Gemeinsam statt einsam
Familienleben

Gemeinsam statt einsam

Gerade in Ausnahmesituationen brauchen Kinder eine Stimme. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi antwortete mit ihrem Kinder- und Jugendradio auf das Coronavirus – und entwickelte eine krisenresistente Sendung, die in der Isolation vernetzte.
Text und Bild: Christian Possa

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
Neo auf die bevorstehende Radio-Projektwoche im Kinderdorf Pestalozzi. Dann kam der Lockdown und wie alle anderen Veranstalter musste auch das Kinderdorf sein Programm absagen. Neos Enttäuschung war so gross, dass sich seine Mutter beim Radioteam nach Alternativen erkundigte. Die gab es: Unter dem Hashtag #powerupverbindet lancierte das Kinder- und Jugendradio der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi eine ­Sendung, die zum Ziel hatte, Kindern wie Neo eine Stimme zu geben. «Wir nutzten den digitalen Begegnungsort des Mediums Radio, um Kinder und Erwachsene während der Corona-Krise zu vernetzen», erklärt Projektleiterin Cinzia Hänsenberger. Dadurch, dass Menschen ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krise teilen, werde Solidarität erlebbar.

Vom Teenie bis zur Seniorin

Am 23. März um 11 Uhr ging das Radioteam auf Sendung. Zunächst war das einstündige Format noch sehr strukturiert: So hiessen die Rubriken etwa Wunschkonzert, Happy News oder analoger Gamecorner. Die Community für das neue Format musste erst noch aktiviert werden.
 
Doch schon bald meldeten sich die ersten Kinder zu Wort. Radio­pädagogin Samantha Kuster erinnert sich an den Nachbarssohn ihrer Eltern, den sie zum Mitmachen ermunterte. Der 13-Jährige meisterte das Gespräch trotz seines sehr ruhigen Naturells souverän. In der zweiten Woche habe er dann von sich aus in die Sendung angerufen, um von seinem Lieblingsbuch zu erzählen und Freunde und Familie zu grüssen. «Da wurde mir bewusst, dass diese Erfahrung für sein Selbstvertrauen sehr wichtig war.»

Verbindende Momente gab es beispielsweise, als ein Mädchen während einer Sendung einen Buchtipp teilte und eine Freundin grüsste, die nicht mehr im selben Dorf lebt – und diese sich daraufhin meldete. Auch ältere Menschen erzählten von ihrem Alltag in Quarantäne. Cinzia Hänsenberger hatte beispielsweise die bald 80-jährigen Eltern einer Freundin in der Leitung, die es sehr schätzten, auf diesem Weg ihr Umfeld zu beruhigen und ihre Enkelkinder zu grüssen.

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