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Familienleben

Mädchen, Buben: Ihr seid gleich!

Buben und Mädchen haben die gleichen Rechte. Was so selbstverständlich klingt, ist noch längst keine Realität. Das muss sich endlich ändern, findet unsere Autorin, und fordert eine genderneutrale Erziehung.
Text: Simone Hilber
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
Ist das Neugeborene ein Mäd­chen, wird es in Rosa geklei­det, ist es ein Bub, in Blau. Dem Bub im Kindergarten­ alter wird das Bäbi der gro­ssen Schwester weggenommen, damit er nicht gehänselt wird, und das Prinzessinkostüm darf er, wenn überhaupt, höchstens zu Hause tra­gen. Genderisierung beginnt bereits im Kleinkindalter.

Seit den 1990er­Jahren forcieren die Vereinten Nationen mit der Stra­tegie «Gender Mainstreaming» langfristig und weltweit die Gleich­behandlung der Geschlechter. Doch die «MeToo»­Debatte hat es einmal mehr aufgezeigt: Gerade im Berufs­leben können wir noch immer nicht von einer Gleichstellung der Geschlechter sprechen. Dabei ist diese nicht einfach ein frommer Wunsch – die Gleichbehandlung der Geschlechter ist in den Menschen­rechten festgeschrieben.

In den Projekten der Stiftung Kin­derdorf Pestalozzi setzen sich 3600 Kinder und Jugendliche in der Schweiz jedes Jahr mit Fragen zum Kinderrecht gegen Diskriminierung und der tatsächlichen Chancen­gleichheit auseinander. Sie erfahren dabei, dass der Begriff Gender weit über die einfache Unterscheidung von Mann und Frau hinausgeht.

Denn Gender bezeichnet das soziale oder gesellschaftliche Geschlecht. Es ist ein Puzzle aus verschiedenen Elementen, die letztlich die Identität einer Person ausma­chen. Diese kann männlich oder weiblich sein, mehr dem jeweiligen Geschlecht zugeschriebene Attribu­te enthalten oder weniger. Letztlich darf aber weder das körperliche noch das soziale Geschlecht eine Rolle spielen: Alle Menschen sollen die gleichen Rechte und die gleichen Chancen im Leben haben.

Leben in einer faireren Gesellschaft

Und doch werden schon Babys in Geschlechterschubladen gepresst. Paradoxerweise ist dies Ausdruck elterlicher Liebe und geschieht aus einem Beschützerinstinkt heraus. Sie nützen dem einzelnen Kind und auch der Gesellschaft aber herzlich wenig. Wir sollten unseren Kindern ein Weltbild vermitteln, in dem es kein stärkeres oder schwächeres, kein gescheiteres oder dümmeres und kein technik­- oder haushalts­affineres Geschlecht gibt.

Wollen wir unseren Kindern ein Leben in einer faireren Gesellschaft ermöglichen, in der wir unterschied­lich und doch vor dem Recht alle gleich sein können, müssen wir in Kauf nehmen, dass unsere Kinder auch einmal gehänselt werden, wenn sie nicht der Gendernorm entspre­chen. Statt das Kind davor zu schüt­zen, müssen wir aufklären – und zwar das Umfeld, nicht das Kind.

Bild: Pexels

Zur Autorin:

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Simone Hilber ist Soziologin und arbeitet bei der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi als Fachperson zu Bildungs- und Evaluationsfragen.
Simone Hilber ist Soziologin und arbeitet bei der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi als Fachperson zu Bildungs- und Evaluationsfragen.

Über die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi 

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist ein international tätiges Kinderhilfswerk. Seit 1946 stehen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Das Kinderdorf in Trogen ist ein Ort der Friedensbildung, an dem Kinder aus der Schweiz und dem Ausland im Austausch lernen, mit kulturellen und sozialen Unterschieden umzugehen. In zwölf Ländern weltweit ermöglicht die Stiftung benachteiligten Kindern den Zugang zu qualitativ guter Bildung.
www.pestalozzi.ch

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