was war die Zauberzutat?
  • Warum haben wir uns heute beim Lernen in die Haare gekriegt – und wie liesse sich das morgen vermeiden?
  • Braucht mein Kind viel Struktur oder fährt es mit dem Motto «go with the flow» besser?
  • Wo können wir das Lernen mit persönlichen Interessen verknüpfen? Wo lässt es sich lustvoller gestalten?
Wenn wir Kinder beim Lernen begleiten, sind wir Eltern oft sehr auf das Resultat fixiert: Das abgearbeitete Arbeitsblatt oder die gute Note. 
 
Gerade jetzt könnten wir uns mehr auf den Lernprozess fokussieren und mit Neugier und Offenheit Experimente wagen, gemeinsam Antworten auf Fragen suchen, uns näherkommen und uns etwas besser kennenlernen. Und wenn es hakt, können wir uns und unseren Kindern bewusstmachen, dass wir im selben Boot sitzen, weil wir alle vor einer ähnlichen Herausforderung stehen: unser Lernen und Arbeiten neu zu organisieren und einen guten Weg zu finden.
 
Vielleicht haben Sie dazu sogar Lust, ein kleines Lernjournal oder -tagebuch zu führen und Ihre Beobachtungen einzutragen? Jede einzelne Erkenntnis darüber, wie man sich selbst motiviert, wo, wann und wie man am besten lernt, welche Hilfestellungen für Ihr Kind tatsächlich hilfreich sind und jede neue Lernstrategie, die Ihr Kind in dieser Zeit erwirbt, hilft ihm während der gesamten Schulzeit und darüber hinaus.  
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Lernen zu Hause – Gratis-Hilfestellungen

Die Akademie für Lerncoaching, die die Psychologen Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler leiten, hat eine Hilfeseite zum Thema «Lernen zu Hause» für Eltern online gestellt. Die Seite wird stetig ausgebaut und aktualisiert. Die Familien finden dort Antworten auf viele Fragen zur aktuellen Corona-Virus-Situation im Zusammenhang mit Homeschooling.

Hier geht es zur Homeschooling-Plattform der Lernakademie für Lerncoaching.

Viele weitere kostenlose Hilfestellungen für das Lernen finden Sie auch auf der Webseite www.mit-kindern-lernen.ch sowie auf www.youtube.com/mitkindernlernen

Zum Autor:

Fabian Grolimund ist Psychologe und Buchautor («Mit Kindern lernen», «Vom Aufschieber zum Lernprofi»). Gemeinsam mit Stefanie Rietzler leitet er die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Der 40-Jährige ist verheiratet und Vater eines Sohnes, 7, und einer Tochter, 5. Er lebt mit seiner Familie in Fribourg. In Wechsel mit Stefanie Rietzler schreibt er Kolumnen für Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi. Die besten dieser Kolumnen finden Sie in seinem neuen Buch «Geborgen, mutig, frei – wie Kinder zu innerer Stärke finden».

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